Hamburg

„Stadt platzt wegen der Touristen nicht aus allen Nähten“

Norbert Aust, der Vorsitzende des Tourismusverbandes Hamburg, im Interview zu der Sorge vor zu vielen Touristen in Hamburg.

Hamburg.  In Berlin präsentiert sich Hamburg derzeit auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) als begehrtes Reiseziel. Mit dabei ist auch Norbert Aust, der Vorsitzende des Tourismusverbandes Hamburg. „Hamburg hat unglaublich viel zu bieten – und wir dürfen dies auch zeigen. Die ITB ist eine Plattform dafür“, sagte Aust. Das Abendblatt sprach mit ihm aber auch darüber, was Hamburg noch fehlt.

Herr Aust, vom Tourismusboom sind nicht alle Hamburger begeistert. Manche finden, dass Szeneviertel schon heute von Touristen überschwemmt werden. Können Sie das nachvollziehen?

Norbert Aust: Nein, denn dies trifft nicht zu. Es ist aber wichtig, die Hamburger davon zu überzeugen, dass der Tourismus die Lebensbedingungen für alle Menschen in der Stadt verbessert. Der Tourismus bringt viele Steuereinnahmen für die Stadt. Hamburg ist eine große Metropole, und ich habe nicht das Gefühl, dass die Stadt wegen der Touristen aus allen Nähten platzt, auch nicht in St. Georg oder im Schanzenviertel.

Es ist genügend Platz für alle, auch wenn die Zahl der Übernachtungen in den nächsten Jahren weiter steigen wird. Die Gäste aus aller Welt bereichern unser Stadtbild und passen zum weltoffenen Image von Hamburg. Außerdem ist der Tourismus mit der wichtigste Wirtschaftsfaktor.

Hamburg wird immer mehr zu einer Hotelhochburg, allein in diesem Jahr werden zwölf neue Häuser eröffnet. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Die Nachfrage steigt, und dementsprechend gut ist die Auslastung. Dies rechtfertigt auch, dass neue Hotels entstehen. Allerdings brauchen wir mehr individuelle Konzepte.

Was muss noch verbessert werden?

Sehr viel. Die Erweiterung des Hauptbahnhofs beispielsweise muss dringend vorangetrieben werden. Das fordern wir schon seit Jahren. Denn schon seit Langem hat der Hauptbahnhof seine Kapazitätsgrenze überschritten, und es werden in Zukunft noch mehr Menschen sein, die mit der Bahn nach Hamburg reisen. Es darf nicht immer nur über das Problem diskutiert werden, sondern es muss endlich Lösungen geben. Außerdem muss die Ausschilderung in der Stadt insgesamt verbessert werden. Hier brauchen wir ein neues gesamtstädtisches Konzept.

Die Zahl der Internationalen Flugverbindungen ist ebenfalls überschaubar.

Das stimmt. Wir brauchen mehr Direktverbindungen, zum Beispiel nach Asien oder in die USA, um noch attraktiver für internationale Gäste zu werden. Aber daran arbeitet der Hamburger Flughafen mit großem Engagement.