Kreuzfahrten

Diese Hamburgerin hat die neue "Mein Schiff" erfunden

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Edgar S. Hasse
Arbeiten, damit andere Urlaub machen können: Wybcke Meier steht an der Spitze von Tui Cruises

Arbeiten, damit andere Urlaub machen können: Wybcke Meier steht an der Spitze von Tui Cruises

Foto: TUI CRUISES

Was an Bord der "Mein Schiff 1" alles anders ist, hat sich eine gebürtige Helgoländerin ausgedacht. Taufe am 11. Mai in Hamburg.

Hamburg. Größer, schöner, sportlicher – die neue „Mein Schiff 1“ wird am 11. Mai in Hamburg getauft. Taufpatinnen sind die Beachvolleyball-Olympiasiegerinnen Kira Walkenhorst und Laura Ludwig. Eine Frau fiebert dem maritimen Event am Containerterminal Burchardkai besonders entgegen: Wybcke Meier, 49, Geschäftsführerin von TUI Cruises. Die neue „Mein Schiff 1“ (rund 2.900 Passagiere, 315 Meter lang) trägt ihre Handschrift. Wybcke Meier ist praktisch die „Mutter“ des jüngsten Flottenkindes. Geburtsort: Meyer Werft im finnischen Turku. Taufort: Hamburger Hafen. Heimathafen: Valetta (Malta).

Die Reederei-Chefin sitzt in ihrem gläsernern Büro am Heidenkampsweg. Ein Bürogebäude in der Nähe des Berliner Tores. Die elfte Etage bietet einen spektakulären Blick auf den Hamburger Hafen mit den Kränen der Containerterminals. Dass das neue Traumschiff von TUI Cruises, eine Tochter des Touristikkonzerns TUI und der US-Kreuzfahrtreederei Royal Caribbean Cruises, ein „aktives und sportliches Schiff“ sein wird, war ihre Entscheidung. „Natürlich entstehen solche Konzepte in Teamarbeit mit dem Marketing, den Operations- und Neubau-Abteilungen und vor allem mit dem für Finanzen zuständigen Geschäftsführer Frank Kuhlmann, das sind nie Einzelentscheidungen “, sagt Wybcke Meier. „Ich wollte einen neuen, für Schiffe ungewohnten Schwerpunkt setzen, nämlich Sport und Fitness neben den bekannten Faktoren wie komfortable Kabinen und Kulinarik.“

Sportgerät Icaros an Bord

20 Meter länger als die baugleichen Schwesterschiffe ist die „Mein Schiff 1“ sein, die Joggingstrecke erreicht die Länge von 438 Meter, der Pool misst 25 Meter. Meerblick inklusive. Wybcke Meier, seit 2014 Geschäftsführerin von TUI Cruises, hat einige Geräte in dem vergrößerten auf mehr als 2000 Quadratmeter Fitness-Bereich unlängst bei der Überfahrt von Finnland nach Norddeutschland selbst ausprobiert. „Ich habe den neuen Icaros getestet, bei dem man eine virtuelle Brille aufsetzt.“ Mit Icaros, der Sport mit virtueller Realität verbindet, können die Kreuzfahrtgäste zum Beispiel rasant durch eine animierte Canyon-Landschaft fliegen und somit ganz viel Spaß haben und gleichzeitig trainieren.

Für Windrose gearbeitet

Wybcke Meier ist auf Helgoland aufgewachsen und hat in großen und kleinen Touristikunternehmen in Führungspositionen gearbeitet, darunter beim Luxusanbieter Windrose. Und tatsächlich gibt es auf der neuen „Mein Schiff 1“ eine kleine Referenz an ihre Heimatinsel mit der berühmten „Langen Anna“. „Ich habe bei der Konzeption an meine alte Schul-Turnhalle im Oberland von Helgoland gedacht. Die gute alte Turnhalle, hat mich für die ‘Arena’ auf der ‘Mein Schiff 1` inspiriert. So gibt es dort jetzt eine Sprossenwand, während auf dem Mega-LED-Bildschirm Live-Übertragungen und Filme flimmen. Außerdem verfügt das jüngste Kind der Flotte, die bis zum Jahr 2023 auf insgesamt sieben neue Schiffe wachsen wird, über ein spezielles Restaurant unter dem Motto „Ganz schön gesund“. Dort werden trendige Bowls und Salate angeboten. Fitness ist eben Trumpf.

