„Das Lächeln der Frauen“

Komödie Winterhude: Spiel um Täuschung und Enttäuschung

Besuch: Aurélie (Dominique Siassia)
empfängt André (Ralf Bauer)

Besuch: Aurélie (Dominique Siassia) empfängt André (Ralf Bauer)

Foto: Philipp-Mönckert

Schauspieler Ralf Bauer feiert mit „Das Lächeln der Frauen“ ein Regie-Debüt mit Mühe und Hang zu Dialekten.

Hamburg.  Vor einigen Jahren stand der Roman „Das Lächeln der Frauen“ von Nicolas Barreau wochenlang auf der „Spiegel“-Bestsellerliste, er wurde als „Jahres-Bestseller 2012“ weltweit mehr als eine Million Mal verkauft. Der Name des Autors sei ein Pseudonym, hieß es später, dahinter stecke de facto jemand aus dem Verlag. Lässt sich mit dieser Vermutung nicht auch gut auf der Bühne spielen, dachten sich Gunnar Dreßler (Theaterfassung) und Ralf Bauer (Regie). Die Antwort nach der Hamburger Premiere von „Das Lächeln der Frauen“ in der Komödie Winterhuder Fährhaus: nur bedingt und an manchen Stellen mit spürbarer Mühe.

Das Phantom von Buchautor heißt hier Robert Miller – ausgerechnet ein Brite soll über die Liebe in Paris schreiben. In dessen Roman erkennt sich jedoch die Französin Aurélie wieder, als sie liest, dass sie und ihr Pariser Restaurant in Millers Buch erwähnt werden. Für sie ein echter Hoffnungsschimmer, nachdem sie ihr Freund just verlassen hat und sie das Lokal ihres toten Vaters führen muss. Sie will den Autor kennenlernen und einladen. Problem nur: Dahinter steckt André, der Verlagslektor.

Mäßig witzige Bühnenversion

Den spielt Regie-Novize und TV-Star Ralf Bauer („Gegen den Wind“) selbst, die Aurélie gibt Dominique ­Siassia („Sturm der Liebe“, „Nachtschicht“). Beider Hauptschwierigkeit: Dreßler hat seine mäßig witzige Bühnenversion von „Das Lächeln der Frauen“, das 2014 mit großem Aufgebot auch für das ZDF-„Herzkino“ verfilmt wurde, auf die zwei Protagonisten reduziert. Bei dieser Kunst des Weglassens bürdet er den beiden Schauspielern zu viel auf. Sie müssen sich auf gleich drei Ebenen zeigen: der Gefühlsebene, als Erzähler vor dem Publikum und im schauspielerischen Dialog.

Letzteres gelingt erst im zweiten Teil etwas besser. Die Monologe, wenn beide ihre Briefe und Mails schreiben respektive vorlesen, hemmen in der zweigeteilten Kulisse Florian Angerers mit Aurélies Schlafzimmer und Lokal auf der einen, Andrés Büro auf der anderen Seite den Fluss. Denn die Zuschauer wissen in diesem Spiel aus Verwirrung, Ortswechsel und (Ent-)Täuschung stets mehr als Aurélie. Dominique Siassia nimmt man vor allem die Verzweiflung über die verpassten Treffen mit dem Autor Miller ab. Ralf Bauer verstrickt sich als anfangs ihr gegenüber abweisender Filou André in immer neue ­Lügengeschichten. Er rettet sich in Dialekte, wenn er etwa seinen Literaturagenten oder dessen kurzerhand aus England eingeflogenen Bruder mimt.

Freundlicher Beifall

Dass sich Jung-Regisseur Bauer ­Gedanken über die Inszenierung im großen Winterhuder Saal gemacht hat, ist durchaus sichtbar: Nachdem beide Schauspieler schon zuvor mehrmals überraschend aus dem Zuschauerraum die Bühne betreten haben, erzählt Bauer zu Beginn des zweiten Teils die Lesung mit dem Pseudo-Autor Miller mit seiner Partnerin vor dem Vorhang amüsant nach. Am komischsten ist Bauer, als er als Autor Miller bei Aurélie anruft und mit verstellter Stimme sprichwörtlich den Mund (mit Bällchen und mehr) zu voll nimmt. Das ist Slapstick. Auch dafür gab es am Ende Standing Ovations seiner alten Fans und recht langen, freundlichen Beifall vom Rest des Premierenpublikums.

„Das Lächeln der Frauen“ bis 13.5., täglich außer Mo, Komödie ­Winterhuder Fährhaus, Hudtwalckerstr. 13, Karten 16,54 bis 43,74 in der HA-Geschäftsstelle, Großer Burstah 18-32; HA-Ticket-Hotline: T. 30 30 98 98