Hamburg

Ich erzähl mal was vom Pferd

Um es gleich mal auf den Punkt zu bringen: Leute, so geht das nicht. Überhaupt nicht. Ja genau, das mit dem Verkehr. Das Einzige, was in diesen Sommertagen noch fließt, ist der Schweiß. Bei den Radfahrern ist das ja einigermaßen egal - aber in der U-Bahn? Ich bin wohl nicht der Einzige, dem das stinkt ...

Und es bleibt ja nicht beim Transpirieren. Diese Abgase, dieser Lärm! Da helfen weder Diesel- noch Schwitzverbote, an dieses Problem müssen wir etwas radikaler rangehen. Zum Beispiel bei den „Verkehrsinfrastrukturinvestitionen“. Furchtbares Wort, das streichen wir einfach mal. Wären wir nicht alle besser dran, würde das gesamte Stadtgebiet zur verkehrsmittelbefreiten Zone? Generelles Fahrverbot! Für alles!

Der Flughafen wird aufs Land verlegt – am besten nach Berliner Modell: nur ankündigen, dann aber doch nicht eröffnen. Die Parkplätze würden zugebaut – mit Wohnungen. Okay, meinetwegen auch mit Grünanlagen. Der Straßenlärm fällt weg. Das Schienennetz ­bietet Platz für interessante Marathonstrecken und für die Straßen gilt der alte Sponti-Spruch: „Unter dem Pflaster liegt der Strand.“

Geht alles nicht? Geht wohl! Ging ja schon mal. Wer alles fußläufig erreichen muss, wird sportlicher, die Hektik des modernen Alltags wird entschleunigt und für Lieferverkehr sowie längere Distanzen gibt es ja Pferdekutschen. Deren Hinterlassenschaften stinken zwar auch, aber damit wachsen die Erdbeeren besser. Frei nach dem deutschen Kaiser Wilhelm II., der nach der Erfindung von Carl Benz prognostizierte: „Das Auto hat keine Zukunft. Ich setze auf das Pferd.“