Kultur

Kluftinger ermittelt wieder – es geht um sehr Persönliches

Kluftinger (Herbert Knaup, 2. von links) und Erika (Margarete Gilgenreiner) besuchen Papa Kluftinger (Tilo Prückner, Mitte) in der Klinik von Dr. Steiner (Bernd Dechamps, rechts)

Kluftinger (Herbert Knaup, 2. von links) und Erika (Margarete Gilgenreiner) besuchen Papa Kluftinger (Tilo Prückner, Mitte) in der Klinik von Dr. Steiner (Bernd Dechamps, rechts)

Foto: ARD Degeto/BR/Hendrik Heiden

Auch der zehnte Band der Krimireihe von Volker Klüpfel und Michael Kobr überzeugt. Thema sind die Jugendjahre des Kommissars.

Hamburg. Als 2003 im kleinen Memminger Maximilian Dietrich Verlag der Kriminalroman „Milchgeld“ von zwei bis dato völlig unbekannten Autoren erschien, konnte keiner mit den Folgen rechnen. Ein Lehrer und ein Journalist, die einen Krimi schreiben, der mitten im Allgäu spielt? Konnte eigentlich nicht gut gehen. Ging es aber, und wie. Bereits nach ihrem vierten Roman „Laienspiel“ wurden Volker Klüpfel und Michael Kobr vom „Spiegel“ als „Deutschlands erfolgreichstes Autorenduo“ gefeiert. Und ganz unschuldig daran, dass es heute das umsatzsteigernde Genre-Etikett „Alpen-Krimi“ gibt, sind die beiden Autoren auch nicht. Konnte damals aber keiner wissen.

Band zehn erschienen

Jüngst nun ist Band zehn erschienen, der allein den Namen der Hauptfigur der Krimireihe trägt: „Kluftinger“. Das ist jener knorrige Kommissar, der meist eher schlecht gelaunt ist und für eine anständige Portion Kässpatzen vermutlich auch einen Mord begehen würde. Und der ein Garant ist für die bestsellernde Mixtur aus deftigem Humor und kriminalistischer Spannung. In den Verfilmungen der Romane ist die Figur mit Herbert Knaup kongenial besetzt.

Im Jubiläumsband droht es Kluftinger an das Wams zu gehen. Und der Schrecken beginnt ausgerechnet an Allerheiligen beim traditionellen Friedhofsgang: dass auf einem frischen Grab ein Kreuz prangt, ist ja nichts Ungewöhnliches, dass darauf der Name des Kommissars steht, hingegen schon: Adalbert Ignatius Kluftinger Dieser makabre Scherz verhagelt dem Kommissar dann doch ein wenig die großväterliche Freude über sein erstes Enkelkind, sein „Butzele“, wie er es nennt.

Todesanzeige mit seinem Namen

Doch von wegen Scherz: Wenige Tage später muss Kluftinger in der Lokalzeitung eine Todesanzeige mit seinem Namen lesen. Jetzt lacht erst einmal keiner mehr, auch wenn Kluftinger diese lebensbedrohlichen Zeichen anfangs nicht zu deuten vermag. Klar ist jedenfalls: Ein potenzieller Mörder hat es auf den Kommissar abgesehen. Ein Racheakt?

Klüpfel und Kobr führen die Geschichte tief hinein bis in die wilden frühen Jugendjahre ihres Kommissars – und bis zu einem seiner ersten Mordfälle, den er als junger Polizist lösen musste. Und über dem auch nach all den Jahren noch ein Schatten liegt. Hat Kluftinger damals wirklich den wahren Mörder überführt?

Maulwurf im Team

Keiner der Kluftinger-Romane von Klüpfel und Kobr hat bislang den Charakter der Serienfigur derart weitreichend ausgeleuchtet, eine Dramaturgie jedoch, die durchaus schlüssig zur Lösung des komplexen Falles führt. Es ist zudem ein Fall, der Kluftinger schwer unter die schon ein wenig betagte Haut geht: Denn dass interne Informationen immer wieder nach außen dringen, lässt nur einen Schluss zu – innerhalb seines Ermittlerteams muss es einen Maulwurf geben. Und das ist ein Umstand, den Kluftinger niemals für möglich gehalten hätte.

Ein kleines Bonbon halten Klüpfel und Kobr zum Jubiläum noch für ihre Leser bereit: Auf einem Bahnsteig in der Landeshauptstadt begegnet Kluftinger zufällig dem Kollegen Jennerwein, der unterwegs ist zu einem Urlaub in Schweden. Doch das ist eine andere Geschichte. Wie sie ausgeht, ist in Jörg Maurers „Am Abgrund lässt man gern den Vortritt“ nachzulesen. Halten halt zusammen, die Bayern!

Die Autoren sind auf ihrer Jubiläumstour
mit „Der Sinn des Lesens“ am 10.11. zu Gast beim Hamburger Krimifestival.
Der Vorverkauf startet am 1.9.