Sicherheit

Elektroschockpistolen für die Hamburger Polizei

Ein Polizist demonstriert, wie ein Taser funktioniert

Ein Polizist demonstriert, wie ein Taser funktioniert

Foto: picture alliance

Neues Mittel gegen Gewalttäter: Hamburger Beamte sollen ständig mit „Tasern“ in der Stadt unterwegs sein.

Hamburg.  Was tun, wenn Pfeffersprays Täter nicht abschrecken, aber eine Schusswaffe auch nicht eingesetzt werden soll? Die Hamburger Polizei will jetzt in Hamburg Elektroschockpistolen, sogenannte Taser, auch auf Peterwagen einführen. Das kündigte Polizeipräsident Ralf Martin Meyer gegenüber dem Abendblatt an. Mit den Tasern werden gezielt Stromstöße auf den Körper abgegeben, die zu einem Kontrollverlust der Muskeln führen und Täter außer Gefecht setzen. Bisher sind in Hamburg nur Mobile Einsatzkommandos (MEK) damit ausgerüstet.

Den letzten Anstoß zur Einführung der Taser im normalen Polizeidienst gab ein Vorfall am 20. April in Barmbek, als ein psychisch gestörter Mann Passanten und eintreffende Polizeibeamte mit einem Messer bedrohte. Schließlich schoss ihm ein Streifenpolizist in die Beine.

Pilotprojekt in Rheinland-Pfalz

„Wir hatten bislang darauf gesetzt, Taser beim MEK einzusetzen, weil wir uns vorgestellt haben, dass er dann von den alarmierten Kräften eingesetzt werden kann“, sagte Polizeipräsident Meyer. „Wir haben aber festgestellt, dass das bislang nicht gelungen ist, beispielsweise in einem Fall, bei dem ein mit einem Messer bewaffneter Mann in einem Krankenhauszimmer randalierte. In dem Fall war das MEK einfach nicht schnell genug da.“ Auch bei der Messerattacke am 20. April auf dem Friedrich-Ebert-Damm sei es unmöglich gewesen, rechtzeitig das Taser-Team der Spezialeinheit zum Einsatzort zu bekommen.

„Gott sei Dank hat der Kollege sehr gut reagiert und gezielt in die Beine geschossen, um so den Täter handlungsunfähig zu machen“, sagte Meyer. Dass das bisherige Konzept nicht aufging, habe an der „Alarmierungskette“ gelegen. Es dauert im Ernstfall einfach zu lange, bis das Taser-Team informiert, ausgerückt und eingetroffen ist. Schon länger wertet die Hamburger Polizei deshalb Ergebnisse eines Pilotprojekts mit Tasern bei der Polizei in Rheinland-Pfalz aus. Auch Bremen und Berlin erproben die Elektroschockpistole für den Streifendienst.

Speziell ausgebildete Teams

In Hamburg soll nicht jede Peterwagenbesatzung einen Taser bekommen. Stattdessen werden speziell ausgebildete Teams eingesetzt. Zu oft zeigte sich, dass Pfefferspray wirkungslos ist, wenn etwa Randalierer psychisch krank oder betrunken sind. Selbst Schläge mit dem Schlagstock stecken viele solcher Täter problemlos weg. Bei einem Taser gelingt das nicht, da er direkt auf die Muskeln einwirkt. In Hamburg möchte Meyer rund um die Uhr mehrere Teams im Einsatz haben, die bereits im Fahrzeug unterwegs sind und bei einer Alarmierung sofort zum Einsatzort fahren.

Joachim Lenders, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, sieht hier einen Ansatzpunkt für Kritik. Die Idee der flächendeckenden Einführung von Tasern sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, so Lenders. „Ich befürchte aber, dass in vielen Situationen auch so ein Team bereits zu spät kommt.“ Es mache Sinn, „auf jedem Fahrzeug einen Taser zu haben“.

Hohe präventive Wirkung

Polizeipräsident Meyer räumt ein, dass der Taser nicht immer ein adäquater Ersatz für die Schusswaffe ist. Er sei aber bei bestimmten Fällen im Vergleich zum Schlagstock, der schwere Verletzungen anrichten kann, manchmal das deutlich mildere Mittel. Auch die präventive Wirkung sei hoch. „In der Hälfte der Fälle, bei denen in Rheinland Pfalz der Taser eingesetzt wurde, reichte schon die Androhung im Zusammenhang mit dem Knattern, das das Gerät verursacht, damit das polizeiliche Gegenüber aufgab“, so Meyer.

Völlig gefahrlos ist der Taser nicht. In einer Studie stellte der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags fest, dass Zielpersonen leichte Verbrennungen oder – bei einem Treffer ins Auge – eine Erblindung erleiden können. Zudem sei ungeklärt, wie Menschen mit Herz­erkrankung auf die Stromschläge reagieren.

Probleme im Winter

Auch für Polizeipraktiker ist der Taser nicht immer das geeignete Gerät. „Der Abstand zur Haut sollte nicht mehr als einen Zentimeter betragen“, so ein Beamter. Lederjacken könnten die Wirkung deutlich verringern. „Das ist ein Problem im Winter, wenn die Leute dicker angezogen sind“, so ein Polizist.

Am Ende bleibt die rechtliche Frage. Ein Taser wird laut Wissenschaftlichem Dienst des Bundestags als Waffe gesehen – wie eine Pistole. Daher müssten auch in Hamburg rechtliche Voraussetzungen geschaffen werden. In jedem Fall will Meyer die Politik ins Boot holen. „Wir haben bereits bei der Bodycam auf die guten Erfahrungen anderer Bundesländer zurückgegriffen. Auch für deren Einsatz wurden die notwendigen Voraussetzungen geschaffen. Jetzt haben wir die gleiche Situation.“