Hamburger Leihsystem

Neue Räder, neue Preise: Was sich für Stadtrad-Nutzer ändert

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Peter Wenig
Staatsrat Andreas Rieckhof (SPD) und Hamburgs Fahrradbeauftragte Kirsten Pfaue fahren mit dem Stadtrad durch die City

Staatsrat Andreas Rieckhof (SPD) und Hamburgs Fahrradbeauftragte Kirsten Pfaue fahren mit dem Stadtrad durch die City

Foto: Klaus Bodig / HA

Das Leihsystem bleibt in der Hand der Deutschen Bahn Connect – und reagiert auf Trends. Kunden erwarten viele Neuerungen.

Hamburg. Nur ein paar Schritte von ihrer Behörde entfernt radelten am Freitagnachmittag Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof und Kirsten Pfaue, die Radverkehrskoordinatorin von Hamburg. Es waren nur ein paar Runden für die Fotografen. Die Räder, mit denen sie unterwegs waren, werden schon in ein paar Monaten ausgemustert. Im Januar tauscht das Leihsystem Stadtrad alle Fahrräder aus – das Signal für den Aufbruch in die Zukunft. Das Abendblatt beantwortet die wichtigsten Fragen zur Umstellung.

Was ist Stadtrad eigentlich genau? Eingeführt wurde das System im Juli 2009, um mehr Hamburger zu bewegen, auf das Fahrrad umzusteigen. Der Partner der Wirtschaftsbehörde, das Unternehmen Deutsche Bahn Connect, stellte zunächst 800 Fahrräder an 67 Stationen zur Verfügung, inzwischen sind es 2450 Räder an 214 Leihstationen in allen Hamburger Bezirken. Reserviert werden sie über eine App oder telefonisch.

DB Connect will Flotte auf 4500 Räder ausbauen

Was ändert sich nun? Der Vertrag mit DB Connect läuft aus, im Wege einer europaweiten Ausschreibung setzte sich das Unternehmen aber wieder durch. DB Connect wird in den nächsten Jahren die Flotte auf 4500 Räder ausbauen. Nach und nach werden alle S- und U-Bahn-Haltestellen mit Stationen ausgerüstet, zudem alle Stadteilzentren. In etwa fünf Jahren soll es 350 Stationen geben.

Gibt es neue Fahrräder? Ja, im Januar 2019 wird DB Connect alle Räder einsammeln und durch neue Räder ersetzen, in diesem Monat kann man kein Fahrrad ausleihen. Die neuen Räder haben einen tieferen Einstieg, einen etwas höheren Lenker, ein komfortableres Schloss und vor allem die Bedieneinheit am Lenker, nicht mehr am Hinterrad. Die alten Fahrräder wird DB Connect nicht mehr einsetzen und auch nicht an Privatkunden verkaufen. Zum einen haben viele Räder ihre maximale Betriebsdauer erreicht, schließlich sind sie jedes Jahr im Schnitt 10.000 Kilometer im Einsatz, zum anderen benötigt man für die Wartung Spezialwerkzeuge.

Was hat es mit dem Lastenrad auf sich?

Viele verzichten inzwischen ganz auf ein Auto, müssen aber hin und wieder größere Einkäufe wie Getränkekisten transportieren. Dafür eignet sich ein Lastenrad. DB Connect hat ein spezielles E-Bike entwickelt, mit dem man auch kleine Kinder transportieren kann. Ab Frühjahr 2019 soll man zunächst 20 Räder ausleihen können, später rund 70.

Wie teuer wird die Nutzung? Entscheidend für die meisten Stadtrad-Nutzer wird sein, dass jede Leihe bis zu 30 Minuten kostenlos bleibt – dies betrifft 90 Prozent aller 8000 Leihvorgänge am Tag. Auch die einmalige Registrierungsgebühr beträgt weiter fünf Euro.

Ab sofort gilt eine Jahresgebühr

Neu ist ab dem zweiten Jahr eine Jahresgebühr von ebenfalls fünf Euro, die gab es bislang nicht. Ab der 31. Minute steigt die Gebühr von acht auf zehn Cent, für HVV-Kunden von sechs auf acht Cent. Der maximale Tagespreis (nach drei Stunden Fahrt) beträgt künftig 15 Euro, für die Elektro-Fahrräder 24 Euro (nach 4,5 Stunden Fahrt).

Für die E-Lastenräder wird eine Extra-Reservierungsgebühr von drei Euro fällig, die jedoch auf die Fahrtkosten angerechnet wird. Hintergrund: DB Connect will verhindern, dass Nutzer Reservierungen für die wahrscheinlich sehr begehrten Fahrräder einfach verfallen lassen.

Was zahlt die Stadt? Staatsrat Rieckhof spricht von einem „großen Verhandlungserfolg“. Die Stadt werde über den Gesamtzeitraum des Vertrages der nächsten zehn Jahre trotz der Ausweitung des Systems nicht mehr als bislang zahlen. Im ersten Jahr sinken sogar die Entgelte der Stadt (von derzeit 2,6 Millionen auf eine Million Euro). Diese Entgelte werden je nach Menge der ausgelieferten Fahrräder und der eingerichteten Stationen immer weiter steigen.

Konkurrenz kommt von dänischem Anbieter

Gibt es auch Konkurrenz? Erst im März startete der dänische Anbieter Donkey Republic mit orangefarbenen Rädern in der Hansestadt. Bis Ende des Jahres will das dänische Start-up 500 Fahrräder einsetzen. Nextbike bietet ebenfalls Räder zum Leihen an, hinzu kommen kleine lokale Verleiher. Ein Vergleich lohnt vor allem dann, wenn man sich Räder einen ganzen Tag ausleihen möchte.

Wie sieht die Zukunft des Fahrradverleihs aus? Gerade vor dem Hintergrund der Diesel-Fahrverbote ist Rieckhof überzeugt, dass Fahrräder als Nahverkehrsmittel immer wichtiger werden. Seine Behörde macht sich auch deshalb für Stadtrad so stark, weil es ein stationsgebundenes System ist: Die Räder müssen zu einem der 4200 Abstellbügel zurückgebracht werden. Die Free-Floating-Systeme – dort kann der Nutzer überall im Geschäftsgebiet anmieten und abstellen – sorgen in vielen Städten für Ärger, da die Räder oft achtlos abgestellt werden und Bürgersteige blockieren.

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