Wilderei

Nicht angeleint: Hunderudel reißt Reh im Niendorfer Gehege

Ein Stadtjäger fand das tote Tier später in der Kollau. Den noch unbekannten Besitzerinnen droht eine Strafanzeige.

Hamburg. Ein Hunderudel hat im Niendorfer Gehege ein Reh gerissen, das später seinen Verletzungen erlegen ist. Offenbar hatten die beiden Besitzerinnen die Hunde nicht angeleint und die Kontrolle über sie verloren. Revierförster Sven Wurster bestätigte dem Abendblatt den Vorfall vom Februar. Zeugen hatten die Szene in der Nähe vom Rodelberg beobachtet und von acht beteiligten Hunden gesprochen.

Die beiden Frauen hatten offenbar zunächst versucht, die Tiere von dem Wild zu trennen. Das schwer verletzte Reh konnte flüchten, ein Stadtjäger fand es später aber verendet in der Kollau. Grundsätzlich ist der Bezirkliche Ordnungsdienst (BOD) für Vorfälle mit Hunden zuständig, in diesem Fall aber ermittelt die Polizei. Man habe die beiden Frauen bislang nicht ausfindig machen können, teilte ein Polizeisprecher auf Anfrage mit. Ihnen droht eine Strafanzeige, da sie die Hunde nicht wie vorgeschrieben angeleint hatten.

Förster appelliert an Hundebesitzer

"Derartige Vorfälle passieren ungefähr einmal im Jahr, einige bekommen wir aber auch gar nicht mit", schätzt Wurster und appelliert an Hundebesitzer, ihre Tiere konsequent anzuleinen. Selbst wenn ein Hund das Tier nicht reißt, sondern nur mit ihm spielen will, könne es für das Wild fatale Folgen haben.

"Das Reh verliert durch die Flucht Kraftreserven, die es für den Winter braucht. Manchmal finden wir das Tier dann Monate später verendet." In einem Fall sei ein Reh quer durch den Park gehetzt worden und dann an einem Hitzschlag gestorben. "Das kann kein Tierfreund wollen", sagt Wurster und richtet sich damit direkt an die Hundebesitzer.

Besitzerinnen droht hohes Bußgeld

Diese haben in seinen Augen auch eine Vorbildfunktion. "Selbst wenn man sicher ist, dass der eigene Hund keinem Tier hinterherjagt und ihn deshalb nicht an der Leine führt, lässt ein anderer Hundebesitzer seinen Vierbeiner dann womöglich auch von der Leine." Zumal gebe es mit einer beliebten Hundefreilauffläche im Niendorfer Gehege durchaus die Möglichkeit für Hundebesitzer, ihre Tiere von der Leine zu nehmen.

Außerhalb dieser gilt aber wie in allen Hamburger Wäldern auch die Leinenpflicht. Wer sich nicht an diese hält, begeht eine Ordnungswidrigkeit und kann ein Bußgeld auferlegt bekommen. Sollte der Hund ein Wildtier gehetzt, oder wie im aktuellen Fall, sogar gerissen haben, kann dem Hundehalter fahrlässige Jagdwilderei und ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorgeworfen werden. Dem Hundebesitzer droht dann ein hohes Bußgeld und in schweren Fällen auch eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.