Hamburger Symphoniker

Coup in der Laeiszhalle – acht Tage Martha Argerich

Die Pianistin Martha Argerich

Die Pianistin Martha Argerich

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Die Symphoniker bieten der Pianistin Ende Juni bei einem neuen Festival Bühnen für sie, Daniel Barenboim und ihre Künstler-Familie.

Hamburg. Lugano liegt am Luganersee im Tessin, sehr idyllisch, und ­beheimatet das Schweizerische Zoll­museum. So etwas wie die Laeisz­halle gibt es dort allerdings nicht. Deswegen gibt es nun, bereits Ende Juni, im historisch wertvollen Hamburger Konzertsaal eine Besonderheit, die ­Lugano seit 2016 nicht mehr hat: ein exklusives Festival, dessen Konzept sich ganz und gar um einen Fixstern dreht, um die Pianistin Martha Argerich.

Das „Progetto Martha Argerich“, 15 Jahre lang die speziellste Kultur-Attraktion von Lugano, erlebt durch die ambitionierte Initiative von Symphoniker-Intendant Daniel Kühnel ein Revival in der aufblühenden Musikstadt Hamburg: Acht Tage in Folge wird Luganos ­Ehrenbürgerin bei Konzerten nun hier, vor allem in der ­Laeiszhalle, zu erleben sein. Der Bonustrack: Das Finale bringt die in Buenos Aires geborene Virtuosin am 2. Juli für einen Tango-Abend auf die Reeperbahn, ins Schmidt-Theater.

Argerich tritt auch mit Daniel Barenboim auf

„Wesentlicher Grund, dass es in der Laeiszhalle ist, ist, dass alle sie sehr lieben“, lautet eine Kühnel-Begründung für den Coup, der ihm da seit den ersten Überlegungen im Januar in sehr kurzer Zeit gelungen ist. „Das ist eine Farbe, die in diese Musikstadt gehört.“ Die vertrauensbildenden Maßnahmen früherer Argerich-Engagements für Symphoniker-Konzerte haben offenbar Wirkung gezeigt.

Wie es sich für Argerich-Konzert-Happenings gehört, umgibt sie sich ­dabei am liebsten mit handverlesenen Weggefährten und Familienmitgliedern, biologischen wie charakterlichen. Den Auftakt am 25. Juni macht ein Kammermusikabend im Kleinen Saal der Laeiszhalle, bei dem Argerich u.a. mit dem Pianisten Stephen Kovachevich Debussy spielt.


Tag zwei im Großen Saal stellt eine ­Bearbeitung von Strawinskys „Sacre“ für vier Klaviere und Schlagwerk in den Mittelpunkt, ergänzt u.a. um Schostakowitschs 1. Klavierkonzert. Eine Mit-Solistin ist die Pianistin Elena Bashkirova, ebenfalls dabei ist Bashkirovas bratschender Sohn Michael Barenboim. Tag drei präsentiert die Geigenlegende Ivry Gitlis, u.a. mit Kammermusik von Kreisler. Zum Ende der ersten Halbzeit reist Bashkirovas Gatte, Daniel Barenboim, an; in der Auswahl für den 28. Juni sind erneut Werke von ­Debussy, kombiniert mit einer Bearbeitung des Tschaikowsky-Klaviertrios. Ebenfalls auf der Bühne: Alisa Weilerstein (Cello) und der Geiger Guy Braunstein. Beide haben auch am Folgeabend etwas vor, im Kleinen Saal, Kammermusik von Schostakowitsch, Kodály und Rachmaninow.

Eine Stiftung finanziert das Festival

Am 30. Juni ist spielfrei für Argerich. Die ersten Auftritte im Kleinen Saal mit Werken von Prokofiew und Rachmaninow übernehmen u.a. die Geigerin Akiko Suwanai und die Pianistin Lilya Zilberstein. Im Großen Saal folgt ein Abend mit dem Bariton Thomas Hampson und Schumanns „Dichterliebe“, Teil des Abend-Ensembles ist auch der Cellist Mischa Maisky. Das vorletzte Konzert kombiniert Argerich, Zilberstein und Maisky, ein Programmpunkt ist das Beethoven-Tripelkonzert, ein anderer Saint-Saëns’ „Karneval der Tiere“.

Die Finanzierung dieses programmatischen Versuchsballons ermögliche einzig und allein eine Stiftung, erklärte Kühnel. Durch diese Argerich-Woche drohe keine Gefahr der Überstrapazierung des Symphoniker-Etats. Die Kulturbehörde habe sie nicht mitfinanziert, auch die Laeiszhallen-Dachorganisation von Generalintendant Lieben-Seutter habe keine Aktien in diesem Projekt.

Eine Abo-Regelung soll es geben, der maximale Rabatt ­beträgt 25 Prozent beim Besuch von fünf Konzerten. Der Vorverkauf beginnt am Montag. Auch davon wird abhängen, ob aus dem Argerich-Unikat ein Dauerauftrag für die Symphoniker werden kann.

Weitere Infos: www.symphonikerhamburg.de