Hamburg

Altona: Warum Eltern Baustopp für Wohnungen verlangen

Wohnungen im Baugebiet Othmarschen Park

Wohnungen im Baugebiet Othmarschen Park

Foto: Andreas Laible

Es gibt nicht genug Schulen für die vielen Bewohner. Kreiselternbeirat schlägt Alarm. Deutlich mehr Anmeldungen als erwartet.

Hamburg.  Die Othmarschener Höfe, die Neue Mitte Altona, das Holsten-Areal: Zu Tausenden entstehen im Kerngebiet Altona derzeit neue Wohnungen. Doch während die Bagger weiterrollen und die nächsten Projekte geplant werden, kommt die Infrastruktur nicht hinterher, und das sorgt nun für Unmut bei den betroffenen Anwohnern. Schon jetzt werden im Bezirk Altona 30.333 Schüler unterrichtet – Tendenz steigend. Gleichzeitig wachsen die Schulen nicht so schnell mit.

Den Eltern vor Ort reicht es jetzt. Sie schlagen Alarm und fordern vom Hamburger Senat, im Bezirk Altona keine Wohnbauflächen mehr zu vergeben, solange gleichzeitig kein adäquater Schulbau erfolgt. Ein solcher Dringlichkeitsantrag für die Elternkammer wurde auf der jüngsten Sitzung des Kreis­elternrats beschlossen.

Engpass an Grundschulen

Grund dafür sind die aktuellen Entwicklungen im Bereich Altstadt, ­Ottensen und Othmarschen. Wie die zuständige Schulaufsicht dem Kreis­elternbeirat während der vergangenen Sitzung mitteilte, rechne die Behörde mit einem kurzfristig entstehenden Engpass an Schulplätzen besonders im Bereich der Grundschulen wegen der enorm steigenden Wohnbautätigkeit. Nach den neuen Prognosen, die den Zuzug und die Geburtenentwicklung berücksichtigen, fehlen in vier Jahren 16 erste Klassen. Das käme umgerechnet etwa vier Grundschulen gleich.

Schon jetzt könne der Bedarf kaum gedeckt werden. Für die Eingangsklassen an den staatlichen Grundschulen wurden hamburgweit 14.702 Kinder angemeldet, 449 mehr als im Vorjahr. Spitzenreiter ist wiederum Altona mit einem Zuwachs der Anmeldungen um 184 Schüler, Harburg verbucht 130 mehr und Hamburg-Nord 110.

Hamburgweite Rekorde

Wie die Auswertung der aktuellen Anmeldezahlen zeigt, sind gleich drei Schulen aus dem Bezirk Altona unter denen mit der größten Nachfrage. So hat die Louise-Schroeder-Schule (Altona-Altstadt) mit 151 Anmeldungen sogar die meisten hamburgweit. Auch unter den Schulen mit den größten Zuwächsen finden sich zwei Schulen aus Altona – und zwar die Schule Wesperloh in Osdorf mit 118 (plus 37) Kindern und die Grundschule Thadenstraße mit 132 (plus 36) Kindern.

Das Problem: Es fehlen Lösungen. Denn gerade im Kernbereich Altona sind Flächen Mangelware. Viele bereits vorhandene Schulstandorte stoßen bereits an ihre Grenzen und können kaum ausgebaut werden.

Laut Behördensprecher Peter Al­brecht werden in Eimsbüttel 2019 und 2021 neue Grundschulen entstehen, während in Altona derzeit nur neue mögliche Standorte geprüft werden. Allgemein würden laut Albrecht bewusst Flächen frei gehalten, damit die „soziale Infrastruktur“ mitwachsen könne. Konkrete Orte könnten laut Albrecht aktuell in Altona nicht benannt werden, weil erst ein aufwendiger Prüfungs- und Beteiligungsprozess abgeschlossen werden müsse.

Immerhin so viel verrät er: Für die Neue Mitte Altona ist neben einem Neubau für die Kurt-Tucholsky-Stadtteilschule eine erhebliche Erweiterung der angrenzenden Theodor-Haubach-Schule geplant.

Dass ein neuer Grundschulstandort dringend benötigt wird – darüber sind sich alle Altonaer Fraktionen einig. Sie fordern gemeinsam in einem kürzlich beschlossenen Antrag von der Schul- und der Finanzbehörde, umgehend mindestens eine Grundschule im Altonaer Kerngebiet zu bauen.

CDU fordert Schulen auf Vivo- und Holsten-Areal

Wenn es nach der CDU geht, dann gibt es gleich zwei mögliche Standorte. Unter anderem fordern die Christdemokraten, einen Schulneubau auf dem Vivo-Areal an der Bahrenfelder Straße zu prüfen. Das einst als vorbildlich geplante Öko-Zentrum Vivo in Ottensen läuft seit Beginn an schleppend. Zuletzt war wie berichtet im Gespräch, dass Projekt zugunsten von Wohnbebauung abzureißen.

„Wir haben bereits jetzt ein riesiges Problem. Es fehlen mindestens zwei Grundschulen. Bevor wieder neue Wohnungen gebaut werden, muss erst eine Schule entstehen“, sagt Kaja Steffens als bildungspolitische Sprecherin der CDU in Altona.

Gleiches gilt aus Sicht der CDU für das Holsten-Areal. Auch hier plant ein Investor den Bau von bis zu 2000 neuen Wohnungen. Die CDU drängt nun darauf, im Zusammenhang mit dem Bebauungsplan eine neue Schule an diesem Standort zu errichten.

Auch aus den Reihen der Altonaer SPD gibt es Kritik am eigenen Senat. Iris Tietjens als Fachsprecherin Bildung erklärt: „Ich kann den Unmut der Eltern durchaus nachvollziehen.“ Allerdings sei die Höhe der Anmelde­zahlen im Bezirk für alle überraschend gewesen.

Falsche Prognose

Laut CDU ist der Grund für den Engpass, dass sich die Prognose von etwa 23 Kindern je 1000 neue Wohneinheiten nicht bewahrheitet hat. Gerade im Bereich Altona ziehen deutlich mehr Eltern mit Kindern in die neuen Wohnungen, sodass die Behörde die Prognose nun auf bis zu 35 Kinder erhöhen musste.

Umso besorgter beobachten Eltern und Politiker die Entwicklungen in den Verhandlungen um die geplante Schließung von katholischen Grundschulen. Auch in Ottensen ist eine Einrichtung betroffen. Klar ist auch: Der jetzige Engpass an den Grundschulen zieht in einigen Jahren einen weiteren an den weiterführenden Schulen nach sich.