Hamburg

Die Odyssee der „Aidaperla“

Sturm: Schiff kreuzt mit 3000 Passagieren vor Helgoland – und läuft dann mit 21 Stunden Verspätung aus

Hamburg. Es hätte ein glanzvolles Wochenende für den Hamburger Hafen werden sollen. Erst hatte das größte je in Hamburg abgefertigte Containerschiff, die „CMA CGM Antoine De Saint Exupéry“ ihren Besuch angekündigt, dann sollte das neue Flaggschiff der Aida-Reederei „Aidaperla“ sein Sommerprogramm ab Hamburg aufnehmen. Doch stattdessen kam „Irenäus“. Das kräftige Hoch über Skandinavien schickte stürmische Winde an die norddeutsche Küste – und das Besuchsprogramm wurde fast zum Desaster.

Die Böen machten das Manövrieren unmöglich

Am meisten litten darunter rund 3000 Passagiere der „Aidaperla.“ Das schöne neue Kreuzfahrtschiff war am Sonnabend schon mit mehrstündiger Verspätung in den Hafen eingelaufen. Zunächst war die Erstankunft am Kreuzfahrtterminal Steinwerder für den Morgen terminiert gewesen, doch diese wurde kurzfristig abgeblasen. „Erst am Mittag hat die ,Aidaperla‘ Hamburg erreicht“, bestätigt Aida-Sprecherin Kathrin Heitmann.

Wegen der verspäteten Ankunft in Hamburg mussten einige abreisende Gäste ihren Anschlussflug umbuchen. Auch die nachfolgenden Kreuzfahrtpassagiere mussten umplanen. Eigentlich sollte die „Aidaperla“ den Hamburger Hafen noch am Sonnabendabend wieder verlassen.

Doch statt eines Schaulaufens in der Abendsonne auf der Elbe vor Övelgönne lag der Kreuzfahrtriese auch am Sonntag zunächst noch bewegungslos am Kai auf Steinwerder. Wer Hamburg kennt, weiß, dass das nicht die schönste Ecke der Stadt ist. Erst gegen 15 Uhr konnte das Kreuzfahrtschiff dann endlich wieder in Richtung Southampton auslaufen – mit 21 Stunden Verspätung.

Auslöser des Problems: Seit Freitag war die Elbe wegen heftigen Windes für große Schiffe zeitweise gesperrt. Da der Ostwind das Wasser aus der Elbe gedrückt hatte, reichte die Wassertiefe des Flusses für große Schiffe nicht mehr aus. Zudem machten die Böen das Manövrieren unmöglich.

In der Folge gerieten die Fahrpläne der Kreuzfahrer und Containerschiffe durcheinander und müssen nun nacheinander abgearbeitet werden. So drängte etwa das 400-Meter-Schiff „MSC London“ auf eine Freigabe, nach Hamburg einlaufen zu dürfen. Dazu herrschte aber auch am Sonntag noch zu viel Wind, hieß es in der Nautischen Zentrale. Für Sonntag war immer noch Windstärke 7 bis 8 angekündigt. Die „Aidaperla“ und das große Containerschiff dürfen sich nicht auf der Elbe begegnen, auch dadurch verzögerte sich das Auslaufen des Kreuzfahrtschiffs.

Rekord-Containerschiff am Abend immer noch im Hafen

Die „Aidaperla“ war aus Palma de Mallorca nach Hamburg gekommen. Das Schiff hatte am Freitag Rotterdam verlassen und kreuzte wegen der Sperrung der Elbe zunächst westlich vor Helgoland. Als das Schiff dann am Sonnabend um 14 Uhr endlich am Terminal Steinwerder festmachte, musste alles ganz schnell gehen. Die Kabinen wurden gereinigt, die Dienstleister mussten die Arbeiten, die sonst den ganzen Tag dauern, in wenigen Stunden leisten. Ein Aida-Sprecher lobte dafür ausdrücklich die beteiligten Service-Unternehmen.

Die Kreuzfahrtkunden sind nicht die einzigen Leidtragenden des Wetters: Auch die Frachtschifffahrt wird durch die Lage weiter beeinträchtigt. So lag die „Antoine De Saint Exupéry“ der französischen Reederei CMA CGM am Sonntagabend noch immer ohne Auslaufgenehmigung am Burchardkai.

Das Schiff war am frühen Donnerstagmorgen von Dünkirchen (Frankreich) kommend im Hamburger Hafen eingelaufen. Nach dem Löschen von 7500 Standardcontainern und der neuen Beladung mit 4500 Boxen, sollte der Frachter eigentlich schon am Sonnabend um 11 Uhr wieder auslaufen. Doch wegen seiner enormen Größe und der starken Böen wurde die 100 Kilometer lange Fahrt bis zur Elbmündung zunächst als zu gefährlich eingestuft.

„Das Schiff ist 400 Meter lang, ab Windstärke 7 darf es nicht mehr auf der Elbe manövrieren“, sagte ein Mitarbeiter der Nautischen Zentrale, wo alle Schiffsbewegungen im Hafen koordiniert werden, am Sonntag. „Jetzt ist vorgesehen, dass das Containerschiff gegen 23 Uhr auslaufen soll. Sicher ist das aber noch nicht“, hieß es in der Nautischen Zentrale. Wenn der Plan gelingt, hinkt die „Antoine De Saint Exupéry“ sogar 36 Stunden hinter ihrem Fahrplan her.