Blankenese

Wenn Müllsammeln am Elbstrand zum Sport wird

Sie wollen den Elbstrand mit Plogging sauberer machen: Initiator Johann Riekers (v. r.) mit Freya Gräfin Kerssenbrock, Carsten Ovens und Philipp Heißner

Sie wollen den Elbstrand mit Plogging sauberer machen: Initiator Johann Riekers (v. r.) mit Freya Gräfin Kerssenbrock, Carsten Ovens und Philipp Heißner

Foto: Klaus Bodig / HA

Plogging heißt der Trend aus Schweden, mit dem die CDU den Elbstrand sauberer machen will. Die Idee kommt an.

Hamburg.  Zunächst blicken die Spaziergänger etwas ratlos auf die Aktivitäten der Gruppe. Einerseits scheint sich hier eine Clique zum Sport getroffen zu haben, andererseits sieht das Ganze auch nach Arbeit aus. Lachend flitzt das Quartett am Elbstrand herum, hält immer mal wieder inne, um Müll einzusammeln – oft auf der Stelle trippelnd oder in Windeseile im Vorbeigehen. Dann hellen sich die Mienen der Vorbeigehenden allgemein auf, denn für Sauberkeit am Elbstrand sind im Hamburger Westen bekanntlich alle zu haben – und in Verbindung mit Sport kann das Aufräumen offensichtlich sogar Spaß machen.

Plogging soll am Strand und in Parks ausprobiert werden

Diese Idee, so der erste Eindruck, kommt an. Umsetzen will sie der Blankeneser CDU-Chef Johann Riekers, der kürzlich in die ziemlich großen Fußstapfen seiner Vorgängerin Karin Prien trat. Etliche Bürgergespräche hätten ihm gezeigt, dass das Müllproblem am Elbstrand und in den diversen Parks in seinem Wahlkreis den Menschen besonders zusetzt, so Riekers. Gerade an den Sonn- und Montagen während der heißen Frühsommerwochen sei es besonders schlimm gewesen. Zwar gibt es im Westen immer mal wieder Aufräumtage für alle, oft initiiert von den örtlichen Bürgervereinen, aber die reichen kaum aus, um den Müll nachhaltig zu bekämpfen.

„Es muss darum gehen, dass die Bürger die Stadtreinigung unterstützen und dabei Freude haben, auch etwas für sich selbst zu tun“, so Riekers. Irgendwann schilderte ihm eine Freundin die Erfolge einer Bewegung, die sie aus Schweden kennt. Das Zauberwort heißt „Plogging“ – eine Mischung aus Jogging und Plocka, dem schwedischen Wort für Aufräumen. Dabei geht es darum, beim Joggen oder Walken Müll aufzusammeln und in eine mitgebrachte Mülltüte zu befördern.

Einer der treibenden Kräfte hinter der Plogging-Bewegung ist der schwedische Umweltaktivist Erik Ahlström. Er hatte vor einigen Jahren in Stockholm damit begonnen, Jogging-Gruppen zu organisieren, die sich mit Handschuhen und Müllsäcken ausgestattet aufmachten, um die Stadt sauberer zu gestalten. Aus diesen zarten Anfängen entwickelte sich mit der Zeit eine regelrechte Bewegung. An diversen Orten bildeten sich inzwischen Plogging-Gruppen – von Paris über London bis hin nach Thailand. Unter dem Hashtag #plogging tragen die Gruppen ihre Erfolge bei Instagram zusammen.

Zangen sollten kostenlos verteilt werden

Laut Reinhard Fiedler, Sprecher der Hamburger Stadtreinigung, wird Plogging vor allem in Schweden, England und der Schweiz engagiert betrieben. Die Menschen dort reizt die sportliche Herausforderung. Denn beim Bücken und Aufheben während des Laufens werden zahlreiche Rumpfmuskeln bewegt, die beim Joggen meist Pause haben. Laut Reinhard Fiedler ist dieser Körpereinsatz mit dem beim Hockeytraining vergleichbar.

Johann Riekers hat ein paar Parteifreunde angerufen, um sie zum gemeinsamen Plogging am Elbstrand einzuladen. Treffpunkt war der Blankeneser Leuchtturm. „Es ging mir auch darum, die Meinung der anderen zu hören“, so der Politiker. Denn langfristig will Riekers dafür sorgen, dass sich der Trend in der Stadt durchsetzt – und dafür braucht er möglichst breite politische Unterstützung.

Der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Carsten Ovens, der mit von der Partie ist, ist begeistert: „Gute Aktion, mehr davon“, sagt er hinterher. Und Ovens kündigt an: „Wir werden uns in der Bürgerschaft dafür einsetzen, dass diese Initiative von der Stadt gefördert wird.“ Und die „Mit-Plogger“ Freya Gräfin Kerssenbrock und Philipp Heißner regen an: „So etwas sollten wir auch bald an der Alster starten. Das wird bestimmt ein großer Erfolg.“

Johann Riekers selbst findet, dass man beim Plogging schnell auf den Geschmack kommt und mit der Zeit auch sensibler auf jede Art von Unrat reagiert. „Man guckt genauer hin“, findet er.

Johann Riekers und seine Helfer benutzen zum Aufsammeln Zangen, nun schlägt Riekers vor, dass diese von der Stadtreinigung kostenlos an „Plogger“ verteilt werden könnten. Stadtreinigungssprecher Reinhard Fiedler winkt ab: „Unsere hochwertigen Zangen kosten 20 Euro pro Stück, das würde viel zu teuer. Schließlich soll bei öffentlichen Mitteln sonst ja auch immer gespart werden.“

Fiedler ist positiv beeindruckt vom Engagement der CDU-Politiker. „Mit ihrer Begeisterung rennt die CDU bei uns offene Türen ein.“ Die Stadtreinigung hat bereits im März bei ihrer Aktion „Hamburg räumt auf“ und auch bei der Altonale kräftig für das Plogging geworben. Zangen wurden dabei auf Nachfrage verliehen.

Über die Aktivitäten der Stadtreinigung zum Thema kann man sich auch ausführlich im Internet informieren – unter www.sauberes.hamburg/blog/plogging.