Segel-Clubs

Hamburger Segler: Hart am Wind auf dem Bodensee

Tobias Schadewaldt

Tobias Schadewaldt

Foto: Witters

Am Freitag startet die Segel-Bundesliga mit dem NRV als Titelverteidiger. Zweiter Hamburger Teilnehmer ist der Blankeneser Segel-Club.

Hamburg.  Der Chef ist zum Auftakt nicht dabei. „Das schaffen die Jungs auch ohne mich“, sagt Klaus Lahme (49), ehemaliger Segel-Bundestrainer und aktueller Clubmanager des Norddeutschen Regatta Vereins (NRV). Seine Jungs, Steuermann Florian Haufe (24) und drei aus dem 20 Mann starken Bundesligateam aus Hamburg, starten an diesem Freitag in Friedrichshafen am Bodensee von 11 Uhr an in die neue Saison. Insgesamt sind 36 Clubs aus ganz Deutschland dabei, 144 Seglerinnen und Segler. Der NRV ist der Titelverteidiger auf den J/70er-Booten, zweiter Hamburger Teilnehmer ist der Blankeneser Segel-Club, ganz frisch aus der Zweiten Liga aufgestiegen.

Wie in den vergangenen Jahren war die Organisation des 50.000-Euro-Etats eines der herausfordernden Ziele beim NRV. „Aber wir haben einen Supporters-Club mit 20 Mitgliedern“, sagt Lahme. „Sie finanzieren mit viel Motivation jedes Jahr unseren Ligabetrieb.“ Als Gegenleistung lieferten die Hobbysegler sportlich schon drei Meistertitel in der erst 2013 gegründeten Bundesliga, aber auch soziales Miteinander in Form von Grillabenden und gemeinsamen Segel-Events gehören dazu.

Boote gestiftet

Über allem thront Eberhard Wienholt (90), der wohl bekannteste Mäzen des Segelsports in Deutschland. Der ehemalige Hamburger Unternehmer, der sein Vermögen einst mit der Köster Handelsgesellschaft machte, stiftete unter anderem dem NRV 2015 zwei neue J/70-Boote für den Trainingsbetrieb. Im vergangenen Jahr übernahm er als Ehrenmitglied der Hanseatischen Yachtschule mit zwei von 2,8 Millionen Euro den Löwenanteil für den Neubau einer Bootshalle in Quellental. „Zu sehen, wie er im hohen Alter immer noch Feuer und Flamme ist für diesen, seinen Sport, macht einfach Spaß“, sagt Profisegler Klaus Lahme.

Der gebürtige Westfale lernte den Wassersport auf einer der vielen Talsperren im Sauerland. Er studierte Sport und Politik – und machte sein Hobby zum Beruf. Als Opti- und Lasersegler war sein größter Erfolg der zweite Platz bei der Europameisterschaft 1995 und der Sieg bei der Kieler Woche 1993. Als Trainer war er für den deutschen Verband bei den Olympischen Sommerspielen in Sydney 2000 und Athen 2004 dabei. 2001 lockte ihn ein Angebot des NRV nach Hamburg, und seither gestaltet er in unterschiedlichen Funktionen die Geschicke des Seglervereins mit.

Dass die Crews des NRV extrem erfolgreich in der Bundesliga mitsegeln hat seinen Grund in der leistungsorientierten Förderungsstruktur des Clubs. „Wir arbeiten schon in der Jugend professionell“, sagt Klaus Lahme. 250 Kinder und Jugendliche werden derzeit gefördert. Entsprechend hoch ist der Anteil des Personals, das die Hamburger für Großereignisse stellen. „50 Prozent der deutschen Olympiasegler kommen von uns.“

Training am Gardasee

Zur Vorbereitung auf den Bundesligaauftakt am Bodensee war die Mannschaft vier Tage am Gardasee um sich dort bei einem Profitrainer den letzten Schliff zu holen. Neben Haufe gehört mit Tobias Schadewaldt (33) ein erfolgreicher ehemaliger Berufssegler zum Team. Inzwischen arbeitet er hauptberuflich als Coach und Mentaltrainer, als Steuermann führte er 2017 die Crew des NRV zum Meistertitel.

Das Finale (18. bis 20. Oktober) der Bundesligaserie mit sechs Spieltagen wird diesmal in Hamburg ausgetragen. Der Norddeutsche Regatta Verein feiert in diesem Jahr 150-jähriges Bestehen und möchte, natürlich, auf der Alster wieder Deutscher Meister werden. „Komme was wolle, die Jungs sind heiß“, sagt Klaus Lahme. „Sie wollen auch in diesem Jahr wieder ganz vorne mitspielen.“