Auszeichnung

„Funkelschatz“: Das steckt hinter dem Kinderspiel des Jahres

Foto: Verlag: HABA

Bei der Preisverleihung im Hotel Atlantic kritisierte die Jury die wenig ausgegorenen Konzepte vieler Neuerscheinungen.

Hamburg.  Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Drachenkind und stoßen auf einen Schatz voller bunter Edelsteine. Die stecken allerdings eingefroren in einer dicken Säule aus Eis. Also muss Ihr Papa mit seinem Feueratem her; der bringt nicht nur den Eisring, sondern auch Kinderherzen zum Schmelzen.

Dies ist die Geschichte von „Funkelschatz“, das am Montag im Hotel Atlantic zum Spiel des Jahres 2018 gekürt wurde. „Ich glaube, ich muss heulen“, sagte Lena Burkhardt, die Autorin des Spieles aus dem Haba-Verlag. Burkhardt ist erst 21 Jahre alt, studiert Mathematik in Süddeutschland und konnte ihr Glück kaum fassen, gegen die beiden anderen Finalisten „Panic Mansion“ (super Geschicklichkeitstraining) sowie „Emojito“ (eignet sich auch als Partyspiel für Erwachsene) gewonnen zu haben.

„Neben den tollen funkelnden Steinen finde ich dieses Spiel am spannendsten, es kann sich jederzeit drehen“, sagte ein Schüler der Klasse 2 E von der Grundschule Trenknerweg aus Altona. Die Kinder zeigten den Besuchern der Preisverleihung vor Ort, wie die Spiele funktionieren.

Der Sieger wurde aus rund 160 Spielen ausgewählt

Aus rund 160 aktuellen Gesellschaftsspielen für Kinder zwischen drei und acht Jahren hatte eine unabhängige Jury aus Fachjournalisten die drei Finalisten nominiert und eine Empfehlungsliste mit fünf weiteren Spielen verfasst (einzusehen unter www.spiel-des-jahres.com).

In den Jahren zuvor hatte es meist noch mehr Empfehlungen gegeben; was war beim diesjährigen Kritikerpreis los? Zu wenig gute Spiele? „Ganz genau, der Spielejahrgang 2018 war verkorkst“, sagt Christoph Schlewinski, stellvertretender Vorsitzender der Jury: „Manche Spiele wurden offensichtlich zuvor noch nie von Kindern getestet, bei anderen ging gleich beim Aufbau etwas kaputt.“

Übersetzungen ins Deutsche teilweise mangelhaft

„Ärgerlich fanden wir außerdem fehlerhafte Regeln, die oft zu frustriertem Achselzucken am Spieltisch führten“, ergänzt Jury-Mitglied Sabine Koppelberg. Auch die Übersetzungen ins Deutsche waren teilweise so mangelhaft, dass die Regeln nicht mehr zu verstehen waren. „Stehen die Verlage oder der deutsche Vertrieb so unter Druck, dass sie die Neuerscheinungen mit der heißen Nadel gestrickt in den Markt pumpen müssen?“, fragt sich Koppelberg.

Dabei muss ein Spiel gleich beim ersten Versuch funktionieren, erklärt Schlewinski. 24 Stunden im Monat lässt er Spiele von Kindern testen, sie gäben selten eine zweite Chance, und ihr Urteil kann knallhart sein. „Wenn Spiele umständlich sind, sie es nicht selbst aufbauen können oder wenn eine gute Leistung wie Geschicklichkeit nicht belohnt wird, sondern am Ende der Zufall den Gewinner bestimmt, dann gefällt ihnen das nicht“, so der Experte. Gut sei es, wenn ein Spiel zwischen 15 und 25 Minuten dauere und einen Spannungsbogen halten könne.

Und ab wann lohnt sich überhaupt der Erwerb eines Gesellschaftsspiels für den Nachwuchs? „Das Kind sollte mindestens dreieinhalb Jahre alt sein“, sagt Schlewinski. „Vorher tun es auch ein Topf und ein Schneebesen.“