Hamburg

5,7 Prozent mehr Lohn für 10.000 Hamburger auf dem Bau

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Georg Merziger
Der Protest der Bauarbeiter – auch aus Hamburg – hat sich beim Blick auf den Schlichterspruch gelohnt

Der Protest der Bauarbeiter – auch aus Hamburg – hat sich beim Blick auf den Schlichterspruch gelohnt

Foto: Carsten Koall / dpa

Schlichterspruch sieht zudem Einmalzahlungen von 1100 Euro vor. Kritik von den Arbeitgebern im Norden: Das sei ein "Luxusabschluss".

Hamburg. Mehr als 19 Stunden hatten die Tarifparteien im Baugewerbezusammengesessen­. Dann konnte Ex-Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement als Vermittler in den komplizierten Gesprächen das Ergebnis der Schlichtungsrunde verkünden. Rückwirkend zum 1. Mai sollen die Beschäftigten auf dem Bau – und damit auch rund 10.000 Arbeitnehmer in Hamburg – eine Lohnerhöhung von 5,7 Prozent bekommen. Ferner soll es drei Einmalzahlungen über insgesamt 1100 Euro geben. Im Osten sollen die Löhne und Gehälter zunächst sogar um 6,6 Prozent angehoben werden und dann in einem zweiten Schritt zum 1. Juni 2019 um weitere 0,8 Prozent. Hinzu kommt eine Einmal­zahlung von 250 Euro. Die Laufzeit des Tarifvertrags beträgt 26 Monate. Die Branchenverbände HDB und ZDB sowie die IG Bau haben nun 14 Tage Zeit, um den Schlichterspruch abzusegnen.

„Das ist bundesweit der höchste Abschluss in diesem Jahr“, freute sich IG-Bau-Chef Robert Feiger. „Deutschland verzeichnet ein starkes Wirtschaftswachstum – und die Baubranche nimmt dabei einen Spitzenplatz ein. Entsprechend hoch waren die Erwartungen der Baubeschäftigten.“ Ganz konnte sich die Gewerkschaft mit ihrer Forderung allerdings nicht durchsetzen. Sie hatte ursprünglich sechs Prozent mehr Lohn verlangt – bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber hatten zuvor ein Plus von 4,2 Prozent über 22 Monate und eine Einmalzahlung von 400 Euro angeboten.

Goldene Zeiten auf dem Bau

Auch bei der IG Bau im Norden kam der Schlichterspruch gut an. „Das Ergebnis ist angemessen. Unsere Beschäftigten haben 15 Jahre lang verzichtet. Jetzt sind für die Unternehmen goldenen Zeiten am Bau – und die Arbeitnehmer haben einen kräftigen Schluck aus der Lohnpulle verdient“, sagte André Grundmann, Regionalleiter der IG Bau im Norden, dem Abendblatt.

Die Baubranche boomt tatsächlich seit Jahren, da wegen der niedrigen Zinsen viele Bundesbürger ein Haus oder eine Wohnung bauen beziehungsweise renovieren. Zudem stecken immer mehr Investoren mangels attraktiver Anlagemöglichkeiten Geld in den Immobilienmarkt. HDB und ZDB peilen für 2018 den höchsten Umsatz seit 23 Jahren an. Die Erlöse dürften um rund vier Prozent auf gut 117 Milliarden Euro steigen. „Es waren harte und zähe Verhandlungen, die immer mal am Rande des Scheiterns standen“, erklärte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, ZDB-Vorstandsmitglied Uwe Nostitz. Mit der Lohnsteigerung sei für die Unternehmen die „absolute­ Obergrenze“ der Leistungs­fähigkeit erreicht.

Eine erste Schlichtungsrunde unter Leitung Clements war am vergangenen Montag ergebnislos geblieben. Nach dem zweiten Treffen zeigte sich der frühere SPD-Politiker zufrieden. Er sprach von einem „Ergebnis, das sich überall sehen lassen kann“.

Arbeitgeber im Norden geben Abstimmungstermin bekannt

Vonseiten der norddeutschen Arbeitgeber gab es an dem Schlichterspruch harsche Kritik. Der Baugewerbeverband Schleswig-Holstein bezeichnete ihn als „Luxusabschluss“ und Kata­strophe für die Branche in der Region mit ihren überwiegend kleinen und mittelgroßen Betrieben. Hauptgeschäftsführer Georg Schareck sagte, er sehe nun ernsthafte Probleme für die Handwerksbetriebe. Die Kunden wiederum würden mit einer spürbaren Erhöhung der Baupreise rechnen müssen. Die Kostensteigerungen könnten „deutlich mehr als zehn Prozent“ betragen.

Am Nachmittag kündigte eine Sprecherin des Baugewerbeverbandes an, dass die schleswig-holsteinischen Betriebe am Freitag kommender Woche über den Schlichterspruch abstimmen werden – einen Tag vor dem Ende der Frist, bis zu der IG Bau und Arbeitgebergremien ihr Votum zum Schlichterspruch abgeben müssen.

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