Verkehr

Warum sich Schüler und Eltern gegen Tempo 30-Zone wehren

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Genevieve Wood
Die Tempo 30 Strecke am Müssenredder bleibt. Die Schüler hatten sich erfolgreich gegen eine Tempo 30 Zone gewehrt

Die Tempo 30 Strecke am Müssenredder bleibt. Die Schüler hatten sich erfolgreich gegen eine Tempo 30 Zone gewehrt

Foto: privat/Carl-von-Ossietzky-Gymnasium

Für ihr politisches Engagement wurden die Schüler vom Carl-von-Ossietzky-Gymnasium sogar ausgezeichnet.

Hamburg.  Hamburg soll mehr Tempo 30 Strecken vor Kitas und Schulen bekommen. Und alle Schüler, Schulleiter und Eltern finden das gut? Nicht ganz. In Poppenbüttel haben sich ausgerechnet Schüler gegen eine Tempo 30-Zone vor dem Carl-von-Ossietzky und vor der Grundschule Müssenredder eingesetzt. Seltsam?

In den kommenden Monaten soll wie berichtet auf vielen Hamburger Straßen neue Tempo-30-Abschnitte ausgewiesen werden. Vor rund 160 Schulen, Kitas, Senioren- und Pflegeheimen sowie Kliniken sollen diese für einen besseren Schutz von Kindern, Älteren, Kranken und Angehörigen sorgen.

Unterschied Tempo 30 Strecke und Zone

Auch der Müssenredder in Poppenbüttel sollte sicherer werden, so die Idee der Verkehrsplaner im Bezirksamt Wandsbek. Sie wollten dort eine Tempo-30-Zone einrichten. Das passte dem Elternrat nicht, und die Schüler des Wahlpflichtkurs „Demokratisch Handeln“ der 8.-10. Klassen haben sich eingemischt und sich gegen die Tempo 30 Zone vor ihrer Schule eingesetzt. Sie suchten das Gespräch mit den Politikern, veranstalteten eine öffentliche Anhörung an ihrer Schule und fuhren das ganz große Programm bürgerlicher Beteiligung.

Gegen Tempo 30? Das mag komisch klingen, ergibt aber durchaus Sinn. Denn es gibt einen Unterschied zwischen einer Tempo 30-Strecke und einer Tempo 30-Zone: In einer Zone – anders als auf einer Strecke – würden nämlich auch Verkehrsampeln, Zebrastreifen oder Radwege entfallen. Der Grund: „Die Autofahrer sollen in einer Tempo 30-Zone jederzeit mit Fußgängern rechnen und stets langsam und vorausschauend fahren“, bestätigt Frank Reschreiter von der Innenbehörde. Fußgängerampeln und Zebrastreifen dagegen könnten dazu verleiten, sich darauf zu verlassen, dass Fußgänger die Straße tatsächlich nur dort queren.

Das war den Schülern des Carl-von-Ossietzky-Gymnasium zu gefährlich.

Tempo 30-Strecke bleibt

Denn momentan ist vor ihrer und der benachbarten Grundschule bereits eine Tempo 30-Strecke inklusive Fußgängerampel eingerichtet. Und so soll es bleiben.

Die Schüler haben es geschafft, dass die Ampeln und Zebrastreifen bleiben, dass Fußgänger, Fahrradfahrer, Busse und Autoverkehr weiterhin klar voneinander getrennt sind. „Das Polizeikommissariat 35 empfiehlt, der Eingabe zunächst zu folgen und auf eine Anordnung einer Zone 30 zunächst zu verzichten“, heißt es in einer bezirklichen Drucksache.

Die politisch engagierten Schüler haben darüber hinaus erreicht, dass das Carl-von-Ossietzky-Gymnasium möglicherweise Pilotschule wird für ein Projekt mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub und die Schüler bei der Erstellung der Radschulwege mit dabei sind.

Für die ganze Aktion erhielten die Schüler den schulinternen Querdenkerpreis. Unterstützt wurden sie dabei von der BürgerStiftung mit dem Programm "You:sful – Lernen durch Engagement." Heike Schmidt von der BürgerStiftung ist stolz auf die Schüler: „Es braucht solche Menschen in einer Demokratie. Menschen die ihren eigenen Kopf haben, wenn es darum geht, wenig überzeugendes Verwaltungshandeln zu stoppen und die sorgsam Argumente wägen und bei allem Mut zum Nerven trotzdem den Ton treffen im demokratischen Interessenstreit.“

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