Einzelhandel

Das schöne Wetter treibt Verkauf von Sommermode an

Inhaberin Sabine Falkenhagen posiert mit Strohhüten in ihrem Geschäft in Hamburg

Inhaberin Sabine Falkenhagen posiert mit Strohhüten in ihrem Geschäft in Hamburg

Foto: Roland Magunia/Hamburger Abendblatt

Hamburger Händler und Hersteller profitieren von den hohen Temperaturen seit Anfang Mai. Hüte sind als Sonnenschutz gefragt.

Hamburg.  Eigentlich kennt man „Oh, wie schön ist Panama“ als Klassiker im Buchladen. In diesem Jahr taugt der Titel aber auch als Motto in Bekleidungsgeschäften. Bei Falkenhagen an der Schauenburgerstraße ist der Panama-Hut derzeit der Bestseller. Die Strohhüte in der Preisspanne von 80 bis 3900 Euro laufen sehr gut, sagt Inhaberin Sabine Falkenhagen: „Der außergewöhnlich gute Sommer treibt die Kunden zwecks Sonnenschutz in den Laden.“ Das Resultat ist eine gut gefüllte Kasse. „Wir haben von April bis Juni bestimmt 20 Prozent mehr Umsatz gemacht als im Vorjahreszeitraum“, sagt Falkenhagen.

Mit ihrer Einschätzung steht sie in der Hansestadt nicht allein da. „Alle Fashionhändler sagen, dass die Sommerwaren gerade sehr gut abverkauft werden“, sagt Brigitte Engler vom City Management Hamburg. Sommerkleidchen und Röcke, T-Shirts und kurze Hosen sind gefragt. Kein Wunder, schließlich hat gefühlt Anfang Mai der Sommer dauerhaft Einzug in Hamburg gehalten. Regen gab es seitdem kaum, die Temperaturen lagen meist bei mehr als 20 Grad Celsius.

Blumen und Streifen beliebt

Hohe Zufriedenheit herrscht auch bei der Modeplattform About you mit Sitz in der Altstadt. Die Kollektion für Frühjahr und Sommer sei sehr gut gelaufen, heißt es bei dem Tochterunternehmen des Hamburger Otto-Konzerns. „Wir haben viele Artikel schon vor Beginn der Sommer-Sale-Phase gut abverkauft“, sagt Kristina von Elling aus der Einkaufsabteilung von About You. Zu Beginn der Saison seien die Verkaufsschlager Jeans, insbesondere in weißen Waschungen, und Kleider in Maxilänge mit Spitzendetails gewesen, die auch Hochzeitsgäste gut tragen können. Mit den steigenden Temperaturen drehte sich der Absatz verstärkt auf legere Casual-Styles sowie kurze Hosen, Jeansshorts, T-Shirts und leichten Kleidern. Beliebte Motive bei Kleidern und Oberteilen waren Blumenmuster und Streifen. Und es durfte angelehnt an die britische Mode auch ein wenig frecher zugehen. „Bauchfreie Shirts und Bodys waren aktuell sehr schnell ausverkauft“, sagt von Elling.

Auch der Niendorfer Bekleidungshersteller Tom Tailor blickt auf einen guten Monat zurück. „Wir sind mit den Abverkäufen im Juni insgesamt recht zufrieden“, sagt Vorstandschef Heiko Schäfer dem Abendblatt. Inwiefern sich das auf die Konzernzahlen durchschlägt, ließ der Topmanager des börsennotierten Unternehmens offen. Klar sei allerdings, dass man gegenüber der aggressiven Preispolitik der Branche und starken Rabattierungen nicht immun sei, sagt Schäfer: „Aber vor allem die Entwicklung auf dem norddeutschen Markt stimmt uns positiv, hier liegen wir sogar über Plan.“

Für das gesamte erste Halbjahr ist die Lage der Modeindustrie bundesweit jedoch nicht ganz so rosig. „Das Pro­blem ist nicht die Sommerware, sondern die Frühjahrskollektion – das typische Übergangswetter fehlte“, sagt dazu Axel Augustin vom BTE Handelsverband Textil. Durch den Frost- und Schneeeinbruch im März hätten die Kunden zwar noch die bereits reduzierte Winterbekleidung gekauft, die Frühjahrskollektion sei durch den schnellen Anstieg der Temperaturen aber hängen geblieben. Bei Frühjahrsjacken löse eine Verkaufsquote von 50 Prozent in diesem Jahr schon Jubelstimmung bei Herstellern und Händlern aus.

Hohe Rabatte auf Frühjahrsprodukte

Auch wenn das Wetter in Deutschland nicht überall so gut war wie im Norden, schadete das dem Absatz bei der Sommerware offenbar nicht. „Wenn die Frühjahrsware katastrophal gelaufen ist, muss die Sommerware gut gelaufen sein“, sagt Augustin. Ein Bericht der Zeitschrift „TextilWirtschaft“ unterfüttert die Aussage mit Zahlen. Lag der Umsatzrückgang im ersten Quartal noch bei drei Prozent, so waren es fürs gesamte erste Halbjahr nur noch zwei Prozent. Mehr als die Hälfte der Händler hätten allerdings Erlösrückgänge hinnehmen müssen. Tom Tailor verkündet seine Halbjahreszahlen erst Anfang August, im ersten Quartal lag das Umsatzminus bei 2,2 Prozent.

Modeexperten sehen für Schnäppchenjäger jetzt schon gute Chancen auf Erfolg. Frühjahrsprodukte wie Jacken würden jetzt mit hohen Nachlässen angeboten, sagt Augustin. Auch Sommerbekleidung sei bereits deutlich reduziert, ergänzt Engler: „Für Kunden ist es die perfekte Zeit zum Einkaufen.“ Eine zunehmend wichtige Zielgruppe seien dabei Touristen. Auch für den Hut- und Mützenladen von Sabine Falkenhagen gewinnen die Nicht-Hamburger an Bedeutung. Mit ihrem Fachgeschäft habe sie fast ein Alleinstellungsmerkmal in der Region, nur in wenigen Städten gebe es solche Spezialgeschäfte. Viele ihrer Käufer seien Tagestouristen aus Bremen, Hannover und Kiel. Die Inhaberin des 102 Jahre alten Traditionsgeschäfts profitiert zudem von einer anderen Entwicklung. Auf den Laufstegen finde man immer häufiger Kopfbedeckungen, zuletzt auch den Elbsegler bei der Karl-Lagerfeld-Show in der Elbphilharmonie. Falkenhagen: „Der Hut liegt im Trend und gehört immer mehr zur Mode.“