Hamburg

Schlechte Nachrichten von der „Peking“

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Axel Tiedemann
Die „Peking“ im Hafen von Brunsbüttel, wo sie für die Überführung nach Wewelsfleth vorbereitet wird

Die „Peking“ im Hafen von Brunsbüttel, wo sie für die Überführung nach Wewelsfleth vorbereitet wird

Foto: picture alliance/Christian Charisius

Die Sanierung des Viermasters wird wegen gefundener Schadstoffe teurer. Das Geld zur Beseitigung fehlt beim Bau des Hafenmuseums.

Wewelsfleth.  Die Sanierung des legendären Viermasters „Peking“ wird teurer als ursprünglich angenommen. So wurden bei den Arbeiten auf der Peters Werft in Wewelsfleth in den vergangenen Wochen gefährliche Schadstoffe wie Asbestfasern und Bleimennige entdeckt. Eine entsprechende Information des Hamburger Abendblatts bestätigte jetzt die Stiftung Hamburg Maritim, die mit der Leitung des Millionenprojekts beauftragt ist. „Es gab mehrere Labor-Untersuchungen, die das mittlerweile leider bestätigt haben“, so ein Sprecher.

Die Folge: Wegen der Gefährlichkeit der Stoffe müssten die weiteren Arbeiten unten strengen Schutzmaßnahmen erfolgen – was deutliche Mehrkosten bedeuten könne. In den vergangenen Wochen habe es sogar einen weitgehenden Stopp der Arbeiten auf der Werft gegeben, weil Unternehmen und Stiftung über das weitere Vorgehen beraten mussten. Nun sei die Sanierung aber wieder aufgenommen worden, und auch der Zeitplan könne eingehalten werden, hieß es weiter.

„Peking“ soll Wahrzeichen des Hafenmuseums werden

Wie berichtet, soll die 1911 bei Blohm+Voss gebaute „Peking“ in einigen Jahren Flaggschiff und Wahrzeichen eines neuen nationalen Hafenmuseums in Hamburg werden, das um 2025 fertig gebaut sein könnte. 2020, so der Plan, soll die „Peking“ restauriert sein und vorab nahe des heutigen kleinen Hamburger Hafenmuseums festmachen. Später wird sie in den Besitz der Stiftung Historische Museen Hamburg übergehen. Für das Gesamtprojekt hatte der Bund 120 Millionen Euro zugesagt, wobei man bisher von Kosten von 26 Millionen Euro für die „Peking“ und 94 Millionen Euro für das Museum ausgegangen war. Nun dürfte die „Peking“-Sanierung mehr kosten, wie viel, ist aber noch offen. Klar sei jedoch, dass das Geld dann beim Hafenmuseum fehlen würde, sagt Enno Isermann, Sprecher der Kulturbehörde.

Die jetzt gefundenen Schadstoffe wurden der Stiftung zufolge nach Sandstrahlarbeiten am Rumpf entdeckt. Zum einen handele es sich dabei um die früher oft eingesetzte Rostschutzfarbe Bleimennige, die bereits 1911 im Inneren des Rumpfes aufgetragen worden war. Diese Farbe gilt aber seit einigen Jahren als sehr giftig und krebserregend. Ein Abtragen ist daher nur unter großem Schutz für Arbeiter und Umwelt möglich. Als gefährlich gilt aber auch eine Rumpffarbe, die erst viel später zur Anwendung kam, als das Schiff bereits als Museumsschiff am Pier in New York lag. Bei dieser Farbe sei als sogenannter Füllstoff zur Verdickung Talkum zur Anwendung gekommen. Erst viel später sei festgestellt worden, dass dieses auch in vielen anderen Produkten verwendete Talkum Asbestfasern enthalten kann.

Standort des geplanten großen Hafenmuseums noch unklar

Die jetzigen Funde überschatten nun die eher positiven Nachrichten, die es noch zu Beginn der Sanierungsarbeiten gegeben hatte. Dabei war festgestellt worden, dass der vor mehr als 100 Jahren bei Blohm+Voss genietete Stahlrumpf mit Stärken von elf bis 14 Millimetern anders als befürchtet noch ausreichend stabil ist. Ursprünglich hatte es daher sogar Überlegungen gegeben, dass der gesamt Unterwasserbereich abgetrennt und ersetzt werden müsste. Ob es weitere böse Überraschungen gibt? Noch ist der gesamte Rumpf laut Stiftung nicht gesandstrahlt. Erst Mitte des Jahres werde man endgültige Klarheit über den genauen Zustand des Schiffs haben, heißt es vonseiten der Stiftung.

Auch der Standort des geplanten großen Hafenmuseums steht immer noch nicht fest. Als idealer Ort galten lange die historischen 50er-Schuppen auf dem Kleinen Grasbrook, wo sich derzeit bereits das kleine Hafenmuseum befindet und wo aktuell auch Masten und Takelage der „Peking“ restauriert werden. Doch weil in der Nähe von Hamburger Hafenbetrieben auch Gefahrgut gelagert wird, ist noch nicht ganz klar, ob es dort für ein großes Museum überhaupt eine Baugenehmigung geben könne.

Alternativ ist daher ein Standort in der Nähe des heutigen Überseezen­trums an den Freihafenbrücken im Gespräch. Die endgültige Entscheidung, so die Behörde, soll nun vor der Sommerpause fallen.

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