Kolumne „Auf die Ohren“

Bombast-Pop, Blues und Country: Die Alben der Woche

"High as hope" – musikalischer Bombast a lá Florence + The Machine

"High as hope" – musikalischer Bombast a lá Florence + The Machine

Foto: Universal

Rezensionen von Musik-Alben aus der Kultur-Redaktion. Heute mit dabei: Florence + The Machine. Buddy Guy und Lindi Ortega.

Hamburg. Sie ist seit ein paar Jahren die Dramaqueen des britischen Pop. Florence Welch und ihre Band Florence + The Machine haben es mit drei Alben voller opulenter, barocker Hymnen ganz nach oben auf die Popularitätsskala geschafft. Ihren nächsten Hamburger Auftritt wird sie wieder mal in der Barclaycard Arena (9. März 2019) geben, und er wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausverkauft sein.

Im Repertoire wird sie dann eine Reihe neuer Songs aus ihrem Album „High As Hope“ (Universal) haben, das musikalisch wieder auf den von ihr bekannten Bombast setzt. Es gibt Songs wie „Grace“ und die Patti-Smith-Hommage „Patricia“, die wie Balladen beginnen, aber dann doch nicht ohne voluminöse Chöre und wuchtige Beats auskommen. In ihren Texten erinnert Florence sich an ihre Essstörungen als Teenager („Hunger“) und durchzechte Nächte („South London Forever“), doch die Zeit der Exzesse ist vorbei. Die passionierte Trinkerin ist seit vier Jahren trocken und zerstört seitdem auch keine Hotelzimmer mehr, wie sie in Interviews zugegeben hat. Ihre Fans werden „High As Hope“ mögen, weil sie das bekommen, was sie erwartet. Innerhalb von Florence’ Werk ist das vierte Album jedoch eines der musikalischen Stagnation.

Blues mit Jagger an der Mundharmonika

2015 erhielt er einen Grammy für sein Lebenswerk. Höchste Zeit, denn Buddy Guy ist Jahrgang 1936 und einer der maßgeblichen Musiker des Electric Blues. Er hat mit seinem unverwechselbaren Stil Generationen schwarzer, aber auch weißer Musiker inspiriert. Als 13-jähriger Junge hat er sich das Gitarrespielen selber beigebracht, nachdem er einen Song von John Lee Hooker gehört hat, sagt die Legende. „The Blues Is Alive And Well“ (RCA/Sony) heißt ein neues Album dieses Veteranen. Guy hat ein paar Gäste dabei, die ihm viel verdanken. Keith Richards und Jeff Beck messen sich mit ihm in dem Song „Cognac“, James Bay macht bei „Blue No More“ ebenfalls eine gute Figur, und Mick Jagger greift in „You Did The Crime“ zur Mundharmonika.

Diese Gastauftritte wirken ein wenig wie ein spätes Zurückzahlen für die Inspiration, die Buddy Guy und andere Afroamerikaner den britischen Bluesmusikern in den 60er-Jahren gegeben haben, die mit Blues reich und berühmt wurden. „The Blues Is Alive And Well“ krankt ein wenig an der Rolle, die der weiße Produzent Tom Hambridge hier spielt. Er ist nur ein Handwerker, der sich in den Blues-Klischees gut auskennt, doch Herausforderungen stellt er an Buddy Guy keine.

Country-Musikerin mit mexikanischen Wurzeln

Was Chicago für den Electric Blues bedeutet, gilt für Nashville in Bezug auf Country. In der Stadt in Tennessee finden sich Dutzende von Studios und Hunderte von versierten Musikern, die den entsprechenden Sound von Weite und Staub hinbekommen. Lindi Ortega, eine kanadische Countrysängerin mit mexikanischen Wurzeln, ist für ihr Album „Liberty“ (Shadowbox Music) in den Süden gereist, um dort ihr neues Album mithilfe des Produzenten Skylar Wilson aufzunehmen.

Schon das gezeichnete Cover ihres Konzept-Albums macht klar, wohin der Ritt geht: Ortega galoppiert auf einem Pferd, das durch die Nüstern schnaubt. Ihre Songs würden vortrefflich in einen Film von Quentin Tarantino oder klassische Western passen. Tolle Countrysongs zwischen Balladen, Gitarren-Twang und Mariachi-Trompeten.