St. Georg ist Hamburgs gefährlichster Stadtteil (1)

In der Stadt gibt es große Unterschiede, wenn es um die Sicherheit der Bürger geht. Der Bezirk Mitte bleibt Brennpunkt.

Hamburg. Anfang Februar verkündeten Innensenator Andy Grote und Polizeipräsident Ralf Martin Meyer einen Rückgang der Kriminalität um 5,6 Prozent in Hamburg 2017 im Vergleich zum Vorjahr. Mit der Veröffentlichung der Kriminalitätszahlen der einzelnen Stadtteile zeigt sich aber, dass die Erfolge bei der Kriminalitätsbekämpfung ungleich verteilt sind.

Der Bezirk Hamburg-Mitte bleibt weiter der Kriminalitätsbrennpunkt in Hamburg. Hier wird fast ein Drittel aller den Bezirken zuzuordnenden Straftaten begangen, im vergangenen Jahr waren das 79.326 Fälle. Sorgenkind bleibt dabei der Stadtteil St. Georg, in dem mit 19.167 Straftaten das höchste Kriminalitätsaufkommen aller Stadtteile Hamburgs gezählt wurde. Zum Vergleich: In St. Georg allein wurden deutlich mehr Straftaten angezeigt als im gesamten Bezirk Bergedorf oder Harburg.

Mehr Rauschgiftkriminalität

Das liegt unter anderem an der Rauschgiftkriminalität rund um den Hauptbahnhof. 2939 Fälle, 206 mehr als 2016, wurden dort 2017 festgestellt. Das wiederum hängt auch mit der intensiveren Verfolgung durch die Polizei zusammen. Ein Problem sind in St. Georg zudem verstärkt Ladendiebstähle. Hier gab es einen Anstieg um 31,1 Prozent auf 2236 Taten.

Auf St. Pauli bekommt die Polizei die Gewalt weiter nicht in den Griff. 1440 Fälle wurden 2017 dort gezählt. Das sind nur sieben weniger als im Vorjahr und entspricht einem marginalen Rückgang von 0,5 Prozent. Bei den schweren Körperverletzungsdelikten stieg die Zahl sogar um 1,7 Prozent auf 940 Taten.

Weniger Straftaten in Ottensen und Osdorf

Probleme im Bezirk Mitte gibt es in Wilhelmsburg und Billstedt bei den Autoaufbrüchen oder dem Diebstahl von Autoteilen. In Wilhelmsburg stieg die Zahl in diesem Bereich um 49,6 Prozent auf 1028 Fälle. In Billstedt wurde eine Steigerung von 20,5 Prozent regis­triert. Dafür liegt auch der Stadtteil mit der höchsten Aufklärungsquote im Bezirk Mitte. Im Stadtteil Altstadt, in dem 7581 Straftaten angezeigt wurden, wurden 59,7 Prozent aller Fälle aufgeklärt. Das liegt an der hohen Zahl der Ladendiebstähle, die relativ leicht zu lösen sind. 2819 Taten wurden registriert. Die Aufklärungsquote betrug 95,2 Prozent.

Im Bezirk Altona gab es besonders hohe Kriminalitätsrückgänge in Ottensen und Osdorf mit einem Minus von 24,5 und 24,9 Prozent. In Ottensen ist das vor allem ein Rückgang der Diebstahlskriminalität festzustellen. Hier wurden 691 Taten weniger als im Vorjahr gezählt. Das macht zwei Drittel des Kriminalitätsrückgangs im Stadtteil aus. Besonders stark zurück gingen die Fahrraddiebstähle um 207 Taten oder 33,4 Prozent. In Osdorf wurde ein signifikanter Rückgang bei Sachbeschädigungen um 41,1 Prozent oder 1698 Taten gezählt.

Rückgang der Diebstähle in Eimsbüttel

Im Bezirk Eimsbüttel ist die positive Entwicklung vor allem auf den Rückgang der Diebstähle zurückzuführen. Von den 1604 Straftaten, die 2017 weniger gezählt wurden als im Vorjahr, entfielen 1529 auf die Diebstahlsdelikte. Deutlich zurückgegangen sind die Fahrraddiebstähle. Allein in Eimsbüttel wurden 164 Fahrräder weniger als 2016 gestohlen. In Harvestehude hat sich die Zahl der Autoaufbrüche von 208 im Jahr 2016 auf 92 im vergangenen Jahr mehr als halbiert. Durchweg erfreulich ist die Entwicklung bei den Wohnungseinbrüchen. In Hoheluft-West und Harvestehude haben sich die Zahlen mehr als halbiert.

Im Bezirk Nord schnitt der Stadtteil Dulsberg besonders schlecht ab. Hier stieg die Kriminalität um 10,6 Prozent, und zwar über alle Deliktarten. Deutlich besser ist die Entwicklung in Fuhlsbüttel, dem Stadtteil mit der höchsten Kriminalität im Bezirk Nord. Hier ging die Zahl der Straftaten um 18,8 Prozent zurück. Das sind 1140 Taten weniger als im Vorjahr.

Kriminalität sinkt stark in Harburg

Im Bezirk Wandsbek schnitt der Stadtteil Steilshoop schlecht ab. Hier stieg die Kriminalität im vergangenen Jahr um 9,1 Prozent auf 1842 Fälle. In Poppenbüttel und Hummelsbüttel wurden überdurchschnittliche Kriminalitätsrückgänge von 11,6 und 13,6 Prozent registriert. Beide Stadtteile profitierten von einem Rückgang bei den Diebstählen. Eine vergleichbare Entwicklung gab es in Volksdorf und Rahlstedt.

Im Bezirk Bergedorf sind es die eher ländlichen Gebiete, in denen die Kriminalität stieg. Im Stadtteil Tatenberg sogar um 158,1 Prozent. Allerdings ist die Kriminalität in absoluten Zahlen dort niedrig. Die Zahl aller 2017 erfassten Straftaten betrug gerade einmal 111. Dabei gab es keinen Fall, der zur Gewaltkriminalität gezählt wird. Allerdings ist dort die Zahl der Diebstähle um 229 Prozent oder 62 Fälle hochgeschnellt. Bergedorf, mit seinen 5320 Straftaten der am höchsten durch Kriminalität belastete Stadtteil im Bezirk, registrierte einen Rückgang der Fälle um 11,2 Prozent. Auch hier waren die Diebstähle ausschlaggebend.

Weniger Raubdelikte

Der Bezirk Harburg „glänzt“ durch einen Rückgang der Kriminalität um 11,5 Prozent. Das ist der beste Wert in ganz Hamburg. Besonders gut ist dabei die Entwicklung im Stadtteil Harburg mit seinem Innenstadtcharakter. Erfreulich: Vor allem die Fälle von einfacher und schwerer Körperverletzung sind zurückgegangen, es waren 226 weniger als im Vorjahr. Auch die Zahl der Raubdelikte nahm deutlich, nämlich um 26 Prozent ab. Probleme gab es dagegen im Bezirk mit Autoaufbrüchen. Besonders betroffen waren Heimfeld und Hausbruch. In den Stadtteilen, in denen sich mehr als ein Viertel aller Autoaufbrüche im Bezirk ereigneten, betrug die Steigerung 27,7 beziehungsweise 41,8 Prozent.