Hamburg

Ein Herz für betagte Tiere

Edgar S. Hasse

Der Asylstreit zwischen Kanzlerin Angela Merkel und „Ich-bleibe-hart“-Horst Seehofer verdeckt, dass die Hamburger längst auf den Hund gekommen sind. Es wächst hierzulande nicht nur die Zahl der Einwohner, sondern auch die der Hunde exorbitant. Rund 80.000 Tiere sind in der Stadt offiziell gemeldet – das sind 3000 mehr als im Jahr 2016. Die höchste Dichte herrscht in Wandsbek, wo jeder 20. Einwohner einen Hund besitzt. Wow!

All die Mischlinge, Labradore, Terrier und Dackel mögen zwar süß, nützlich, liebenswert und echte Kumpel sein. Aber der Anblick eines hochbetagten Hundes beim betreuten Gassigehen im Stadtteil Rahlstedt stimmte mich dann doch nachdenklich. Ein 16 Jahre alter Rüde hatte größte Mühe, eine Pfote vor die andere zu setzen. Die Gelenke und das Herz! Sein Besitzer war dem greisen Vierbeiner mit einem Jungspund weit voraus, sodass der Abstand immer länger und das traurige Schicksal des Methusalems immer deutlicher wurde.

Hier muss man sagen: Die Politik verhält sich wie ein Faultier und tut gar nichts für diese Klientel. Dabei droht angesichts von 80.000 Hunden ein Pflegeskandal. Es fehlen Pflegekörbchen, Pflegegrade, Pflegeversicherungen und Pflegekräfte für Hunde. Nützlich wären auch Rollatoren und E-Mobile für kranke Köter, unabhängig ihres Geschlechts, ihrer Rasse und Herkunft. Herz sollte auch gegenüber Bello gezeigt werden, der keinerlei eigene Nachkommen zeugen konnte, weil ihn Frauchen kastrieren ließ. Gerade diese armen Geschöpfe müssten entschädigt werden, weil sie in ihrer Selbstentfaltung behindert wurden. Aber dafür hat die Politik kein Geld.