Hamburg

Umweltbehörde fordert 468.000 Euro von Easyjet

Hamburg. Die Hamburger Fluglärmschutzbeauftragte fordert nach Abendblatt-Informationen von der Billig-Fluglinie Easyjet 468.000 Euro wegen 21 verspäteter Starts nach London und Edinburgh im Jahr 2017. Mit dem Betrag soll der sogenannte Tatertrag erhoben und als Gewinnabschöpfung eingezogen werden, teilte die Umweltbehörde am Freitag mit. Damit würden sowohl die gesparten Hotelübernachtungskosten als auch die fällige Entschädigung der Fluggäste bei einem Start am nächsten Morgen in Rechnung gestellt. Der Fluggesellschaft sollten sämtliche wirtschaftlichen Vorteile genommen werden, die sie durch den verspäteten Start nach 23 Uhr erzielt habe.

Es sei das erste Mal, dass dieses Mittel in dieser Höhe angewendet werde. Die Airline, deren Name von der Behörde nicht bestätigt wird, habe trotz mehrfacher Aufforderungen keine Gründe für die Verspätungen genannt. Bei nachvollziehbaren Gründen durch schwierige Wetterverhältnisse oder Krankheit eines Fluggastes wäre die Situation eine andere gewesen, teilte die Behörde dem Abendblatt mit. Schon kürzlich hatte die Behörde Easyjet eine Rechnung gestellt. Es ging um gut 20.000 Euro für einen Flug nach 24 Uhr. Insgesamt gab es trotz einer Pünktlichkeitsoffensive des Hamburger Flughafens mehr als 1000 Starts nach 23 Uhr, wenn bereits die Nachtflugbeschränkung in Kraft ist.

„Das ist eine erschreckend hohe Zahl“, sagte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne). „Ein erheblicher Teil davon war aus unserer Sicht vermeidbar.“ Es könne im Einzelfall immer wieder nachvollziehbare Gründe für verspätete Starts und Landungen geben. „Wenn aber immer wieder auf derselben Strecke die 23-Uhr-Marke gerissen wird, müssen wir davon ausgehen, dass die Verspätungsserie auf eine zu knappe Flugplanung zurückzuführen ist und damit absolut vermeidbar war.“ Im Jahr 2016 waren noch 773 Flüge nach 23 Uhr gestartet oder gelandet, 2015 waren es 649 Verbindungen.

„Bei über 1000 Verspätungen im letzten Jahr ist es nur zu begrüßen, dass der Umweltsenator gegen die Airlines vorgeht. Die Lärmbelastung nach 23 Uhr darf nicht zur Regel und zum Geschäftsmodell der Fluggesellschaften werden“, sagte Manfred Braasch von der Umweltschutzorganisation BUND. Im Sinne der Anwohner müsse aber ab 22 Uhr Ruhe sein.