Hamburger Hafen

Werft jahrelang illegal betrieben? Razzia bei Kapitän Prüsse

Eine Barkasse der Rederei Kapitän Prüsse während einer Hafenrundfahrt

Eine Barkasse der Rederei Kapitän Prüsse während einer Hafenrundfahrt

Foto: imago/Hoch Zwei/Angerer

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Barkassenreederei. Nun hat die Polizei Büros und Schiffe an den Landungsbrücken durchsucht.

Hamburg. Razzia bei einem der bekanntesten Barkassenunternehmer des Hamburger Hafens: Nach einem entsprechenden Beschluss der Staatsanwaltschaft hat die Polizei bereits am Mittwoch die Geschäftsräume und Boote von Kapitän Heinrich „Hein“ Prüsse an den Landungsbrücken durchsucht. Das bestätigten die Sprecher der Ermittlungsbehörden am Wochenende auf Anfrage.

Gegen den 77-jährigen Unternehmer wird wegen des „unerlaubten Betreibens von Anlagen“ ermittelt. Konkret soll Prüsse eine kleine Werft ohne Genehmigung unterhalten, möglicherweise bereits seit Jahren.

Laut einer Polizeisprecherin waren bereits am Mittwochmorgen gegen 7 Uhr 50 Beamte zu der Durchsuchung angerückt. Unter Führung der Wasserschutzpolizei wurden mehrere Büros, Schiffe und Arbeitsboote des Unternehmers an den Landungsbrücken durchsucht.

„Es wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt“, sagte die Oberstaatsanwältin Nana Frombach. Das unerlaubte Betreiben von Anlagen wird laut Paragraf 327 des Strafgesetzbuches mit einer Geldstrafe oder bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft. Zuerst hatte die „Bild“ über die Razzia berichtet.

Prüsse soll Werft seit 2011 betreiben

Heinrich Prüsse soll nach Abendblatt-Informationen bereits seit dem Jahr 2011 die Werft im westlichen Fährkanal nahe Blohm + Voss betreiben. Laut seiner Webseite gehören insgesamt zwölf Barkassen, darunter allein acht Schiffe desselben Typs mit Namen „Nordsee“ und fortlaufenden Nummern, zur Flotte. Der Unternehmer besitzt auch den Raddampfer „Mississippi Queen“ an den Landungsbrücken, das Salonschiff „Solar“ sowie den „Elbdampfer Germania“.

Ein Mitarbeiter von Kapitän Heinrich Prüsse sagte am Sonntag auf Anfrage des Abendblattes, weder er noch der Unternehmer selbst würden sich zu den Vorwürfen äußern – auch wenn ihnen dies schwer falle.

Möglicherweise hält Prüsse die strafrechtlichen Vorwürfe für unbegründet. Aus dem Umfeld des Unternehmens heißt es, die Werft mit einem rund 35 Meter langen Schwimmdock sei bereits seit längerer Zeit nicht mehr für Reparaturen genutzt worden. Kleinere Arbeiten seien dagegen oftmals direkt an den Anlegern der Landungsbrücken vorgenommen worden.

Harter Wettbewerb um Touristen im Hafen

Heinrich Prüsse bezeichnet sein Unternehmen selbst als „die Nummer eins im Hafen“ und bewirbt seine Rundfahrten als „authentisch, ehrlich, typisch hamburgisch“. Prüsse steht jedoch auch in dem Ruf, sich im Wettbewerb um zahlungskräfte Touristen zuweilen harte Auseinandersetzungen mit konkurrierenden Unternehmern zu liefern. Um die Jahrtausendwende kam es zu einem regelrechten „Barkassenkrieg“, der vor Gericht und mit der Einführung eines Ehrenkodex beigelegt wurde.

In Kontakt mit der Strafjustiz kam das Unternehmen zuletzt im Jahr 2008. Der elf Jahre alte Junge Raik aus Erfurt war an den Landungsbrücken bei einem Unfall von einem zerrissenen Schiffstau des Schaufelraddampfers „Mississippi Queen“ der Reederei Prüsse am Hals getroffen und schwer verletzt worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelte wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen den Schiffsführer; es wurde der Verdacht geäußert, dass das Schiff mit maroden Trossen unterwegs gewesen sei.

Neben den Rundfahrten für Touristen trägt auch eine Segelschule an der Alster den Namen von Kapitän Prüsse. Insgesamt werben im Hafen nach Branchenangaben mehr als zwei Dutzend Anbieter um Gäste für die mindestens 100 Ausflugsschiffe. Die größte Flotte betreibt die Reederei Abicht mit 27 Fahrgastschiffen. Die Anbieter profitieren massiv von dem heißen Sommer. Der Umsatz steige bei Sonnenschein um rund 30 bis 40 Prozent, heißt es bei der Firma Barkassen-Meyer.