Hamburg

„Wir werden Stärke zeigen“

Gewerkschaften geben sich vor Warnstreik im öffentlichen Dienst kämpferisch

Hamburg. „Wir wissen es noch nicht.“ Wer sich am Montag bei den Elbkinder-Kitas, den Bücherhallen, bei der Stadtreinigung oder im Hafen umhörte, bekam stets eine ähnliche Antwort: Ja, der für Mittwoch von Ver.di angekündigte ganztägige Warnstreik wird zu Einschränkungen für die Bürger führen. Und nein, welche das genau sein werden, ist noch nicht klar.

Das liegt in der Natur der Sache: Nachdem die öffentlichen Arbeitgeber auf die Gewerkschaftsforderung nach sechs Prozent mehr Lohn (mindestens aber 200 Euro pro Monat) nicht reagiert haben, hat Ver.di bundesweit 2,3 Millionen Beschäftigte zum Warnstreik aufgerufen, unter ihnen 25.000 Mitarbeiter von Stadt und Bund in Hamburg. Doch wie viele von ihnen dem Aufruf folgen, wird man erst am Mittwoch sehen.

Im Gewerkschaftshaus am Besenbinderhof, vor dem an dem Tag ab 9 Uhr die zentrale Kundgebung stattfinden soll, ist die Stimmung jedenfalls kämpferisch. „Es ist ein Schlag ins Gesicht der einfach Beschäftigten, wenn Vertreter öffentlicher Arbeitgeber es als für die Struktur schädlich bezeichnen, wenn die Tarifgehälter im unteren Gehaltsbereich mit einem Sockelbetrag angehoben werden“, sagte Berthold Bose, Landesleiter Ver.di Hamburg. „Gerade diese Beschäftigten haben es schwer, die stark steigenden Lebenshaltungskosten, wie zum Beispiel Mieten, in den Städten noch aufbringen zu können.“

Sieglinde Frieß, Tarifkoordinatorin bei Ver.di Hamburg, verwies auf fast eine Milliarde Euro Haushaltsüberschuss 2017 in Hamburg. „Es ist Geld genug da, alle Zahlen belegen es, und deshalb muss auch ein großes Stück von diesem ‚Einnahme-Kuchen‘ bei den Kollegen und Kolleginnen ankommen. Solange die Arbeitgeber dies nicht verstehen, solange werden wir auf der Straße Druck machen und Stärke zeigen.“

Von den rund 4200 Erzieherinnen in den 185 Elbkinder-Kitas beteiligen sich in der Regel rund die Hälfte an Streiks – das dürfte in allen Einrichtungen zu massiven Einschränkungen führen. Vereinzelt sind sogar Schließungen möglich. Auch bei der Stadtreinigung ist der gewerkschaftliche Organisationsgrad traditionell hoch: Dort geht man davon aus, dass die Müllabfuhr nicht überall planmäßig kommen wird und alle zwölf Recyclinghöfe bestenfalls eingeschränkt öffnen können. Das dürfte auch für die mehr als 30 öffentlichen Bücherhallen gelten. „Es kann zu Behinderungen kommen“, hieß es ebenso bei der Hamburg Port Authority (HPA), die den gesamten Hafen mit seinen Straßen, Schienen, Brücken und Schleusen am Laufen hält. „Aber welche Anlagen in welcher Zeit bestreikt werden, wissen wir nicht.“