Neustadt

Rentner betrogen – 24-Jähriger steht vor Gericht

In mindestens drei Fällen hat der Mann Zehntausende erschlichen. Geständnis angekündigt

Neustadt. Die älteren Menschen wurden in Angst versetzt, schließlich skrupellos ausgenutzt und um ihre Ersparnisse betrogen. Und das, weil sie glaubten, es mit einem vertrauenswürdigen Polizisten zu tun zu haben. Doch der angebliche Freund und Helfer war tatsächlich ein Feind, der es nur aufs Geld abgesehen hatte: Wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs in vier Fällen muss sich zurzeit ein 24-Jähriger vor dem Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft Rudolf U. vor, sich als Polizeibeamter ausgegeben, das Vertrauen mehrerer Opfer erschlichen und sie unter einem Vorwand zur Herausgabe von Geld und anderen Wertsachen überredet zu haben. Dabei war der Angeklagte laut Ermittlungen Teil einer Bande, bei der Anrufer gezielt ältere Mitbürger telefonisch kontaktieren und behaupten, das Vermögen der Geschädigten sei in Gefahr. Abholer holten die Wertsachen unter dem Anschein, sie seien Polizeibeamte, bei den Opfern ab.

Unter anderem wurde eine 80-Jährige ausgenommen, der vorgegaukelt wurde, wegen eines erhöhten Aufkommens von Falschgeld müsse bei ihr Geld überprüft werden. Auf telefonische Anweisung hob die Rentnerin 10.000 Euro von der Bank ab. Dann soll Rudolf U. bei ihr erschienen, das Geld entgegengenommen und seinen Anteil der Beute als Lohn behalten haben. Bei dieser Tat soll auch Daniel U., der 22 Jahre alte Bruder des 24-Jährigen, mit einem Hilfsdienst beteiligt gewesen sein.

Bei einem zweiten Opfer, einer 69-Jährigen, nutzte die Bande der Anklage zufolge in einem Telefonat den Vorwand, bei einem während eines Einbruchs festgenommenen Syrer habe die Polizei eine Notiz mit ihrem Namen und der Bemerkung gefunden, sie sei wohlhabend. Um ihr Geld in Sicherheit zu bringen, müsse sie 10.000 Euro abheben und einem Polizisten übergeben. In diesem Fall soll Rudolf U. die Abholung des Geldes durch den angeblichen Polizei­beamten durch Beobachtung der Umgebung abgesichert haben.

Bei einer dritten Tat im Dezember 2017 wurde eine 82-Jährige zum Opfer. Ihr schwindelte man in einem Anruf vor, in unmittelbarer Umgebung ihrer Wohnung sei eingebrochen worden, wobei die Polizei bei Ermittlungen hierzu eine Liste gefunden habe, auf der auch ihr Name verzeichnet sei. Deshalb gehe die Polizei davon aus, dass die Täter auch einen Einbruch bei ihr planen würden. In den folgenden Tagen übergab die alte Dame an einen vermeintlichen Polizisten unter anderem Schmuck und die EC-Karte nebst PIN. Später holte sie auch 11.000 Euro von der Bank und übergab auch diese, weil man ihr sagte, es sei viel Falschgeld im Umlauf, und man müsse ihr Geld auf seine Echtheit überprüfen. Der Hauptangeklagte Rudolf U. kündigte am ersten Verhandlungstag ein „voll umfängliches Geständnis“ an. Der Prozess wird fortgesetzt. (bem)