Nach Urteil

Hamburger gedenken NSU-Opfer Süleyman Tasköprü

 Das Straßenschild "Tasköprüstraße" ist im Stadtteil Bahrenfeld zu sehen. In der Straße wurde der Gemüsehändler Süleyman Tasköprü 2001 in seinem Geschäft erschossen

Das Straßenschild "Tasköprüstraße" ist im Stadtteil Bahrenfeld zu sehen. In der Straße wurde der Gemüsehändler Süleyman Tasköprü 2001 in seinem Geschäft erschossen

Foto: dpa

Mundlos und Böhnhardt erschossen den Gemüsehändler am 27. Juni 2001 in seinem Geschäft in Bahrenfeld. Demonstration am Nachmittag.

Hamburg. 27. Juni 2001: Zwischen 10.45 und 11.24 Uhr erschießen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt den 39-jährigen Gemüsehändler Süleyman Tasköprü in seinem Geschäft an der Schützenstraße in Bahrenfeld. Heute befindet sich dort ein Fahrradladen. Am Haus erinnert ein Gedenkstein an das Mordopfer. In der Umgebung ist eine Straße nach ihm benannt.

Süleyman Tasköprü ist eines der zehn Opfer der NSU-Täter. Im Münchener Prozess wurde am Mittwoch die Hauptangeklagte Beate Zschäpe zu einer lebenslanger Haftstrafe verurteilt.

Mehr als fünf Jahre hat der NSU-Prozess gedauert. "438 Tage wurde verhandelt, über 600 Zeugen gehört, zwölf Parlamentarische Untersuchungsausschüsse haben sich mit dem NSU beschäftigt. Heute wurden die fünf Angeklagten verurteilt, dennoch ist das Kapitel NSU bei Weitem nicht abgeschlossen", sagt Martin Bill, stellvertretender Landesvorsitzender der Hamburger Grünen. Das Urteil könne keinesfalls einen Schlussstrich unter die NSU-Morde ziehen. Es sei beim Prozess in München ausschließlich darum gegangen, über die Schuld der fünf Angeklagten zu befinden. Es blieben mehr Fragen als Antworten. Zum 17. Todestag von Süleyman Tasköprü am 27. Juni hatten Grüne und SPD eine Resolution in die Bürgerschaft eingebracht, mit der das Parlament die Angehörigen für das erlittene Leid und für die mit einem falschen Verdacht geführten Ermittlungen um Entschuldigung bittet.

Eine von vielen Fragen: Wie wurden die Oper ausgewählt?

"Kein Schlussstrich fordern auch die LInken-Fraktion in der Hamburger Bürgerschaft. Sprecherin Christiane Schneider: „Der Prozess gegen Zschäpe und andere hat viele Fragen offengelassen: Wie wurden die Opfer ausgewählt? Warum hier in Hamburg Süleyman Taşköprü? Wer waren die Helfer vor Ort, in Hamburg und in den anderen Städten, in denen der NSU mordete? Welche Rolle spielte die damalige sehr militante Hamburger Naziszene mit ihren bundesweit vernetzten Führungsfiguren? Was wusste der Staat? Warum wurden Opfer und Hinterbliebene so viele Jahre mit falschen Verdächtigungen rassistisch diskriminiert? Solange diese Fragen nicht beantwortet sind, gilt: Kein Schlussstrich!“

„Fünf Jahre NSU-Prozess – Kein Schlussstrich“ lautet das Motto einer Demonstration, die für den heutigen Mittwoch in Bahrenfeld angemeldet worden ist. Es werden mehr als 1000 Teilnehmer erwartet. Die Demo startet um 17 Uhr an der Ecke Schützenstraße/ Bahrenfelder Straße. Um 18 Uhr findet dann eine Kundgebung am Alma-Wartenberg-Platz in Ottensen statt. Organisiert wird die Aktion von der „Initiative für die Aufklärung des Mordes an Süleyman Taşköprü“. Am Sonnabend, 14. Juli, soll es eine weitere Demonstration mit Start am Hansaplatz geben.