Hamburg

Lotto King Karl im Sonderzug für Hamburger Schachturnier

Waren am Sonderzug für das Schachturnier: Jan Pohl, Lotto King Karl, Björn Lengwenus und Boris Bruhn (v. l.)

Waren am Sonderzug für das Schachturnier: Jan Pohl, Lotto King Karl, Björn Lengwenus und Boris Bruhn (v. l.)

Foto: Roland Magunia/Hamburger Abendblatt

Wettkampf „Rechtes Alsterufer gegen Linkes Alsterufer“ wird im Mai 60 Jahre alt. Sonderzug für „60 Schachzüge durch Hamburg“.

Hamburg.  Die Brutalität habe ihm gefehlt. Während die S-Bahn irgendwo zwischen Dammtor und Berliner Tor über die Gleise rattert, erzählt Hamburgs Vorzeigemusiker und HSV-Stadionsprecher Lotto King Karl, warum das nichts geworden ist zwischen ihm und dem Schachsport. Damals, an der Gelehrtenschule des Johanneums, wo er nicht nur sein Abitur machte, sondern kurzzeitig auch der Schach AG beigetreten war. „Schach ist eine tolle Freizeitbeschäftigung“, sagt er. Aber ihm fehle der Killerinstinkt. Rasenschach liege ihm mehr, Fußballer halt.

Lotto King Karl, bürgerlich Gerrit Heesemann und nicht zuletzt Hymnenautor von „Hamburg, meine Perle“, war prominenter Gast in der arrangierten ­S-Bahn-Fahrt zum Auftakt in die Jubiläumsspielzeit des traditionsreichen Hamburger Schulschachturniers „Rechtes Alsterufer gegen Linkes Alsterufer“. Seit 60 Jahren wird das Turnier ausgetragen. Anlässlich dessen startete am Freitag der Sonderzug für die Aktion „In 60 Schachzügen durch Hamburg“, bei der großformatige Schachfiguren bis zum Turniertag am 31. Mai durch die Stadt geschickt werden, um von Prominenten, Politikern und ehemaligen Teilnehmern signiert und verziert zu werden.

Bei der halbstündigen Auftaktfahrt stimmten Organisatoren, Partner und Unterstützer wie Lotto King Karl schon mal launig auf den großen Tag ein. Für den Sänger etwa ist das Turnier „wie Harvard gegen Yale, Oxford gegen Cambridge oder Ali gegen Foreman“ – ein episches Ringen. Ganz abwegig ist der Vergleich dabei nicht. Denn seit 1958 saßen mehr als 100.000 Kinder an den Brettern, um für ihr Alsterufer – von der Quelle im Norden aus betrachtet – Punkte zu sammeln.

Linkes Alsterufer hat die meisten Siege

In all den Jahren – abgesehen von der Turnierpause von 1972 bis 1975 – lässt sich die Dominanz des linken Alsterufers dabei mit 36 zu 20 Siegen nicht von der Hand weisen. „Aber in den vergangenen drei Jahren gewann immer das rechte Ufer“, sagt Jan Pohl, der das Turnier für die Schulbehörde begleitet. „Der Wettkampf bleibt also spannend.“ Er erwarte in diesem Jahr zwar keinen neuen Teilnehmerrekord, aber nicht weniger als das „bunteste und schönste Turnier der Welt“, einen „großen Kindergeburtstag“.

Im Zug der S-Bahn hatte trotz dieser friedensstiftenden Worte jeder seine Vorlieben. Während Carsten Höltkemeyer, Chef der Barclaycard Arena, dem Austragungsort in diesem Jahr, die westlichen Stadtteile, also das rechte Alsterufer, bevorzugte, stellte sich Hamburgs vielleicht bekanntester Schachlehrer, Björn Lengwenus, klar auf die linke Seite.

Als Barmbeker könne er nicht anders. S-Bahn-Chef Kay Uwe Arnecke war da etwas ausgleichender. Er habe zwar seinen Kindern Schach beigebracht, inzwischen sei er aber kein adäquater Gegner mehr. Wichtig war ihm auch die Erwähnung, dass sein Unternehmen die Anreise der Schüler mit fünf „Schachzügen“ sicherstelle. Weil die traditionelle Spielstätte, das CCH, umgebaut wird, treffen sich die Spieler zum Turnier am Volkspark.

Das Turnier der Schulen war vor 60 Jahren mit 190 Teilnehmern gestartet. Im Mai des Vorjahres hatten die Organisatoren nach zwei Einträgen ins Guinnessbuch mit mehr als 4200 Schülern einen neuen Teilnehmerrekord erzielt. Der Wettkampf gilt nach wie vor als das größte Eintagesturnier der Welt.