St. Pauli

Das Schmidt Theater feiert heute seinen 30. Geburtstag

Lebt sein Theater: Schmidt-Gründer
und -Chef Corny Littmann (65)

Lebt sein Theater: Schmidt-Gründer und -Chef Corny Littmann (65)

Foto: Markus Scholz / dpa

Anfangs noch Subkultur, bieten Corny Littmann und Co. heute Volks- und Familientheater. 400.000 Besucher allein im Vorjahr.

Hamburg.  Von wegen „Tschüssikowski!“ Für den 30. Geburtstag des Schmidt Theaters wird die kürzlich angelaufene, richtig schräge Urlaubsrevue an diesem Mittwoch ausnahmsweise vom Spielplan genommen. Dabei hatten der Spielstätte selbst Freunde und Kollegen gerade mal ein halbes Jahr gegeben, als das Schmidt am 8.8.88 auf dem Kiez mit dem Programm „Sag bitte und ich sing“ eröffnete.

Die schrillen Komödianten Corny Littmann und Ernie Reinhardt alias Lilo Wanders sowie zwei Gastronomen hatten bis dato keinerlei Erfahrung, ein 220-Plätze-Haus zu leiten. Wenn Littmann (65), der geschäftsführende Gesellschafter, mit seinen alten und neuen Mitstreitern Norbert Aust (75), dessen Tochter Tessa und deren Schwager Hannes Vater, heute bei einer Gala den 30. Geburtstag des Hauses begeht, kann er auch das erfolgreichste deutsche Privattheater feiern.

400.000 Besucher im Vorjahr

Das 2004 und 2005 neu gebaute Schmidt (jetzt 420 Plätze) lockte mit seinen großen und kleinen Nachbarn Schmidts Tivoli (seit 1991) und Schmidtchen (seit 2015) allein im Vorjahr gut 400.000 Besucher an. 250 Mitarbeiter machen 20 Millionen Euro Umsatz im Großbetrieb. „Wir sind kein Hamburger Theater, wir sind ein norddeutsches Theater“, sagt Littmann. Die Mund-zu-Mund-Propaganda von Stammgästen aus der gesamten Region bildet das Herzstück des ansonsten hochmodernen Marketings. Auf die heute meist üblichen städtischen Subventionen verzichtet man im Schmidt dankend. Littmann wurde 1999 als „Hamburger Unternehmer des Jahres“ geehrt.

Das alles war 1988 kaum absehbar, als die Mitglieder der reisenden Theatertruppe Familie Schmidt den maroden ehemaligen Kaiserhof am Spielbudenplatz für 10.000 D-Mark im Monat mieteten. Des Tourens müde wollte man an festem Ort modernes, frech-fröhliches Volkstheater bieten – mit einem guten Schuss sexueller Provokation. Früher für manche Zeitgenossen noch schockierende Subkultur, heute fast Mainstream: Das Schmidt, dank der bis 1993 live vom NDR übertragenen „Schmidt Mitternachtsshow“ bundesweit bekannt geworden, knüpft als Verzehrtheater mit schrägen Stücken, Musik und Comedy so indirekt an St. Paulis bürgerliche Vergnügungstradition an.

Seit 2006 steht sogar Familientheater auf dem Schmidt-Plan, ab Herbst erneut der Dauerbrenner „Der kleine Störtebeker“ vom Autorenduo Martin Lingnau und Heiko Wohlgemuth. Auch deshalb ist Littmann, Regisseur ihrer Revue „Tschüssikowski“, vor der Zukunft nicht bange.