Neuer Roman

Autorin Katrin Bauerfeind über die Facetten der Liebe

Sie sei "ein positiver Mensch", sagt Katrin Bauerfeind (35), die findet, dass in Deutschland viel zu viel gemeckert wird

Sie sei "ein positiver Mensch", sagt Katrin Bauerfeind (35), die findet, dass in Deutschland viel zu viel gemeckert wird

Foto: Marcus Höhn

Die Autorin stellt am 12. April ihr neues Buch in der Markthalle vor. Im Mittelpunkt: Momente, „in denen das Herz hüpft“.

Hamburg.  Am Anfang ist ein Zettel, festgeklemmt am Scheibenwischer ihres Autos. „Sie parken faktisch vor einer Einfahrt“, steht drauf. „Beim nächsten Mal Spiegel ab. Arschloch.“ Eigentlich hatte Katrin Bauerfeind bei einer Freundin nur schnell etwas abholen wollen und vier Minuten („höchstens!“) halb auf dem Bürgersteig geparkt. Und dann das. „Ich merke, wie meine innere Mikrowelle loskocht“, schreibt sie in ihrem neuen Buch „Alles kann, Liebe muss“, für das diese Geschichte der Ausgangspunkt war. Und wenn die innere Mikrowelle einmal kocht, dann wird’s gefährlich ...

„Da draußen ist gerade viel Hass“, sagt Katrin Bauerfeind beim Interview im Park Hyatt. „Und dem müssen wir etwas entgegensetzen.“ Gemeint sind damit nicht nur die aggressiven Einfahrt-Verteidiger und Allesbesserwisser im realen Leben, auch die Hass-Schneisen im Internet will sie nicht länger hinnehmen. „Liebe macht Arbeit und gilt als kitschig, aber wir dürfen sie nicht einfach dem Schlager, dem Zynismus und der Werbung überlassen.“ Sondern selbst lieben, auf andere zugehen, die Welt zu einem besseren Ort machen.

Das mag naiv klingen, doch naiv ist Katrin Bauerfeind, einige Jahre Sidekick von Harald Schmidt, erfolgreiche Moderatorin und Buchautorin, gewiss nicht. Dafür aber an diesem nasskalten Hamburger Morgen ziemlich gut gelaunt und angenehm realistisch. Zwar sei sie grundsätzlich ein positiver Mensch, dennoch reiche eben manchmal schon solch ein handgeschriebener Zettel, um alle guten Vorsätze ratzfatz über den Haufen zu werfen.

Wenn alle auf Coolness setzen, ändert sich nichts

Ihr Buch, das sich mit den mannigfaltigen Formen der Liebe beschäftigt, habe jedenfalls dazu geführt, dass sie sich nun häufiger überlege, wie sie „deeskalierend ins Weltgeschehen eingreifen“ könne. „Im Grunde geht es uns allen doch immer um die Momente, in denen das Herz hüpft und die Seele tanzt“ sagt sie. Und dass dieser Satz vielleicht ein bisschen pathetisch klingt, ist jetzt auch einfach mal egal. Weil es doch stimmt und sich ja nie etwas ändert, wenn alle immer auf Distanz und Coolness setzen.

Eine der vielen schönen Passagen in diesem Buch ist eine Rede, die Katrin Bauerfeind als Bundeskanzlerin hält. Deutliche Worte gibt es da in Richtung der „besorgten Bürger“ und Dauerverdrossenen. „Alle, die meckern, schicke ich auf Bürgeraustausch. Das heißt, sie bekommen eine kostenlose Bahnfahrt zweiter Klasse ins benachbarte Ausland. Polen, Tschechien, Belgien. Ja, auch Frankreich, aber nicht Paris oder Côte d’Azur, sondern irgendwo in Lothringen. Und ihr bleibt nicht nur ein verlängertes Wochenende mit Sightseeing und Mutti-nimmt-von-zu-Hause-Kaffee-mit, nee, ihr bleibt vier Wochen. Wer danach noch denkt, bei uns ist es scheiße, bleibt noch mal vier Wochen.“

Bauerfeind geht es nicht um Konfrontation

Überhaupt, Volkes Stimme: Unzählige Male habe sie gehört, die Politik solle mehr auf „die Menschen draußen im Lande hören“. Tatsache sei aber doch: „Die Menschen draußen im Lande erzählen viel Stuss und haben wenig Ahnung.“ Ein erfrischendes Statement in Zeiten, in denen immer wieder ernsthaft gefordert wird, auch noch dem letzten Feierabend-Rassisten und „Merkel muss weg“-Demonstranten mit Verständnis zu begegnen. „Viele Menschen kriegen ihre Steuererklärung nicht hin, denken aber, Deutschland zu regieren wäre ganz einfach“, bringt Bauerfeind die Sache auf den Punkt.

Um Konfrontation geht es ihr indes nicht, sondern darum, mit Buch und dazugehörigem Live-Programm, das sie am 12. April in der Markthalle präsentiert, im Kleinen etwas zu bewegen: „Wenn nach so einem Abend nur einer seine Mutter anruft und ihr sagt ,Ich hab dich lieb, hab ich schon was erreicht.“

Und sie selbst? „Um zur Ruhe zu kommen, habe ich eine Meditations-App“, sagt sie und grinst. Eigentlich sei das eine gute Sache, würden doch alle immer nur den Körper trainieren und den Kopf vernachlässigen. Ihr falle es nur leider ziemlich schwer, lange still zu sitzen. Disziplin sei einfach nicht so ihr Ding. Dem Buddhismus mit seiner Philosophie des Loslassens könne sie dennoch viel abgewinnen. Und ganz praktischen Hilfsmitteln sowieso. Etwa der Idee, immer kleine Zettel mit dem Satz „Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag“ dabei zu haben. Die lassen sich prima an die Windschutzscheiben von Falschparkern heften. Und helfen vielleicht, manch wildes Wüten schon im Keim zu ersticken.

Zur Person

Katrin Bauerfeind wurde 1982 in Aalen geboren und studierte Technikjournalismus in Sankt Augustin. Von 2005 bis 2007 moderierte sie die Internet-Show „Ehrensenf“, die einen Grimme Online Award gewann. Von 2009 bis 2013 hatte sie auf 3Sat das Magazin „Bauerfeind“, zudem war sie von 2009 bis 2011 Teil der „Late Night Show“ von Harald Schmidt. Mit „Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag“ gab sie 2014 ihr Debüt als Buchautorin.

Katrin Bauerfeind Do 12.4., 20.00, Markt-halle, Klosterwall 9–21, Karten zu 25,- im Vvk.