Umweltfreundlichste Flotte als Ziel

Wybcke Meier lebt selbst diesen sportlich-gesunden Lebensstil. Den braucht sie auch, wenn ihr Arbeitstag um 9 Uhr im Büro beginnt und mindestens bis 20 Uhr dauert. Wenn sie gut 30 Tage pro Jahr auf einem der TUI Cruises Schiffe beruflich unterwegs ist, hat sie neben einem guten Buch stets Sportsachen im Gepäck. Meier, die innenstadtnah in Hamburg wohnt, ist auch da sportlich aktiv. Ein wichtiger Ausgleich für lange Meetings im Büro, bei denen es auch um das Ziel geht, 2023 die modernste und umweltfreundlichste Kreuzfahrt-Flotte zu haben.

Meier behielt das Konzept bei, bei allen Neubauten auf die lange Zeit beliebten Mini-Bars in den Kabinen zu verzichten. Dort wurden gekühlte alkoholische und alkoholfreie Getränke serviert. Der Minibar-Betrieb verbraucht zu viel Strom und ist ökologisch fragwürdig. Nun haben nur noch die Suiten eine eigene Minibar. Das spart gut 0,33 Tonnen Treibstoff pro Tag und Schiff ein.

20 Meter länger

Und auch das trägt die Handschrift der Hamburger Geschäftsführerin: Weil das Schiff 20 Meter länger wurde, stand intern zur Debatte, den gewonnenen Platz ausschließlich für neue Suiten zu nutzen. Meier: „Wir sind schließlich zu dem Ergebnis gekommen, zwar neue Suiten zu bauen, aber nicht so viele wie geplant, und dafür lieber zusätzliche Balkonkabinen.“ Ein guter Kompromiss, um das Angebot für alle Gästegruppen attraktiv zu gestalten.

An ihrer Aufgabe als Geschäftsführerin einer großen deutschen Kreuzfahrtreederei gefällt ihr neben dem Kontakt zu Gästen und Crewmitgliedern: „Das Tolle ist, neue Schiffe bauen zu können.“ So wird die Taufe der neuen „Mein Schiff 1“ bereits die vierte in ihrer Amtszeit sein. Die nächste Taufe – und zwar für die neue „Mein Schiff 2“ – findet im nächsten Jahr statt. Der Taufort steht noch nicht fest.

Rekord mit 40 Reisen

TUI Cruises mit Sitz in Hamburg und AIDA Cruises in Rostock haben gemeinsam einen Marktanteil von 65 bis 70 Prozent in Deutschland. Die „Sehnsucht nach Kreuzfahrten“ sei ungebrochen, sagte Wybcke Meier. Inzwischen sei für „jeden Geschmack und jeden Geldbeutel“ etwas dabei. Dass die Deutschen so gerne Urlaub auf See machen, liege an der „Faszination Seefahrt, dem Kommen und Gehen und an dem Bedürfnis, das eigene Leben zu entschleunigen.“ Eine wachsende Zahl von Gästen will zudem einen sportlichen, aktiven Urlaub auf dem Meer mit Landausflügen zu verbringen. Meier: „Nirgendwo sonst ist das Fitness-Studio so nah wie auf einem Schiff. Eine Hamburgerin ist übrigens die Top 1 der Vielreisenden bei der Mein-Schiff-Flotte: „Die Dame hat bereits 40 Reisen auf einem unserer Schiffe unternommen.“ Die erste Fahrt der „Mein Schiff 1“ geht nach der Taufe am 11. Mai übrigens Richtung Helgoland, der Heimat von Wybcke Meier.

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