Hamburg

Fotohauptstadt: Ausstellungen an mehr als 80 Orten

Ikonisches Bild: Anton Corbijns Sicht auf den Musiker, Schriftsteller und Schauspieler Henry Rollins,

Ikonisches Bild: Anton Corbijns Sicht auf den Musiker, Schriftsteller und Schauspieler Henry Rollins,

Foto: Anton Corbijn

Die 7. Triennale der Photographie bietet ein international beachtetes Programm. Gezeigt werden Werken von 300 Fotokünstlern.

Hamburg.  Mit der siebten Triennale der Photographie setzt Hamburg vom 8. Juni an ein Ausrufezeichen und sorgt auch international für Beachtung: An mehr als 80 Orten in der ganzen Stadt werden Arbeiten von mehr als 300 Fotografen präsentiert. Die großen Museen beteiligen sich mit bedeutenden Ausstellungen, weitere Kunsthäuser, Vereine, Galerien, begehbare Container und zwei Kunst-Boote werden die Fotografie als künstlerisches und dokumentarisches Medium in die Diskussion bringen. Das Thema des Großereignisses lautet: „Breaking Point, Searching for Change“ (Umbruch, Suche nach Veränderung).

Bekannte Befehle auf Computer­tastaturen wie „Shift“ oder „Delete“ bilden die Titel der einzelnen Triennale-Ausstellungen. Der künstlerische Leiter des Festivals, Krzysztof Candrowicz, erklärte auf der Programm-Pressekonferenz am Dienstagabend, der Triennale-Titel sei als Metapher zu verstehen: „Wir wollen den westlichen Gesellschaften den Spiegel vorhalten, provozieren. Die Leute sollen sich inspiriert fühlen – politisch, sozial, ästhetisch.“ Die heutige Welt sei hochkomplex, während Computertastenbefehle auf so simple wie effiziente Steueroptionen hindeuten – ein bewusst gewähltes Spannungsfeld.

Containerschau in der Eröffnungswoche

Ebenso spannend wie heterogen verspricht das Festivalzentrum auf der Deichtorhallen-Wiese zu werden: Wie schon vor drei Jahren werden dort wieder offene Container errichtet, die kostenfrei besucht werden können. In 16 Containern werden insgesamt 15 fotografische Positionen vorgestellt, von Fotografen aus den USA, Frankreich, Ungarn oder Indien. Diese Container-Schau läuft nur in der Eröffnungswoche. Zudem wird auf dem Deichtorhallen-Vorplatz eine Installation der drei Fotografen Ramona Guntert, Sarunas Kvietkus und Joshua Phillips präsentiert.

Unkonventionell und themengerecht zeigt das Altonaer Museum seine Ausstellung „Home“ überwiegend in Pavillons im öffentlichen Raum, vor den Deichtorhallen, auf den Marco-Polo-Terrassen und an der Großen Bergstraße in Altona. Ein großer Teil der Schau zum Themenkomplex Wohnen, Zuhause, Architektur und Wohnungslosigkeit ist also jedem zugänglich und kann so auf breiter Basis die Diskussion anregen.

Im Bucerius Kunst Forum präsentiert Direktor Franz Wilhelm Kaiser Fotos seines guten Freundes Anton Corbijn: „The Living and The Dead“. Zu sehen ist Corbijn selbst in der Rolle jung verstorbener Rockstars, außerdem werden rund 80 seiner legendären Musikerporträts sowie seine frühe Serie von Grabmonumenten gezeigt.

Zeitgenössische Arbeiten mit Infrarotkamera

Die Hamburger Kunsthalle will ihre Triennale-Ausstellung „Control/No Control“ überwiegend mit Arbeiten aus der eigenen Sammlung bestücken. Es sind auch Werke wie die von Richard Mosse zu sehen, die mittels Infrarotkamera aufgenommen wurden. Solche Kameras werden sonst vom Militär genutzt. 80 zeitgenössische Fotoarbeiten machen hier die Wechselwirkung von Macht und Kontrolle sichtbar. Auch künstlerische Strategien des Widerstands und die positiven Seiten des Kontrollverlusts spielen eine Rolle.

Im Haus der Photographie in den Deichtorhallen werden unter dem Namen „Space: Street. Life. Photography“ Stadt- und Straßenräume entlang von sieben Schlüsselbegriffen erkundet. 52 zeitgenössische und historische Positionen verbinden sich zu einem aufregenden Trip um die halbe Welt.

MKG zeigt unveröffentlichte Bilddokumente

Ein hochaktuelles Thema greift das Museum für Kunst und Gewerbe auf: Dort befasst sich die Ausstellung „Delete“ mit Auswahl und Zensur im Bildjournalismus. Veröffentlichte und unveröffentlichte Bilddokumente werden gezeigt und werfen Fragen zur Rolle des Fotografen, zu Werten, Grenzen und Manipulation auf. Eine breit angelegte Ausstellung verspricht „Return. Fotografie in der Weimarer Republik“ im Altonaer Museum zu werden. Sie beschäftigt sich mit der damaligen politischen Entwicklung und zieht hierfür auch Aufnahmen vom „Altonaer Blutsonntag“ am 17. Juli 1932 hinzu, die als Vorwand für die Absetzung der preußischen Regierung genutzt wurden. Themen sind zudem die Erneuerung des Tanzes, der Mode und die sich damals entwickelnde neue Art, zu fotografieren.

Basis für die Ausstellung „Escape“ im Museum für Völkerkunde waren zwei Workshops mit internationalen Künstlern, die sich mit Umweltveränderungen und ökologischen Notlagen befasst haben.

Welch vielfältiges Programm!