Neustadt

Psychiater stuft angeklagten Vater als schuldfähig ein

Im Prozess um den Tod einer Zweijährigen geht der Gutachter nicht von einer Affekttat aus

Neustadt. Sohail A. hat im vergangenen Oktober seine zwei Jahre alte Tochter mit einem Messer getötet, er enthauptete sie beinahe. Nach dem unfassbaren Verbrechen flüchtete er aus seiner Wohnung am Wiedauweg (Neugraben) ins Ausland, wurde aber kurz darauf in Spanien gefasst. Ging es dem Vater nur darum, seine eigene Haut zu retten? Darauf deutet nun auch der Befund des psychiatrischen Sachverständigen Dr. Christoph Lenk hin. Bereits am vergangenen Donnerstag hatte er vor dem Landgericht mit der Erläuterung seines Gutachtens begonnen.

Während er Sohail A. im Vorfeld des Prozesses begutachtete, habe der Angeklagte nicht vorhandene psychiatrische Symptome vorgetäuscht, so Lenk. Kurz: Der Psychiater stuft den 34-Jährigen als Simulanten ein. Auch für die mehr­fachen dramatischen Zusammenbrüche während des Prozesses, die in Wimmern, Weinkrämpfen und minutenlangen Unterbrechungen mündeten, gebe es keine medizinische Erklärung.

Viel wichtiger für die Urteilsfindung ist ein weiterer Befund des Psychiaters. Wie im vorläufigen Gutachten bleibt es auch in der finalen Expertise bei Lenks Einschätzung: Es gebe keine Anhaltspunkte für eine verminderte Steuerungsfähigkeit durch einen Affekt. So seien die Vorgeschichte, die Angaben des Angeklagten und seiner als Zeugin geladenen Frau nicht mit einer Affekttat in Einklang zu bringen. Aus forensischer Sicht gehe einem Affekt immer eine signifikante Änderung des „psychopathologischen Status“ voran, sagte Lenk am Dienstag. Diese auch für Außenstehende wahrnehmbare Wesensänderung habe der Angeklagte vor der Tat nicht gezeigt.

Die Verteidigung des Angeklagten fragte erwartbar forsch nach, schließlich vertritt sie die Auffassung, dass Sohail A. die Tat im Affekt beging. Seine zwei Anwälte wollen bis zum nächsten Verhandlungstag am kommenden Donnerstag prüfen, ob eine ergänzende psychiatrische Begutachtung des Angeklagten beantragt werden soll. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass sich Sohail A. mit der Ermordung seiner Tochter an seiner Frau Lubna rächen wollte – aus Wut, dass sie ihm weder das Mädchen überlassen noch eine Anzeige wegen Misshandlung zurückziehen wollte. Damit habe er das Mordmerkmal „niedrige Beweggründe“ realisiert. Diese Motivlage sieht die Verteidigung nicht – ihr geht es darum, den Mordvorwurf zu einem Totschlag abzuschwächen.