Hamburg

Die Karte, die keiner mehr will

Die Gesundheits-E-Card wird zum Auslaufmodell – Kassen entwickeln Alternativen

Hamburg. Der Hamburger Radio­loge Prof. Frank Ulrich Montgomery ist als UKE-Arzt gewohnt, mit Technik umzugehen. Mit einer, die funktioniert. Nun hat offenbar auch den Präsidenten der Bundesärztekammer die Hoffnung beim Thema elektronische Gesundheitskarte verlassen. Nach Jahren des Herumdokterns an dem Prestigeprojekt zur Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens kommt Montgomery zu dem Schluss: Die Karte „ist völlig veraltet“. Man solle über ein neues System nachdenken. Montgomery sagte, die Karte sei geplant worden, noch bevor es Smartphones gab.

Die großen Krankenkassen haben ebenfalls längst Alternativen entwickelt. Allen voran der Branchenführer Techniker. Die TK konzipierte wie jetzt auch die AOK, die DAK und andere elektronische Patientenakten. Sie sollen das leisten, was die e-Card seit Jahren nur verspricht: unter anderem einen Notfalldatensatz anlegen, Arztbriefe und Rezepte speichern. Die AOK hatte die elektronische Gesundheitskarte ebenfalls für gescheitert erklärt.

Schwierig ist die Lage für den neuen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Er musste zurückrudern, nachdem ihm voreilig nachgesagt wurde, er habe die Gesundheitskarte schon abgeschrieben. Immerhin gibt es einen gesetzlichen Auftrag, die Karte weiterzuentwickeln, Arztpraxen mit neuen Lesegeräten auszustatten, die Partnerschaft mit der Industrie beizubehalten.

Spahn warnte beim Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit vor weiteren Verzögerungen bei der Digitalisierung. Er vermied es aber, die e-Card beim Namen zu nennen. Spahn sagte: „Die Angebote sind da oder kommen. Amazon, Google, Dr. Ed. Es ist die Frage: Gestalten wir das, oder kommt das von außen?“ Wer offene Schnittstellen, Datenschutz und -sicherheit für die Patienten garantiere, bekomme eine Zulassung.

Die neue Staatsministerin für Digitales, Dorothee Bär (CSU), sagte, man solle die Karte einstampfen. Der letzte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) drohte den Ärzten noch mit Strafzahlungen, falls sie die neue Technik für die künftigen Karten nicht schnell genug einführen. Nun sieht es so aus, als habe die elektronische Gesundheitskarte selbst in der Bundesregierung kaum noch Befürworter.