Jungfernstieg-Doppelmord

Mourtala M. hatte Ex-Freundin vor der Tat bedroht

News-Blog zur Messerattacke: Sie erstattete im Januar Strafanzeige. Lampedusa-Gruppe schockiert. Weiterer Mann am Tatort.

Hamburg.  Der grausame Mord an einem einjährigen Mädchen und seiner Mutter am S-Bahngleis im Bahnhof Jungfernstieg sorgt auch über Hamburgs Grenzen hinaus für Entsetzen und Fassungslosigkeit. Am Donnerstagvormittag hatte Mourtala M. seine Tochter und seine Ex-Freundin mit einem Messer getötet – vor den Augen vieler Passanten.

Abendblatt.de berichtet über die neuesten Erkenntnisse zu dem Doppelmord:

Haftbefehl gegen Mourtala M. erlassen

Das Hamburger Amtsgericht hat am Freitag Haftbefehl gegen Mourtala M. erlassen. Dem 33-Jährigen aus dem Niger werde Mord in zwei Fällen vorgeworfen, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nana Frombach, am Freitag.

Staatsanwaltschaft bestätigt weiteren Mann am Tatort

Bei dem tödlichen Messerangriff war noch ein weiterer Mann zugegen, der anschließend wohl vom Tatort geflüchtet ist. Er werde in den Ermittlungen aber als Zeuge und nicht als Beschuldigter behandelt, sagte Frombach. „Seine Rolle muss jetzt geklärt werden.“ Der Mann sei beim Eintreffen der Polizei nicht mehr am Tatort gewesen, sondern habe erst ermittelt werden müssen. Nähere Angaben zur Person machte sie nicht.

Lampedusa-Gruppe schockiert über Messerangriff

Die Mitglieder der Flüchtlingsgruppe „Lampedusa in Hamburg“ haben nach der tödlichen Messerattacke ihre Bestürzung geäußert. „Wir befinden uns alle in einem Schockzustand“, sagte deren Sprecher Ali Ahmad am Freitag. Wie bereits Pastor Sieghard Wilm dem Abendblatt gesagt hatte, bestätigte er, dass der mutmaßliche Täter – ein aus dem westafrikanischen Niger stammender 33-Jähriger – eine Zeit lang zu der Gruppe gehörte. „Wir haben jedoch schon lange keine Verbindung mehr zu ihm“, sagte Ahmad. „Seit über zwei Jahren ist er zu keinen Aktivitäten mehr gekommen und war nicht mehr Teil unserer Gruppe. Wir hatten keinerlei Informationen über sein Privatleben.“ Mourtala M. sei bei den Anfängen der Protestaktion im Jahr 2013 dabei gewesen, habe sich jedoch nach dem Erhalt einer Duldung von der Gruppe abgewendet.

Mourtala M. hatte seine Ex-Freundin offenbar bereits im Januar bedroht

Die getötete Sandra P. stand nach Abendblatt-Informationen bereits seit längerem in regelmäßigem Kontakt mit dem Jugendamt im Bezirk Mitte. Sie war seit dem Jahr 2014 in Hamburg gemeldet und hatte auch für ihre einjährige Tochter das alleinige Sorgerecht inne.

Beide Eltern standen jedoch weiterhin in Kontakt miteinander. Wie aus Ermittlerkreisen verlautete, gab es häufiger Streitigkeiten zwischen Mourtala M. und Sandra P. Im Januar dieses Jahres erstatte sie Strafanzeige wegen Bedrohung gegen den Kindesvater, er erhielt daraufhin eine sogenannte Gefährderansprache durch die Polizei.

Das Sandra P. von ihrem Ex-Freund bedroht wurde, gehe aus den Akten des Amtsgerichts St. Georg hervor, sagte Gerichtssprecher Kai Wantzen am Freitag. Der Vater aus dem Niger habe im Januar einen Antrag auf das gemeinsame Sorgerecht für das einjährige Mädchen bei Gericht gestellt. Die Mutter habe dem nicht zustimmen wollen. Sie habe von massiven Drohungen berichtet und den Vater als „übergriffig“ beschrieben, sagte Wantzen. Es habe ungewollte Kontakte zwischen den Eltern gegeben, bei denen der 33-Jährige die Mutter verfolgt habe. Zu körperlicher Gewalt gegen Sandra P. oder die gemeinsame Tochter war es offenbar jedoch zuvor nicht gekommen. Auch war Mourtala M. seit seiner Ankunft in Deutschland bislang nur wegen Sachbeschädigung polizeilich aufgefallen.

CDU wirft AfD vor, „Kapital aus dem Grauen“ schlagen zu wollen

Die CDU-Bürgerschaftsfraktion forderte am Freitag eine „gewissenhafte Aufarbeitung statt Aktionismus“. Schaum vor dem Mund und blinder Aktionismus hilft jetzt niemandem, sagte der CDU-Innenexperte Dennis Gladiator. Viele Fragen seien noch offen: War jemand, der zu so grausamen Taten fähig ist, vorher nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten? War der Täter der Polizei bekannt? Welche Behörden hatten Kontakt mit dem Täter? Hatte das Jugendamt Kontakt mit der Familie? „Aus diesem Grund haben wir für die nächste Sitzung des Innenausschusses eine Selbstbefassung mit den Messerangriffen beantragt“, so der CDU-Politiker. Die Mitglieder des Innenausschusses kommen am 15. Mai das nächste Mal zusammen.

In der Mitteilung der CDU-Fraktion greift Gladiator zudem die AfD an. Diese hatte bereits wenige Stunden nach der Tat einen Zusammenhang damit hergestellt, dass die Regierungsfraktionen am Mittwoch einen Antrag der AfD zur Auswertung von Messerangriffen nach der Ethnie des Täters abgelehnt hätten. Hamburg sei „unsicherer denn je“, hieß es in der AfD-Mitteilung.

„Solche grausamen und erschütternden Taten müssen zügig und gründlich aufgearbeitet werden“, sagte Gladiator, „sie eignen sich aber nicht zu einer politischen Instrumentalisierung.“ Die AfD habe nun offensichtlich „Kapital aus dem Grauen“ schlagen wollen. Der Innenexperte der CDU betonte, dass zumindest bei der AfD kein Aufklärungswillen zu erkennen sei.

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