Fuhlsbüttel

Übergepäck? Das kann richtig teuer werden

Etwa 30.000 Reisende sind am Freitag vom Flughafen in Fuhlsbüttel aus in den Urlaub gestartet. Zu schwere Koffer werden an solchen passagierstarken Tagen kaum noch geduldet

Fuhlsbüttel.  Wochenende und Ferienstart bedeuten für den Airport Hamburg vor allem eines: Hochbetrieb! Am Freitag meldete der Flughafen fast 60.000 Passagiere an einem Tag. Die begonnene Sommerurlaubszeit in Schleswig-Holstein und Hamburg wirke sich merklich auf den Betrieb am Airport aus. Fast 600.000 Schüler, ihre Familien und etwa 50.000 Lehrer haben in beiden Bundesländern zeitgleich frei.

Etwa 30.000 Reisende starteten am Freitag von Fuhlsbüttel aus in den Urlaub, ebenso viele wurden bei ihrer Ankunft erwartet. Allein 22 Flieger hoben in Richtung Spanien ab – das beliebteste Ferienziel der Norddeutschen. Auch nach Italien, Griechenland oder in die Türkei zog es viele Reisende. Noch höhere Passagierzahlen gab es nach Airport-Angaben zuletzt nur am 23. Juni des Vorjahres, als in Niedersachsen die Ferien starteten und mehr als 68.000 Passagiere in der Hansestadt ankamen oder aus Hamburg abflogen.

An den Check-in-Schaltern des Airports ist die Anspannung an diesen Tagen erfahrungsgemäß am größten. Für viele Fluggäste startet der Weg in den Urlaub mit einem bangen Blick auf die Anzeige der Gepäckwaage. Denn am Hamburger Flughafen werden Überschreitungen des Höchstgewichts der Koffer an passagierstarken Tagen kaum noch geduldet, sagt eine Flughafensprecherin. Die Entscheidung, ob Kulanz gewährt wird oder nicht, treffe aber allein die jeweilige Fluggesellschaft.

Einige Airlines fahren dabei einen besonders rigiden Kurs und lassen sich jedes angefangene Kilogramm extra bezahlen. Andere nehmen bei zu schwerem Gepäck pauschal 50 Euro pro Flug. Die Lufthansa und ihre Tochtergesellschaften tolerieren immerhin Überladungen bis zu einem Kilogramm, wie ein Sprecher sagt – eine absolute Ausnahme.

In der Sommerzeit, so Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber, gibt es kaum Spielraum bei den meisten Fluggesellschaften. „Die Flieger sind ausgebucht und an ihrer Kapazitätsgrenze. Das heißt: Jedes mitfliegende Kilogramm zählt.“ Je schwerer der Jet, desto mehr Treibstoff wird benötigt – das sei in Zeiten der Kosteneffizienz das Hauptargument der Fluggesellschaften, genauer auf das Gewicht des Gepäcks zu achten. Bei etwa 200 Passagieren pro Flug summiere sich jedes zusätzliche Kilogramm zu einem erheblichen Wirtschaftsfaktor.

Während in der Nebensaison des Öfteren einige Plätze in den Maschinen frei bleiben und deshalb bei angezeigtem Übergepäck durchaus ein Auge zugedrückt wird, sei das in der Hochsaison nahezu ausgeschlossen. „Wir raten unseren Kunden deshalb tunlichst, sich an die angegebenen Höchstgrenzen beim Gepäck zu halten“, sagt Weber. Sonst kann es teuer werden. Bei der Lufthansa gewähre man maximal ein Kilogramm zusätzlich, „auch weil wir nicht täglich die Waagen eichen können, um grammgenau abzuwiegen“.

23 Kilogramm sind für kontinentale Flüge bei den meisten Airlines das Limit pro Gepäckstück, interkontinental sind oft 30 Kilogramm erlaubt. Die Billigflieger, sogenannte Low-Cost-Airlines, legen die Höchstgrenze oft schon bei 20 Kilogramm fest, etwa Ryan Air, wo jedes abgegebene Gepäckstück ohnehin extra berechnet wird. Maximal zulässig sind bei allen Airlines 32 Kilogramm pro Gepäckstück. Ist ein Koffer schwerer, wird er entweder nicht als Reisegepäck akzeptiert oder muss als Fracht extra aufgegeben werden.

Hüter über das korrekte Gepäckgewicht sind selten die Airlines selbst. Am Hamburg Airport gibt es Abfertigungspartner, die das Einchecken und Boarding im Auftrag der Fluggesellschaften übernehmen. Die Firma AHS (Aviation Handling Services) ist mit 430 Mitarbeitern am Standort Hamburg der größte Anbieter. 54 Fluggesellschaften haben im Juni die Dienste der AHS bei 4487 Flügen in Anspruch genommen. Das Personal setze dabei die Gepäck-Leitlinien der Airlines um, sagt ein Sprecher. „Die Vorgaben an uns variieren je nach Fluggesellschaft. Diese weichen aber nicht von den allgemeinen Gepäckbestimmungen ab, die den Passagieren kommuniziert werden.“ Wie viele Überschreitungen es bei den Flügen gibt, werde von AHS nicht erfasst.

Laut Service-Dienstleister gelten in den Ferien keine anderen Vorgaben als sonst. Das Koffergewicht werde beim Check-in weder strenger noch nachlässiger kontrolliert. Wer zu viel dabei hat, müsse umschichten oder zahlen. Ermessensspielraum gebe es kaum. Um sich diesen Akt des Ferienstarts zu ersparen, so der AHS-Sprecher, reisen viele Passagiere mittlerweile ausschließlich mit (teils maximal zulässigem) Handgepäck. Das sei aber auch eine Folge der entsprechend günstigeren Flugtarife. Denn fast alle Airlines bieten inzwischen billige Tickets ohne aufzugebendes Gepäck an. „Mit Blick auf das Handgepäck sind die Bestimmungen komplexer geworden“, so der AHS-Sprecher.

Wie viel Strafe im Fall eines zu schweren Koffers gezahlt werden muss, ist abhängig von der Fluggesellschaft, dem Übergewicht und der Strecke. Pauschal werden bei Eurowings etwa 50 Euro pro Flug fällig, Tap Portugal berechnet zwischen 40 und 50 Euro, die griechische Airline Aegean zwischen 35 und 40 Euro und die Lufthansa bei europäischen Flügen 50 Euro. Norwe­gian berechnet kilogenau elf Euro pro Flug und Kilogramm. Auch bei Ryan Air kommen je Kilogramm elf Euro pro Flug dazu, bei Easy Jet sind es 14 Euro, bei Turkish Airlines muss mit 16 Euro je Kilogramm gerechnet werden.

Um diese zusätzlichen Kosten zu vermeiden, raten Experten, auf Gepäckinhalt, der am Urlaubsort vorhanden ist, zu verzichten. Statt Bücher sollten E-Reader in den Koffer; falls es eine Waschmaschine vor Ort gibt, könne auch viel Wäsche zu Hause bleiben. Den Koffer vor dem Abflug zu wiegen sei immer ratsam. Einige Fluggesellschaften bieten vorab kostengünstige „Übergepäckpakete“ online an. Bei mehreren Koffern sollte das Gewicht gleichmäßig verteilt, auch das Handgepäck einbezogen werden. Wenn in den Gepäckbestimmungen das „Piece Concept“ beschrieben ist, muss jeder einzelne Koffer im Limit bleiben.