Hamburg

Neue Vereinshäuser als lokale Begegnungsstätten

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Rainer Grünberg

Die Sportanlagen im Hamburger Osten sind in einem bescheidenen Zustand. Bis Ende 2025 sollen sie für 100 Millionen Euro saniert werden

Hamburg. Beim Hamburger Sportbund (HSB) konnten sie die Nachricht anfangs kaum glauben. „Das müssen wir uns einmal ganz genau anhören“, postete HSB-Sprecher Maarten Malczak, als er Ende Juni erfuhr, dass Bundesregierung und Hamburger Senat zusammen 100 Millionen Euro in die Sanierung der sozialen und sportlichen Infrastruktur im Hamburger Osten investieren wollen, in die Stadtteile Hamm, Horn, Ro­thenburgsort und Billstedt.

Beim ganz genauen Hinhören entpuppte sich diese Meldung Ende vergangener Woche auf einer SPD-Veranstaltung als noch viel besser als zunächst angenommen. Die 100 Millionen Euro werden in erster Linie dem Sport und den ortsansässigen Clubs zur Verfügung gestellt. „Die Vereine müssen jetzt sagen, was sie brauchen, was sie gerne hätten. Ihre Wünsche müssen aber in den Stadtteil passen“, sagte Johannes Kahrs, haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, dem Abendblatt.

Das Investitionsvolumen im Rahmen des Senatsprogramms „Stromaufwärts an Elbe und Bille“ ist auf acht Jahre bis 2025 gestreckt, mit der Umsetzung könnte nach Ende der Planungs- phase im nächsten Sommer begonnen werden. Das Bezirksamt Mitte, zuständig für die Sportstättenplanung in allen sieben Hamburger Bezirken, begleitet das Projekt federführend.

„Wir werden uns jetzt mit den Vereinen zusammensetzen und Vorschläge erarbeiten. Wir sind auf diese Herausforderung jedoch gut vorbereitet“, sagt HSB-Sprecher Malczak. Angedacht sind vor allem neue Kunstrasenplätze, Vereinshäuser, Umkleidetrakte, Dreifeldhallen, die Sanierung von Schwimmbädern, Tennisplätzen und Reithallen.

„Mit den Bundesmitteln soll und wird unsere Stadt Vorzeigeprojekte entwickeln, die wegweisend für die ganze Bundesrepublik sein werden. Im Hamburger Osten wird Bundespolitik runtergebrochen auf unsere Stadtteile“, sagt Kahrs. Eine Grobplanung gibt es bereits. Falko Droßmann, Bezirksamtsleiter Hamburg-Mitte, hat in Stadtteilkonferenzen die Interessen der betroffenen Vereine und Anwohner schon mal an- und abgefragt. „Mit diesen Mitteln schafft es der Bezirk Mitte, Projekten, die den sozialen Zusammenhalt in unserer Stadt stärken, ein auskömmlich finanziertes Grundgerüst zu geben, welches nun mit Leben gefüllt werden muss“, sagt Droßmann.

Die Sportanlagen im Hamburger Osten, wie auch in der übrigen Stadt, wurden meistens in den 1960er- und 1970er-Jahren neu oder umgebaut, Container dienen vielerorts als Umkleidekabinen. „Man sieht, dass die Vereine ihre Plätze und Räumlichkeiten nach Kräften liebevoll gepflegt haben, die Anlagen sind inzwischen aber fast alle in einem bescheidenen Zustand. Da bestand Handlungsbedarf“, sagt Kahrs.

Während der Hamburger Olympiabewerbung 2015 hätten viele Menschen geklagt, die Stadt sollte sich erst einmal um die Sportstätten vor Ort kümmern, bevor sie weiße Elefanten züchte. „Das tun wir jetzt in einem außerordentlichen Umfang“, sagt Kahrs. Nach seiner Vorstellung sollten die Clubs aber künftig noch effektiver mit der Sozial- und Stadtteilarbeit in ihren Quartieren vernetzt, die Vereinshäuser noch stärker als Begegnungsstätte genutzt werden.

Ein Musterbeispiel ist der Neubau der HT 16

Ein Vorbild dafür wäre für ihn das Stadtteilhaus Horner Freiheit am Gojenboom. „In die Gebäude könnten Kindertagesstätten und Elternschulen integriert werden“, schlägt Kahrs vor. Auch Gastronomie sei denkbar, obwohl die in den Vereinen eher schlecht laufe.

Wie Stadtteilentwicklung mit Sport aussehen könnte, wird derzeit von der Stadt und dem Bezirk Mitte bei der Hamburger Turnerschaft 1816 am Sievekingdamm in Hamm demonstriert. Die HT16, der älteste Turnverein der Welt, erhält auf seiner ehemaligen Grünfläche einen vierstöckigen Sportkomplex inklusive einer 14 Meter hohen Kletterhalle und einer Kindertagesstätte für 90 Kinder. Die benachbarte Ganztagsgrundschule Hohe Landwehr freut sich über eine in den Komplex integrierte erweiterte Einfeldhalle (für den Schul- und Vereinssport), auf dem früheren Parkplatz wird ein siebenstöckiges Gebäude errichtet. Dort sollen im Jahr 2019 der Kulturladen Hamm und das im Stadtteil beliebte Theater Sprechwerk einziehen, zudem sind Arztpraxen und Büroräume geplant. Das Sportzentrum kostet 10,47 Millionen Euro, die Stadt fördert den Bau mit Zuschüssen von 6,625 Millionen Euro. Der Eigenanteil der HT 16 beläuft sich auf 30 Prozent.

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