Hafencity

HafenCity-Uni: 23 Professoren gegen Präsidenten

Abwahlantrag nur knapp gescheitert. Hochschullehrer fordern Gespräch mit Senatorin Katharina Fegebank

Hafencity. Der Aufschrei folgte prompt: Gerade erst hatte die Pressestelle der HafenCity Universität (HCU) in einer Mitteilung verkündet, HCU-Chef Walter Pelka sei „vom Hochschulsenat im Amt bestätigt“ worden, und dazu ein Foto des lächelnden Präsidiums veröffentlicht, da fanden sich am Mittwochabend spontan 23 von 42 Professoren der HCU zusammen, um ihre Empörung zu zeigen. Pelka im Amt „bestätigt“? Davon könne keine Rede sein.

Zuvor hatten in einer Sondersitzung des Hochschulsenats acht von elf Mitgliedern für die Abwahl des Präsidenten gestimmt. Wegen einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen erreichten die Befürworter des Antrags aber nicht die nötige Dreiviertelmehrheit. Trotzdem sei dies „ein starkes Signal für einen nötigen Neuanfang“, hieß es kurz nach der Entscheidung aus dem Gremium. „Wir hoffen, dass das Präsidium dieses Ergebnis entsprechend interpretiert“, hatte Prof. Thomas Schramm gesagt, der dem Hochschulsenat angehört.

Doch die Interpretation des Präsidiums fiel dann eben anders aus, als die Kritiker sich das gewünscht hatten. „Ich empfinde es als Affront“, sagte Prof. Bernd Kniess. Sein Kollege Prof. Wolfgang Dickhaut pflichtete ihm bei: „Dieses Triumphgehabe zeigt eindrücklich, wie wenig das Präsidium die tiefgreifenden Probleme verstanden hat und wie wenig Interesse besteht, diese im Konsens zu überwinden.“ Auch Professorin Alexa Färber befand, das Präsidium habe das Signal des Antrags und das Ergebnis nicht begriffen.

In der Mitteilung der Pressestelle heißt es, das Präsidium biete weitere Gespräche zur künftigen Entwicklung der HCU an. Dabei solle auch über „geeignete neue Kommunikationsformate“ gesprochen werden. Präsident Pelka ließ sich so zitieren: „In den vergangenen sechs Jahren sind wir bereits weit gekommen. Nun gilt es, gemeinsam die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft der HafenCity Universität zu stellen.“

Gemeinsamkeiten sehen seine Kritiker längst nicht mehr. „Ich glaube nicht, dass die Hochschule nach diesem sehr deutlichen Ergebnis so schnell zur Ruhe kommen wird“, sagte Björge Köhler, studentisches Mitglied im Hochschulsenat. Die 23 Professoren forderten ein Gespräch mit Wissenschafts­senatorin Katharina Fegebank (Grüne) und dem Hochschulrat. Am Montag hatte sich eine Delegation aus Studierenden, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Professoren mit Staatsrätin Eva Gümbel (Grüne) getroffen, die vorschlug, in eine Mediation mit Pelka zu gehen. „Wir stehen einer Mediation aber aus Erfahrung sehr skeptisch gegenüber“, sagte Thomas Schramm.

Der seit Längerem schwelende Konflikt war eskaliert, weil der überwiegend mit externen Vertretern besetzte Hochschulrat der HCU am 18. April die Kanzlerin der Hochschule, Stephanie Egerland, für eine zweite Amtszeit gewählt hatte – und das, „obwohl weder der Präsident noch die Kanzlerin das Vertrauen der Hochschule genießen“, wie ein Protest-Bündnis kritisierte.

Am vergangenen Mittwoch versammelten sich 450 Menschen in der HCU zu einer Kundgebung. Das Präsidium agiere autoritär und intransparent und sei für die „schwierigen Lern- und Arbeitsbedingungen“ an der HCU verantwortlich, hieß es. Präsident Walter Pelka hatte die Kritik im Namen des gesamten Präsidiums zurückgewiesen.