Prozess

Gieriger Klempner kassiert 1000 Euro für 45 Minuten Arbeit

Handwerker drohten der jungen Mutter aus Hamburg, die Polizei zu rufen, wenn sie nicht zahle. Gericht verurteilt einen der Täter.

Hamburg.  Aus der Dusche und der Toilette blubberte es, Abwasser und Fäkalien standen ihr plötzlich „bis zu den Knien“. Es stank entsetzlich, ein Klempner musste her. Im Internet stieß Denise P. (27) auf das Inserat eines Notdienstes, der mit dem Slogan „Rohrreinigung ab 49 Euro“ warb. Nur bezogen sich die 49 Euro wohl eher auf Minutenpreise. Denn für eine dreiviertel Stunde Arbeit kassierten zwei Handwerker von der jungen Mutter exakt 991, 32 Euro.

Einen der beiden gierigen Klempner konnte die Staatsanwaltschaft ermitteln: Ayran M. Sie wirft dem 33-Jährigen Wucher – neudeutsch: Abzocke – vor. Man kennt so etwas in Hamburg: Vor drei Jahren flog ein Schlüsseldienst auf, der fürs Ruckzuck-Türöffnen 600 Euro verlangte. Unter Wucher versteht der Gesetzgeber die „Ausnutzung einer Zwangslage bei einer auffälligen Diskrepanz zwischen der erbrachten Leistung und dem erlangten Vermögensvorteil“.

„Sie drohten mir, dass sie die Polizei holen, wenn ich nicht bleche“

Präziser ließe sich kaum auf den Punkt bringen, was Denise P. widerfuhr, nachdem an einem Sonnabend im September 2016 plötzlich die Kloake in ihrem Badezimmer stand – schuld war ein Rohrbruch. Weil der Hausmeister gegen 22 Uhr nicht mehr erreichbar war, verständigte die junge Mutter den Notdienst.

Zwei Klempner kamen. „Sie nannten mir einen Haufen Kleinpreise. Ich dachte: Mehr als 300 Euro kann das nicht kosten.“ Erst zerlegten sie die Toilette und reinigten das Rohr, 45 Minuten später hielten sie ihr die Rechnung unter die Nase mit Kostenposten wie „8 x Arbeitspauschale“, „13 x Spiralen je m (Meter)“ und „Maschineneinsatz“. Zahlbar sofort. „Sie drohten mir, dass sie die Polizei holen, wenn ich nicht bleche. Ich war total eingeschüchtert“, sagt Denise P.

Gepfuscht hatten die Täter auch noch

500 Euro zahlte sie per EC-Karte, die restlichen 500 Euro steuerte ihr Bruder bei. Schließlich rückten die Handwerker ab, „in so einem teuren, schwarzen Mercedes“, sagt Denise P. Gepfuscht hatten die Täter auch noch: Wenige Stunden nach der Beutelschneiderei blubberte es erneut. „Aus der Toilette kam wieder die Gülle hoch“, sagt Denise P. Und ihr persönlich die Galle. Nachdem diesmal die Hausverwaltung seriöse Handwerker vorbeigeschickt und ihr die 1000 Euro ersetzt hatte, erstattete sie Anzeige.

Gegen Ayran M. ist in der Sache bereits ein Strafbefehl über 1800 Euro erlassen worden. Damit wollte er sich aber nicht abfinden und legte Einspruch ein – der jetzt vom Amtsgericht Barmbek verworfen wurde. Grund: Zur Verhandlung am Donnerstag erschien der Angeklagte nicht. Dem Richter hatte Ayran M. mitgeteilt, er sei in Bayern. Zum Arbeiten.