Mobilität der Zukunft

Ab 2021 fährt die S21 fahrerlos durch Hamburg

Kay Uwe Arnecke, Ronald Pofalla, Peter Tschentscher und Roland Busch (v. l.) unterzeichneten den Vertrag

Kay Uwe Arnecke, Ronald Pofalla, Peter Tschentscher und Roland Busch (v. l.) unterzeichneten den Vertrag

Foto: dpa/Bodo Marks

Die S-Bahn wird zwischen Berliner Tor und Bergedorf/Aumühle zur Teststrecke. Das Projekt kostet 60 Millionen Euro.

Hamburg.  Die erste vollautomatische S-Bahn in Deutschland wird von Oktober 2021 an auf der Linie 21 zwischen Berliner Tor und Bergedorf/Aumühle fahren. In der Hansestadt werde die Zukunft der Digitalisierung des Nahverkehrs gestartet – Hamburg sei damit der Vorreiter für den technologischen Wandel auf der Schiene, so der Deutsche-Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla am Donnerstag im Beisein von Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) bei der Präsentation und Vertragsunterzeichnung für das Pilotprojekt „Digitale S-Bahn Hamburg“ im Kaisersaal des Rathauses. Kooperationspartner sind die Stadt, die Siemens AG und die DB, die gemeinsam die Investitionskosten von rund 60 Millionen Euro tragen.

Siemens-Vorstand Roland Busch kündigte an: „Mit intelligenter Technik schaffen wir es, dass immer mehr Menschen den öffentlichen Nahverkehr nutzen können. Auf derselben Strecke können bei höherer Kapazität deutlich mehr Personen befördert werden, der Energieverbrauch sinkt ebenfalls.“ Langfristig soll die Kapazität im Streckennetz so um 20 Prozent erhöht werden.

Deutschlandpremiere in Hamburg

Ein Grund dafür, dass Hamburg für das Pilotprojekt ausgewählt wurde, ist der Weltkongress Intelligent Transport Systems (ITS) 2021 in der Hansestadt, dann soll auch die „Digitale S-Bahn Hamburg“ Premiere haben.

Haben Sie Sorge, in eine fahrerlose S-Bahn zu steigen?

Zum ersten Mal in Deuschland werden vier Züge in einem S-Bahn-Netz im digitalisierten Betrieb fahren. Die 23 Kilometer lange Strecke der S 21 zwischen den Haltestellen Berliner Tor und Bergedorf/Aumühle wird dafür technisch umgerüstet. Von der Abstellanlage, die rund einen Kilometer von der Haltestelle Berliner Tor entfernt liegt, fährt die S-Bahn bis zum Bahnsteig vollautomatisch, das heißt ohne Fahrer. Dort steigen die Fahrgäste und der Lokführer zu.

Der Zugführer greift nur bei Störungen ein

„Die S-Bahn fährt ab diesem Zeitpunkt hochautomatisiert“, sagte Hamburgs S-Bahn-Chef Kay Uwe Arnecke. „Das heißt, der Lokführer übernimmt eine überwachende Funktion und greift lediglich bei einer Störung oder Gefahrensituation ein.“ Neben den zusätzlichen Kapazitäten werde sich die neue Technik auch auf die Pünktlichkeit der Bahnen positiv auswirken, sagte Kay Uwe Arnecke.

Langfristig soll es nicht bei dem Abschnitt auf der Linie S 21 bleiben: „Natürlich soll die S-Bahn der Zukunft auch im gesamten Hamburger Streckennetz hochautomatisiert fahren“, so Arnecke. „Aber das wird in mehreren Schritten umgesetzt und wird noch insgesamt zehn Jahre dauern.“

„Hamburg ist auf dem Weg zur Modellstadt“

Bei der Präsention im Rathaus betonte auch Bürgermeister Tschentscher, welche Bedeutung das Pilotprojekt für die Elbmetropole hat: „Hamburg ist auf dem Weg zur Modellstadt für moderne Mobilität“, sagte der Bürgermeister. „Wir wollen den Verkehr in unserer Stadt auf der Straße und auf der Schiene zuverlässiger, umweltfreundlicher und sicherer machen.“

Die technische Umsetzung basiert auf dem automatischen Zugsteuerungssystem Automatic Train Operation (ATO) und dem europäischen Zugbeeinflussungssystem European Train Control System (ETCS). In der Praxis bedeutet das: Das elektronische Stellwerk (ESTW) überwacht die richtige Lage der Weichen und stellt die Signale für die Züge. Die Signalbegriffe des Stellwerks werden auf der Teststrecke zusätzlich an die ETCS-Zentrale verschickt. Diese gibt die Fahranweisungen per Funk an die Fahrzeuge. Im Gleis werden Eurobalisen verlegt. Diese Datenpunkte übermitteln zusätzliche statistische Informationen wie zum Beispiel Position und Geschwindigkeit, die von der ETCS-Zentrale so verarbeitet werden, dass es eine optimale Zugfolge gibt. So können laut DB mehr Züge auf den vorhandenen Gleisen fahren. In dem Zug selbst gibt es ein ETCS sowie ein ATO-Fahrzeuggerät. Wenn das Fahrzeug unter ETCS-Überwachung fährt, kann der Zugführer das hochautomatisierte Fahren aktivieren. Das ATO-System bildet ein energieoptimiertes Geschwindigkeitsprofil zum pünktlichen Erreichen der nächsten S-Bahn-Haltestelle.

Die U5 soll in Hamburg von 2027 an vollautomatisch fahren

Zurzeit arbeiten Techniker und Ingenieure von DB und Siemens ein detailliertes Konzept für die Entwicklung und Umsetzung aus. Ziel der DB sei es, „das gesamte Schienennetz mit digitaler Leit- und Sicherungstechnik, digitalen Schwellen und weiteren innovativen Technologien zu modernisieren, um einen komplett digitalisierten Bahnbetrieb zu ermöglichen“, sagte Bahnvorstand Pofalla.

Nach ersten Planungen könnten rund 80 Prozent des deutschen Schienennetzes bis 2030 digital und ohne Signale betrieben werden.

Vollautomatisch soll in Hamburg voraussichtlich von 2027 an die neue U-Bahn-Linie 5 fahren. Der Baubeginn für den ersten Abschnitt zwischen Bramfeld und der City Nord ist für 2021 geplant.