Hamburg

Blumen haben kein Schwein

Ich hatte meine Nachbarn gewarnt: Ich habe keinen grünen Daumen. Wer meinen Balkon kennt, braucht eigentlich nicht weiter zu fragen – außer einem Ständer Wäsche trocknet da eine traurige Topfpflanze vor sich hin. Trotzdem drückten mir die Nachbarn vor ihrem Urlaub vertrauensvoll den Schlüssel in die Hand. Könne ja schon nicht schlimmer werden, als wenn sie das geliebte Grün bei Temperaturen jenseits der 30 Grad zwei Wochen lang sich selbst überlassen würden.

Hochmotiviert machte ich mich also jeden Abend ans Werk, füllte Kanne um Kanne und goss das Wasser mit solcher Inbrunst in die Hängekästen, dass die Nachbarin auf dem Balkon einen Stock tiefer auch noch was davon hatte. Dass sich nach einer Woche erste gelbe Blätter zeigten, spornte mich nur noch mehr an, ich hielt die Erde feucht und kippte selbst nach dem Gewitterguss noch kräftig nach.

Dass da etwas mächtig schieflief, fiel mir leider erst am letzten Tag auf. Die Blätter waren nicht vertrocknet, sondern vergammelt. Die Pflanzen waren ertrunken. Die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas bei einer derartigen Hitzewelle passiert, ist vermutlich sogar in der Wüste höher.

Jetzt weiß ich aber auch, warum mir die andere Nachbarin nicht die Urlaubspflege der Meerschweinchen ihrer Kinder überlassen wollte. Vermutlich hätte ich die Tiere zur Abkühlung ins Planschbecken gesetzt, in der Annahme, wer so heißt, muss ja schwimmen können. Dass Meerschweinchen das nur in Notsituationen tun und eher vor lauter Panik einen Herzinfarkt bekommen, bevor sie das Ufer erreichen, wäre mir mit Sicherheit auch erst hinterher aufgefallen.