Pflegen & Wohnen

Hamburgs größter Altenheimbetreiber vor Verkauf

Thomas Flotow, Geschäftsführer bei Pflegen und Wohnen, informierte die Mitarbeiter über den Verkauf per Hausmitteilung

Thomas Flotow, Geschäftsführer bei Pflegen und Wohnen, informierte die Mitarbeiter über den Verkauf per Hausmitteilung

Foto: PFLEGEN & WOHNEN HAMBURG GmbH

Der Berliner Konzern Deutsche Wohnen erwirbt eine Minderheitsbeteiligung bei Pflegen und Wohnen. US-Fonds verkauft seine Anteile.

Hamburg.  Der US-Fonds Oaktree bereitet den Ausstieg bei Pflegen & Wohnen vor. Erst im vergangenen August hatte das Unternehmen Hamburgs größten Betreiber von Altenheimen gekauft.

Jetzt wird die Deutsche Wohnen, eine börsennotierte Wohnungsgesellschaft mit Sitz in Berlin, zunächst eine Minderheit der Anteile übernehmen. Dieser Anteil soll in den kommenden Jahren aufgestockt werden. Das Geschäft bedarf noch der Zustimmung der Kartellbehörde.

Deal sei absehbar gewesen

Per Hausmitteilung informierte Thomas Flotow, Geschäftsführer von Pflegen und Wohnen, die Mitarbeiter. In dem Schreiben heißt es, dass immer klar gewesen sei, dass Oaktree als Fonds „dauerhaft kein Pflegeanbieter sein könne“, es habe sich „eher um ein mittelfristiges Engagement gehandelt“.

In der Tat ist es üblich, dass Investmentfonds Unternehmen kaufen, um sie nach kurzer Zeit mit möglichst großem Gewinn wieder zu veräußern. Laut Flotow sei es aber Oaktree wichtig gewesen, an „einen seriösen und nachhaltig agierenden Anbieter“ zu verkaufen.

Neuer Besitzer hat schon 7500 Pflegeplätze

Dazu zählt Flotow „uneingeschränkt“ die Deutsche Wohnen. In der Tat betreibt das Unternehmen, mit 163.000 Wohnungen hinter der Deutschen Annington zweitgrößter deutsche Vermieter, bereits 59 Pflegeeinrichtungen mit 7500 Plätzen. In Hamburg gehören die drei Häuser der Senioren Domizile GmbH zum Unternehmen.

Bereits beim Kauf des Unternehmens hatte Oaktree-Deutschland Chef Hermann Dambach sich eine Expansionsstrategie gewünscht. Dazu passt in der Tat die Deutsche Wohnen mit ihrem gewaltigen Immobilien-Portfolio, Pflegen und Wohnen könnte damit auf Sicht auch zu einem großen Anbieter von Einrichtung des Service-Wohnens (früher Betreutes Wohnen) werden. Diese Plätze sind besonders begehrt.

Unruhe in Belegschaft nicht wahrscheinlich

Während der Eigentümer-Wechsel vor einem Jahr bei den Mitarbeitern große Sorgen auslöste, dürfte diese Nachricht kaum für Unruhe sorgen. Erst in der vergangenen Woche hatte Ver.di mit dem Unternehmen einen neuen Tarifvertrag abgeschlossen. Die Mitarbeiter verdienen nach dem Lohnplus von 4,2 Prozent inklusive Schichtzulagen im Schnitt zwischen 3500 und 3600 Euro brutto im Monat.