Hamburg

Bürger ohne Schauspielerfahrung auf der Bühne

SDemokratie hält im Lichthof auch seltsame Kopfbedeckungen aus

SDemokratie hält im Lichthof auch seltsame Kopfbedeckungen aus

Foto: G2 Baraniak

Im Lichthof inszeniert Ron Zimmering „Staging Democracy“ – mit Laiendarstellern. Diese geben gleich Nachhilfe in Demokratie.

Hamburg.  Es ist nicht leicht mit der Demokratie. Immer mehr Bürger fühlen sich von Politikern nicht wahrgenommen und gehört. „Die da oben“ hat Konjunktur. Der Gang zu den Urnen an Wahltagen wird oft als lästig empfunden. Doch es kommen am Ende wenigstens unterschiedliche Ergebnisse heraus. Anders als in Syrien. „99,7 Prozent haben bei der letzten Wahl für Präsident Assad gestimmt“, erzählt Ahmad Kadri. Der junge Syrer ist einer von 21 Performern, die im Lichthof zusammen mit Ron Zimmering (Regie) und Dagrun Hintze (Leitung und Textfassung) „Staging Democracy – das Stück“ erarbeitet haben. Es ist Bürgertheater in reiner Form, denn niemand aus dieser Gruppe hat Schauspielerfahrung.

Vor einem Jahr fanden sich diese Hamburger zu einem vom Lichthof initiierten Experiment zum Thema Demokratie zusammen. Die Teilnehmer wurden im Losverfahren in fünf Gruppen geteilt und sollten bei weiteren Treffen dieser Bürgerversammlungen Forderungskataloge zu den Bereichen Energie, Umweltschutz, Verkehr, Bildung, Kultur, Wirtschaft und anderen Themen aufstellen. In einem zweiten Schritt wurden die Forderungen mit Bürgerschaftsabgeordneten diskutiert. „Staging Democracy“ ist der abschließende theatrale Teil des Experiments.

Methadonausgabe in Kitanähe?

Die Laienspieler stellen Fragen zur Struktur der Demokratie und hinterfragen dabei die Zweckmäßigkeit und die Legitimität der Verfahren, in denen Abgeordnete in Parlamenten weitreichende Entscheidungen fällen. Der Abend ist interaktiv, die Zuschauer werden in Prozesse einbezogen und dürfen mit grünen und roten Stimmkarten zu konkreten Fragen abstimmen. Darf etwa eine Methadon-Ausgabestelle in direkter Nachbarschaft zu einer Kita eingerichtet werden? Oder: Wie wird die Organisation eines Kulturfestivals durch eine Rüstungsfirma bewertet?

Auch die Funktion von Schöffen an deutschen Gerichten oder die Vorbereitung des Referendums zum Schwangerschaftsabbruch in Irland durch Bürgerkomitees werden ausführlich dargestellt. Die Fragen nach Effizienz und nach Legitimität sind weitere Schwerpunkte des Abends. In 70 Minuten, die wie im Fluge vergehen, bekommt das Publikum Nachhilfe in Demokratie und Formen der Bürgerbeteiligung. Wenn man den Lichthof verlässt, ist man um eine Reihe von Fakten schlauer, aber vor allem wirft „Staging Democracy“ Fragen auf, bietet Lösungsvorschläge und regt zum Nachdenken und zur Diskussion an. Ganz schön viel für einen Theaterabend.

„Staging Democracy“ wieder Do 21./Sa 23.6., jeweils 20.15, So 24.6., 19.00, Lichthof (Bus 3), Mendelssohnstraße 15, Karten: 8,- bis 18,-