Wandsbek

Hamburgs Bierkönigin stoppt Bierquelle vor Schicksalsspiel

Esther Isaak de Schmidt-Bohländer auf dem Weg von Wandsbek nach Wittenberge

Esther Isaak de Schmidt-Bohländer auf dem Weg von Wandsbek nach Wittenberge

Foto: bierland

Das Ende einer Wandsbeker Institution. Vor dem Fußball-Klassiker Deutschland gegen Schweden schließt ihr Laden. Für immer.

Hamburgs Bierkönigin macht an diesem Sonnabend das Licht aus. Spätestens wenn das Fußballspiel Deutschland gegen Schweden beginnt, knipst Bierbotschafterin Esther Isaak de Schmidt-Bohländer (Akademie Doemens) die Schalter im Wandsbeker Fachgeschäft Bierland (Seumestraße) aus. Für immer. "Die Bierquelle ist versiegt", heißt es auf einem Schild am Fenster des Ladens, den sie gemietet hat. "Ich gebe das Geschäft auf." Schluss nach 13 Jahren, aus wirtschaftlichen Gründen. Und Zufall, dass der Abschied genau auf den Zeitpunkt des WM-Spieles fällt.

In den vergangenen Tagen und an diesem Sonnabend sind noch einmal zahlreiche Kunden zu jener Pionierin des handwerklichen Bieres gekommen, die einmal mit einer gehörigen Portion Humor Bierministerin von Deutschland werden wollte - für DIE PARTEI des "Titanic"-Journalisten Martin Sonneborn. Die Stammkunden kauften die restlichen Flaschen und wünschen Schmidt-Bohländer,53, und ihrem Mann, der jetzt in Rente geht, alles Gute. Beide ziehen ins brandenburgische Wittenberge. Noch ohne konkrete Pläne. "Ich bin dankbar, traurig und gespannt auf alles, was kommt", sagt die aus Paraguay stammende Wandsbekerin.

Zum Abschied zitiert sie Johann Wolfgang von Goethe. "Ich finde, dass er unübertroffen meine Gefühle zu Hamburg und dem Bierland formuliert hat in dem Gedicht "Willkommen und Abschied" aus dem Jahr 1827." Und das geht so:

„...Doch ach schon mit der Morgensonne

Verengt der Abschied mir das Herz:

In deinen Küssen, welche Wonne!

In deinem Auge, welcher Schmerz!

Ich ging, du standst und sahst zur Erden,

Und sahst mir nach mit nassem Blick:

Und doch, welch Glück geliebt zu werden!

Und lieben, Götter, welch ein Glück!“

Dass Esther Isaak de Schmidt-Bohländer das Handtuch wirft, liegt an wirtschaftlichen Gründen. Die Konkurrenz durch die Supermärkte sei einfach zu groß, sagt sie. Mit einem kleinen Geschäft könne sie sich keine großen Vorräte zulegen. "Wenn jemand aber beschließt, spontan am Abend eine Craftbierparty zu machen, muss er in den Supermarkt gehen, weil der kleine Höker den Vorrat aus Platzgründen nicht hat", sagt sie.

Schlechte Zeiten für kleine Verkäufer

Wie die Geschäftsfrau aus Wandsbek haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Einzelhändler in Hamburg ihre Läden geschlossen. Jeder Endverkäufer könne in Deutschland beim Produzenten kaufen, sagt sie. Wer also Lager und Geld habe, geht zur Brauerei und kauft dort direkt ein. "Der kleine Endverkäufer, der diese Voraussetzungen nicht hat, geht zum Großhandel und kauft dort schon teurer ein", sagt Schmidt-Bohländer. Das sei ein Nachteil. Inzwischen werde überall, außer an öffentlichen Toiletten, Bier angeboten, meint sie. "Bier ist zum Markenartikel geworden."

Dazu kommen höhere Gebühren als im Supermarkt, wenn Kunden mit EC-Karte bezahlen. Außerdem treffe sie immer wieder auf Konsumenten, die bei ihr geringere Preise als im Supermarkt verlangten. Die Bierhändlerin nennt ein Beispiel für besonders anspruchsvolle und preisbewusste Kunden: "Ich habe schon mal aus dem Kofferraum eines Mercedes S-Klasse Bierkisten ausladen müssen, weil der Kunde sich erinnerte, dass es woanders einen Euro günstiger sei."

Bierkonsum geht zurück

Außerdem geht der Bierkonsum in Deutschland zurück. Die deutschen Brauer haben im regenreichen Jahr 2017 weniger Bier verkauft. Rund 94 Millionen Hektoliter waren es nach einer Schätzung des Deutschen Brauer-Bundes. Im Vorjahr lag die Menge noch bei 96 Hektoliter. Gerade ältere Deutsche konsumierten aus gesundheitlichen Gründen weniger Alkohol, sagt die Bier-Expertin.

Ihre neue Wahlheimat Wittenberge liegt an der Elbe. Genauso wie Hamburg. Der Fluss verbinde die Menschen, sagt sie. Und so wird die ehemalige Bierkönigin auch in Zukunft mit Hamburg weiterhin verbunden bleiben.