Im Norden

Kirchen verlieren weiter Mitglieder – die neuen Zahlen

Hamburgs Erzbischof Stefan Heße in vollem Ornat. Beide Kirchen verlieren weiter Mitglieder

Hamburgs Erzbischof Stefan Heße in vollem Ornat. Beide Kirchen verlieren weiter Mitglieder

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Die Nordkirche schrumpft langsamer als in den Jahren zuvor. Protestanten setzen derweil auf Bildungsangebote.

Schwerin.  Die Nordkirche verliert weiterhin Mitglieder. 2017 seien 2,028 Millionen Mitglieder registriert worden, rund 36.000 bzw. 1,75 Prozent weniger als im Jahr zuvor, teilte die Nordkirche am Freitag in Schwerin mit. 2016 sei noch ein Rückgang um 39.500 Protestanten verzeichnet worden, 2014 sogar um 47.500. Der Schwund fällt aber geringer aus als in den Vorjahren. Das Gebiet der Nordkirche umfasst die Länder Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Nordkirchensprecher Stefan Döbler sprach von einem „erneut gebremsten Mitgliederrückgang“. Im dritten Jahr in Folge sei die Zahl der Austritte zurückgegangen. Zum größten Teil gingen die Mitglieder der Kirche zufolge durch Austritte verloren, 2014 etwa wegen des bundesweit eingeführten Einzugsverfahrens der Kirchensteuer auf Kapitalerträge.

Viele treten auch wieder in die Kirche ein

2017 haben demnach rund 25.700 Menschen ihren Austritt erklärt, 2014 seien es fast 37.000 gewesen. Die Zahl der Taufen verringerte sich 2017 um etwa 800 im Vergleich zum Vorjahr auf zuletzt 16.500.

Auf der anderen Seite wurden 2017 knapp 3400 Menschen in die Nordkirche aufgenommen. 2016 waren es mit gut 3500 etwas mehr. Es habe sich vor allem um Wiedereintritte gehandelt, sagte Döbler.

Protestanten setzten auf Bildungsangebote

Landesbischof Gerhard Ulrich sprach angesichts der aktuellen Zahlen von einer Herausforderung: „Wie erreichen wir es, dass sich Gemeindeglieder wieder stärker mit ihrer Kirche verbunden fühlen?“ Kirche lebe aus der „Gewissheit, dass jeder Mensch, unabhängig von Leistung, Herkunft und Geschlecht, von Gott angenommen ist“. Diese Gewissheit werde „in Zeiten, in denen die Unantastbarkeit der Menschenwürde infrage gestellt wird, dringend gebraucht“.

Die Kirche konstatierte bei ihren Bildungsangeboten eine wachsende Nachfrage. Das betreffe evangelische Kindertageseinrichtungen ebenso sowie evangelischen Religionsunterricht. An diesem nehmen in Hamburg und Schleswig-Holstein mehr als 90 Prozent aller Grundschüler sowie zwischen 50 und 60 Prozent der Schüler weiterführender Schulen teil. In Mecklenburg-Vorpommern sind es fast 40 Prozent aller Schüler. Damit liege das Land an der Spitze der ostdeutschen Länder. Rund 10.000 Kinder und Jugendliche wurden 2017 in Schulen in evangelischer Trägerschaft unterrichtet – zehn Prozent mehr als fünf Jahre zuvor.

Katholiken in Vorpommern werden mehr

Wie die katholische Kirche am Freitag mitteilte, ist die Zahl der Katholiken in Mecklenburg-Vorpommern 2017 erneut leicht um mehr als 200 auf 55.200 gestiegen. Die Zahl der Taufen sei mit 277 stabil. 548 Menschen traten 2017 aus. Die Katholiken erleben vor allem durch Zuzüge polnischer Gläubiger in der Grenzregion einen Zuwachs. In Hamburg dagegen sank die Zahl der Katholiken 2017 durch Austritte um 3.201 auf jetzt 193.954 eher kräftig.

Zum Vergleich: In Bremen verringerten die 810 Austritte die Zahl der Gemeindemitglieder auf jetzt 75.871 Mitglieder, der Rückgang war im Verhältnis also deutlich moderater als in Hamburg. Niedersachen verzeichnete 8.891 Austritte und 1,35 Millionen Mitglieder, Schleswig-Holstein 1.934 Austritte und 168.500 Mitglieder.

Niedersachsen und Bremen lassen Federn

Auch die evangelischen Kirchen in Niedersachsen und Bremen verlieren. In Niedersachsen hatten die fünf protestantischen Landeskirchen der Statistik zufolge Ende vergangenen Jahres insgesamt 3,49 Millionen Mitglieder bei einer Gesamtbevölkerung von rund 7,9 Millionen Menschen. Die Bremische Evangelische Kirche verzeichnete rund 199.000 Mitglieder bei einer Gesamtbevölkerung von 557.000 Einwohnern. Danach bleibt die hannoversche Landeskirche mit 2,57 Millionen Mitgliedern zwischen Hann, Münden und der Nordsee weiterhin die größte evangelische Landeskirche in Deutschland – knapp vor dem Rheinland sowie Bayern und Westfalen.

Viele Kirchen meldeten gleichbleibende oder erhöhte Austrittszahlen. So kehrten in der hannoverschen Landeskirche rund 23.000 Menschen der Kirche den Rücken oder zogen aus dem Gebiet der Landeskirche fort – gut 3.000 mehr als im Vorjahr, aber 1.000 weniger als noch 2015. „Wir nehmen das sehr ernst und finden jeden Austritt bedauerlich“, sagte die Präsidentin des evangelisch-lutherischen Landeskirchenamtes in Hannover, Stephanie Springer. Durch eine gute Arbeit für die gesamte Gesellschaft wolle die Kirche möglichst viele Menschen zurückgewinnen.