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Abendblatt-Test: Bier als Fitnessdrink

Gewichte stemmen und  Bier trinken: Erik Dimter (l.) und Tristan Brümmer im Krafthaus in Schenefeld. Dort haben die beiden Joybräu-Macher auch den Promotionfilm für ihr Proteinbier gedreht

Gewichte stemmen und Bier trinken: Erik Dimter (l.) und Tristan Brümmer im Krafthaus in Schenefeld. Dort haben die beiden Joybräu-Macher auch den Promotionfilm für ihr Proteinbier gedreht

Foto: Klaus Bodig / Klaus Bodig / HA

Firmen in der Region überraschen mit neuen Produkten. Wir prüfen, wie gut sie sind. Heute: Alkoholfreies Joybräu mit viel Protein.

Hamburg.  Von der Zielgruppe hat Tristan Brümmer eine genaue Vorstellung: „Leistungs- und Fitnesssportler, die sich proteinreich ernähren und auf der Suche nach einer richtig gut schmeckenden Alternative zu den üblichen Shakes und Drinks sind.“ Das sind die Menschen, denen der 23-Jährige und sein Kompagnon Erik Dimter (24) ein Getränk verkaufen wollen, das sie mitentwickelt haben und das seit Kurzem auf dem Markt ist: Joybräu. Es ist, sagen die jungen Gründer aus Hamburg, nicht weniger als „das weltweit erste alkohol­freie Proteinbier“.

Proteinriegel kennt man, Proteinbrot liegt inzwischen selbst beim Discounter im Regal. Nun also Proteinbier. Die Vorsilben Protein bedeuten, dass es sich um Lebensmittel mit besonders hohem Eiweißanteil handelt. Beliebt sind sie unter anderem bei Menschen, die Muskeln aufbauen wollen. Zwar haben etwa Fleisch und Magerquark einen hohen Proteinanteil, aber gerade in Fitnessstudios, deren Besucher bevorzugt Gewichte stemmen, wird gerne mit speziellen Proteindrinks nachgeholfen. Meist werden sie aus einem Pulver und mit Milch oder Wasser angerührt.

Gebraut wird das Bier in Rheinland-Pfalz

Brümmer und Dimter kennen sich da aus. Beide gehen mehrmals pro Woche ins Studio. „Einfach, um fit zu sein“, sagt Dimter. Besonderen Ehrgeiz, sich einen eindrucksvollen Bizeps anzutrainieren haben beide zwar nicht, aber ein Proteindrink nach dem Duschen gehört auch für sie dazu. Die Erfahrungen sind durchwachsen: „Manche dieser Drinks schmecken nicht besonders toll oder klumpen beim Anrühren. Viele sind ziemlich süß und irgendwann hat man einfach genug vom Erdbeer-, Bananen- und Schokogeschmack“, sagt Brümmer. Er ist der Bierkenner von den beiden, braut bei den Großeltern in Niendorf im Keller selbst.

Geboren allerdings wurde die Idee, ein Bier mit viel, viel Protein herzustellen, in Singapur. Damals arbeiteten beide noch für eine große Hamburger Reederei, absolvierten ein duales Studium und verbrachten einen Auslandsaufenthalt in Südostasien. Das Appartementhaus, in dem Dimter wohnte, hatte einen Fitnessraum, abends ging es mit den Kollegen oft noch auf ein Bier in die Stadt. „Irgendwann kam uns der Gedanke, dass es cool wäre, die Proteindosis nach dem Training gleich mit dem ersten Bier zu kombinieren“, erzählt Brümmer.

Seine Tests im heimatlichen Keller mit Proteinpulver und Selbstgebrautem allerdings endeten desaströs. „Die Ergebnisse waren grauenhaft, ich habe noch nie etwas ähnlich Ekelhaftes getrunken“, erinnert er sich mit Schaudern. Ihre Idee verfolgten die beiden trotzdem weiter und als sich keine Brauerei fand, die ein Proteinbier entwickeln und herstellen wollte oder konnte, nahmen sie Kontakt zu den deutschen Hochschulen auf, an denen Brauereitechnologie gelehrt wird. Die TU Berlin war interessiert.

14 Monate dauerte es, ein alkoholfreies Bier zu entwickeln, von dem eine Flasche 21 Gramm Protein enthält. „Das ist so viel, wie in der gleichen Menge eines Shakes. Die Menge und Zusammensetzung der Aminosäuren, die für den Muskelaufbau wirklich hilfreich sind, ist in Joybräu besonders hoch“, sagt Dimter. Mehr als 50.000 Euro steckten die Gründer in die Entwicklung, Studenten schrieben eine Bachelor- und eine Masterarbeit über das Proteinbier, das mit einer speziellen Hefe gebraut wird. Das Rezept gehört der Hochschule, „wir haben exklusiv das weltweite Nutzungsrecht“.

Die Joybräu-Macher sind zuversichtlich

Anfang März hat die Privatbrauerei Bischoff in Winnweiler bei Kaiserslautern die ersten 114 Hektoliter Joybräu in Flaschen und Fässer gefüllt. Die Gründer und alleinigen Anteilseigner der Firma haben jetzt schon einen sechsstelligen Euro-Betrag investiert, seit Herbst 2017 arbeiten sie nur noch für ihr eigenes Unternehmen.

Aber wartet der stark wachsende Fitnessmarkt wirklich auf ein Proteinbier? Die Joybräu-Macher sind da zuversichtlich. Die eigenen Markttests etwa im „Krafthaus“ in Schenefeld seien gut gelaufen, der Vorverkauf zum Sonderpreis im eigenen Onlineshop auch. Derzeit liefen Gespräche mit Zulieferern für Fitnessstudios und dem Lebensmittelhandel, sagt Dimter. Und es habe schon erste Anfragen aus Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Belgien gegeben.

Die Gründer sind nicht die Einzigen, die an ihr Produkt glauben. Den Joybräu-Auftritt bei der Fitnessmesse Fibo im April in Köln wird vom Bundeswirtschaftsministerium mitfinanziert. Und auch beim Innovationspreis der Messe gehört das Proteinbier aus Hamburg zum Kreis der Nominierten.

Der Abendblatt-Test – jeden Dienstag im Wirtschaftsteil. Alle bisherigen Folgen gibt es online unter www.abendblatt.de/testserie