Nannen-Preis

Eine ganz ausgezeichnete Story über Martin Schulz

Am Mittwoch wurden Deutschlands renommierteste Journalistenpreise verliehen – erstmals in der Elbphilharmonie.

Hamburg. Vor der Verleihung des Nannen-Preises gab es einen Aufreger, einen kleinen zumindest: Unter den 54 Nominierten waren nur vier Frauen. In Zeiten von #Metoo ist das schon ein erstaunliches Geschlechterverhältnis. „Die meisten Frauen auf der Nannen-Preisverleihung werden wohl Schürze tragen und Gläser auffüllen“, spottete die „Taz“.

Das war dann doch etwas übertrieben. Im Kleinen Saal der Elbphilharmonie, in dem der wohl renommierteste deutsche Journalistenpreis vergeben wurde, war eine stattliche Anzahl von Damen zugegen, die nicht zum Servicepersonal gehörten – allen voran die famose „Tagesthemen“-Moderatorin Caren Miosga, die durch die Verleihung führte. Sie geriet nur ganz am Anfang ein wenig aus der Fassung, als – ohne vorherige Absprache – „Stern“-Publisher Alexander von Schwerin den Gästen verriet, dass sie an diesem Abend Geburtstag hatte. Damit nicht genug: Er animierte die Gäste dazu, der Jubilarin ein Ständchen zu singen: „Happy Birthday to you ...“

Pressefreiheit heute so bedroht wie lange nicht

Dann wurde es ernst. Gruner+ Jahr-Chefin Julia Jäkel erinnerte daran, dass die Pressefreiheit heute weltweit so bedroht ist wie schon lange nicht mehr. Sie formulierte Sätze, von denen sie selbst sagte, sie habe gedacht, es handele sich bei ihnen um „selbstverständliche Formeln“. Sätze wie den, dass es ohne Presse- und Meinungsfreiheit keine freie Gesellschaft gibt. Aber selbstverständlich ist heute gar nichts mehr.

Dafür ist die Elbphilharmonie ein besonderer Ort mit einer ganz eigenen Aura, der sich an diesem Abend keiner der 500 geladenen Gäste verschließen konnte. Und natürlich hatte Gastgeber Gruner+Jahr eine Reihe namhafter Künstler auf die Bühne gebeten. Olli Dittrich trat als „Dittsche“ auf. Joja Wendt saß am Klavier. Und renommierte Schauspieler wie Iris Berben, Sebastian Koch und Ulrich­ Matthes präsentierten die Nominierten­ und lasen aus ihren Stücken.

Allein: Politiker machten sich etwas rar bei der Verleihung. Der hochrangigste war wohl Hamburgs neuer Bürgermeister Peter Tschentscher­ (SPD), der auf der Bühne Caren Miosga Rede und Antwort stand.

Immerhin eine von vier nominierten Frauen gewinnt

Zurück zu den Damen des Abends. Zu ihnen gehörte die „Zeit“-Redakteurin Caterina Lobenstein, der es als einziger der vier nominierten Frauen gelang, einen Preis mit nach Hause zu nehmen.

Sie gewann ihre Auszeichnung in der Kategorie „Dokumentation“ für ihren Text „Warum verdient Frau Noe nicht mehr?“ in dem es um eine Krankenpflegerin geht. Mit Souad Mekhennet, die als erste Journalistin Anführer des „Islamischen Staates“ interviewte, wurde zwar noch eine Frau ausgezeichnet. Sie erhielt aber den Sonderpreis der „Stern“-Chefredaktion, für den man nicht nominiert werden kann.

Markus Feldenkirchen gewinnt mit seiner Schulz-Story

In der Königsdisziplin gewann ein Mann. Der Nannen-Preis für die beste Reportage – der Egon-Erwin-Kisch-Preis – ging an Markus Feldenkirchen vom „Spiegel“ für eine Story über den gescheiterten Kanzlerkandidaten Martin Schulz (SPD). Feldenkirchen sagte, Pressestellen wollten Journalismus verhindern. Umso mehr sei Schulz zu loben, der ihn, den Journalisten, gegen den Rat seiner PR-Leute ganz nahe habe an sich herankommen lassen.

Was die niedrige Zahl der weiblichen Nominierten angeht, liegt das übrigens auch daran, dass nur ein Drittel der eingereichten Texte von Frauen verfasst wurden. Caren Miosga forderte deshalb im Namen der Jury die Redaktionen auf, sich mit mehr Stücken von Autorinnen zu bewerben.

Alle Preisträger auf einen Blick:

Reportage (Egon-Erwin-Kisch-Preis) Markus Feldenkirchen: „Mannomannomann“  („Der Spiegel“)

Investigative Leistung Mohamed Amjahid, Daniel Müller, Yassin Musharbash, Holger Stark, Fritz Zimmermann und Sebastian Mondial (Mitarbeit): „Ein Anschlag ist zu erwarten“ („Die Zeit“)

Dokumentation Caterina Lobenstein:  „Warum verdient Frau Noe nicht mehr?“ („Die Zeit“)

Web-Projekt Marc Brupbacher, Kaspar Manz, Christian Mülhauser, Dominik Osswald, Urs Wyss: „In eisigen Tiefen – Expedition in einen  Gletscher“  („Tagesanzeiger.ch“)

Fotoreportage Pablo Ernesto Piovano:  „In einem vergifteten Land“ („Stern“)

Inszenierte Fotografie Adam Ferguson: „Dem Jenseits entkommen“ („Stern“)

Sonderpreis der „Stern“-Chefredaktion Souad Mekhennet, Korrespondentin der „Washington Post“, für ihre Berichterstattung zum Terror.