Hamburg

Erst kam der Blutmond, dann das Gewitter

Auf spektakuläres Himmelsspiel folgten Unwetter und ein dramatischer Badeunfall

Hamburg.  Es sollte ein ganz besonderer Höhepunkt für Astronomie-Fans werden: Am späten Freitagabend hatte sich über Hamburg ein spektakulärer Anblick angekündigt – die mit 103 Minuten längste totale Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts. Und so versammelten sich Tausende Schaulustige an den besten Aussichtspunkten der Stadt: an der Alster und der Elbe, auf dem Müllberg in Hummelsbüttel und dem Energiepark in Georgswerder.

Doch als der Mond um 21.16 Uhr aufging, hielten sie erst einmal vergeblich Ausschau. Der Vollmond verbarg sich vor Augen, Kameras und Teleskopen hinter Dunstschleiern. Lange war er eher zu erahnen. Erst als die maximale Verdunklung vorüber war und er schon weit oben am Himmel stand, zeigte sich der Mond blutrot – wenngleich lange nicht so deutlich wie erhofft. Nach 23 Uhr waren aber doch noch einige Ohs und Ahs zu hören: Der Mond hatte an Strahlkraft gewonnen, auch der ungewöhnlich nahe Mars war am Himmel auszumachen. Zudem zog gegen 22.34 Uhr die Internationale Raumstation als heller Leuchtpunkt über den Himmel. Bei einer Mondfinsternis liegen Sonne, Mond und Erde auf einer Linie. Der Mond taucht in den Schatten der Erde ein. Der sogenannte Blutmond entstand, weil das Sonnenlicht in der Erdatmosphäre gebrochen wurde und langwelliges rotes Licht auf den Mond fiel.

Kurz nach dem spektakulären Himmelsereignis, das sich in dieser Form erst im Jahr 2123 wiederholen wird, gab es an der Außenalster einen tragischen Badeunfall. Vermutlich aus Leichtsinn war ein 36 Jahre alter Mann gegen 0.45 Uhr von der Terrasse des beliebten Lokals Alster-Cliff (Fährdamm) mit einem Kopfsprung in die dort sehr flache Alster gehechtet. Der Schwimmer blieb anschließend regungslos im Wasser liegen und wurde von Gästen des Lokals an Land gezogen. Nach der Versorgung durch einen Notarzt wurde der Mann mit Verdacht auf Querschnittlähmung unterhalb des Bauches in ein Krankenhaus eingeliefert. Offenbar hatte er sich in der warmen Sommernacht abkühlen wollen.

Heftige Gewitter haben am Sonnabendnachmittag die Sommerhitze in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen vorübergehend unterbrochen. Nach starkem Regen und Sturmböen sanken die Temperaturen in der Hansestadt auf rund 20 Grad. Die Hamburger Feuerwehr rückte zu insgesamt 60 wetterbedingten Einsätzen aus: In 55 Fällen mussten Dachziegel oder Äste beseitigt oder stabilisiert werden, in fünf Fällen drohten Keller vollzulaufen. Nach Angaben der Feuerwehr gibt es bisher keine Meldung über verletzte Personen, größere Sachschäden blieben ebenfalls aus. Auch in Schleswig-Holstein kam es nach Angaben der Polizei hauptsächlich zu Einsätzen wegen entwurzelter Bäume, abgeknickter Äste oder umgewehter Bauzäune. Die Rader Hochbrücke wurde kurzzeitig für leere Lkw und Gespanne gesperrt.

In Niedersachsen stürzten während des Unwetters mehrere Bäume auf Bahngleise. Daher sperrte die Bahn die Zugstrecke zwischen Bremen und Hannover teilweise, auch zwischen Bremen und Hamburg-Harburg sowie rund um Buchholz kam es zu Behinderungen. Im Hamburger S-Bahn-Verkehr führten Unwetterprobleme zu vereinzelten Störungen. So konnte die Station Hammerbrook vorübergehend nicht angefahren werden. Auch zwischen den Haltestellen Berliner Tor und Wilhelmsburg fuhren zwischenzeitlich Ersatzbusse.

Abkühlung brachten die Schauer und Gewitter am Sonnabend dem Nordwesten nur kurzfristig. Ein Ende der Hitzewelle sei nicht in Sicht, sagte die Meteorologin Kristin Krone vom Deutschen Wetterdienst in Hamburg. Am Montag und Dienstag sollen die Höchstwerte auf 32 bis 35 Grad steigen. Erst von Mitte der Woche an kann das Wetter unbeständiger werden und Regen bringen.

Sonnenbrand droht auch den Äpfeln im Alten Land – und den Apfelbauern wirtschaftliche Verluste durch das hochsommerliche Wetter. Laut Karsten Klopp, Leiter des Obstbauzentrums Jesteburg, könne die Sonnenseite der Äpfel braune Sonnenbrand-Flecken bekommen. Das beeinträchtige die Qualität.


Immer mehr Fische verenden wegen der Hitze, berichtet der NDR. Bei 25 Grad Celsius in der Elbe sinke der Sauerstoffgehalt weiter. Größtes Pro­blem seien die stehenden Gewässer: Drei bis vier Kubikmeter verendeter Fisch hätten aus der Wandsbeker Mühlenschleuse abgefischt und von der Stadtreinigung entsorgt werden müssen. Auch an der Fuhlsbütteler Schleuse und im Regenrückhaltebecken Erich-Kästner-Ring seien viele Fische verendet.