Hamburg

Mit Postkarten gegen Trickbetrüger

Banden wollen Senioren mit Schockanrufen um ihr Geld bringen. Polizei startet große Aktion zur Vorbeugung

Hamburg.  Mit sogenannten Schockanrufen versuchen Betrüger neuerdings, ältere Menschen auszunehmen. Rund 100 Fälle sind in den vergangenen Wochen bekannt geworden. Dieser Trickbetrug ist viermal so erfolgreich wie ältere Varianten.

Dahinter stecken Banden, die systematisch vorgehen und ihre Methoden immer weiter verfeinern. Fallen die Opfer darauf herein, betragen die Schadenssummen häufig mehrere Zehntausend Euro. In Einzelfällen geht das gesamte Vermögen verloren. Die Hintermänner sitzen im Ausland.

Die Polizei versucht jetzt mit einer neuen Aktion, nicht nur mögliche Opfer, sondern auch Angehörige zu sensibilisieren. Mehr als 2000 unterschiedliche Fälle, in denen Opfer aus Callcentern angerufen wurden, registrierte die Polizei im vergangenen Jahr allein in Hamburg. In etwa jedem 100. Fall waren die Täter erfolgreich.

Die Zahl hat in diesem Jahr noch nicht abgenommen. Bis Anfang Juni waren es erneut knapp 1000 Taten, die in Hamburg bekannt wurden. Rund 100 von ihnen sind Schockanrufe, die für die Täter in jedem 25. Fall erfolgreich waren. „Wir registrieren diese Masche immer in Wellen“, sagt Polizeipräsident Ralf Martin Meyer. „Es vergeht kein Tag, an dem nicht zwischen zehn und 30 Taten, zumeist blieb es beim Versuch eines Betrugs, gemeldet werden. Wenn man überlegt, wie viele Anrufe es tatsächlich gegeben hat, gehe ich von 100 solcher Anrufe aus. Täglich“, sagt Meyer. „Viele Betroffene werden einfach aufgelegt haben oder sich bei erfolgreichen Taten aus Scham nicht bei der Polizei gemeldet haben. Das ist auf jeden Fall eine dramatische Entwicklung gegenüber den Vor­jahren.“ Begonnen habe diese Art von Betrügereien mit dem „Enkeltrick“, hinter dem oft südosteuropäische Täter­ steckten. „Dann kam die Masche mit den falschen Polizeibeamten auf, hinter der oft türkische Tätergruppen stehen“, sagt Meyer. Diese Gruppierungen gehen deutlich professioneller vor und rufen aus Callcentern in der Türkei an. „Von dort werden reihenweise die Nummern abtelefoniert, die ihnen bekannt geworden sind“, sagt Meyer. Ermittler gehen davon aus, dass sich diese Tätergruppen die Nummern aus dem Internet oder über alte Telefon-CDs besorgen. Weil immer mehr Betroffene argwöhnisch auf solche Anrufe reagieren, hätten die Täter ihre Methode „verschärft“. „Diese Gruppierungen entwickeln ihre Methoden ständig weiter. Jetzt wird den Angerufenen durch sogenannte Schockanrufe suggeriert, ein Verwandter sei in Not und käme ins Gefängnis oder sei schwer verletzt und müsse dringend operiert werden, weswegen sofort Geld benötigt werde.“

Meyer weiter: „Damit versucht man, die älteren Menschen noch einmal besonders unter Druck zu setzen. Gerade in letzter Zeit haben wir vermehrt diese Art von Anrufen festgestellt.“ Das sei „eine besonders perfide Masche, bei der man eine gewisse Hilflosigkeit älterer Menschen gezielt ausnutzen will und dafür dieses Szenario und damit einen ungeheuren Druck aufbaut.“ An ein Abflauen der Masche glaubt die Polizei nicht. „Die Täter leben von der Masse der Anrufe, mit denen sie die Stadt überziehen“, so Meyer. „Wenn nur ein oder zwei Anrufe bei dieser schnellen Art von Trick­betrug erfolgreich sind, kommen gleich fünfstellige Schadenssummen zustande. Die Täter sind auch so skrupellos, dass sie die alten Leute komplett ausplündern. Es gibt Fälle, da haben sie ihr Opfer immer wieder losgeschickt, um Geld zu holen. Das ging so lange, bis nichts mehr auf den Konten war.“

Die Polizei will jetzt „sehr offensiv“ mit diesem Phänomen umgehen. „Wir wollen damit noch einmal die Sensibilität steigern“, sagt Meyer. So sollen jetzt täglich die Fälle, die sich ereignen, veröffentlicht werden. Dazu ist eine Aktion geplant, bei der 60.000 Postkarten und noch mehr Flyer verteilt werden sollen. „Wir wollen erreichen, dass die Masche so bekannt ist, dass zumindest die Anzahl der erfolgreichen Anrufe durch Trickbetrüger noch weiter zurückgeht und sich in der Szene herumspricht, wie schwierig es in Hamburg ist, mit dieser Tatbegehungsweise erfolgreich zu sein“, sagt Meyer. Es komme deshalb auch darauf an, Angehörige zu sensibilisieren . „Daraus resultierte auch die Idee, dass es für die Angehörigen auch um ihr Erbe geht“, so Meyer. An die Hintermänner komme man nur schwer heran, da sie in der Regel im Ausland sitzen. „Die Täter wissen natürlich, wie schwer und aufwendig es ist, besonders außerhalb der EU, gegen solche Gruppierungen vorzugehen. Da werden wir natürlich nicht nachlassen“, sagt Meyer.