Konzertkritik

Franz Ferdinand feiert im Mehr! Theater

Auf Erfolgskurs: die britische  Indie-Rockband Franz Ferdinand (Archivbild9

Auf Erfolgskurs: die britische Indie-Rockband Franz Ferdinand (Archivbild9

Foto: picture alliance/Jazzarchiv

Mit neuem Sound und alten Hits begeistert die Band aus Glasgow ihre Fans. Die Tanzbegeisterung stieg stetig.

Als die beinahe mystisch klingenden Töne von „Always Ascending“, dem Titelsong des gleichnamigen neuen Albums, anklingen, sind die fünf Bandmitglieder von Franz Ferdinand in Dunkelheit gehüllt. Nur ihre Silhouetten lassen sich in dem schummrigen lila Licht erahnen.

Der erste Eindruck irritiert: Gitarre spielt an diesem Donnerstagabend im Mehr! Theater nicht Nick McCarty, der die Band 2016 verlassen hat, sondern Dino Bardot (ehemals 1990s). Hinter Bardot versteckt sich das zweite neue Gesicht: Julian Corrie, der mit seiner Fingerkunst am Keyboard die Lieder des neuen Albums dominiert und den gitarrenlastigen Sound von Franz Ferdinand verdrängt. Auch optisch verjüngt Corrie die Band.

Das Publikum, das dem Aussehen nach zu urteilen aus Neuentdeckern der Schotten sowie Fans der ersten Stunde besteht, müssen sich an dem Electro-Disco-Pop von „Always Ascending“ zunächst aufwärmen. Kapranos’ durchdringender Bariton erinnert die Konzertbesucher jedoch schnell daran, warum sie an diesem Abend durch die Kälte ins Mehr! Theater gestapft sind.

Ganz getreu dem Albumtitel steigt die Tanzbegeisterung stetig. Alte Hits wie „Do You Want To“ bringen den Saal zum Beben. Neue Songs wie „Paper Cages“ oder „Lois Lane“, die potenziell sehr tanzbar klingen und die das neue Team Corrie und Kapranos musikalisch perfekt umsetzt, bremsen diese Euphorie eher.

„This Fire“ treibt Stimmung auf den Höhepunkt

Spätestens jedoch als der Erfolgshit „Take Me Out“ des Debütalbums (2004) angestimmt wird, hat sich Kapranos mit seinen typisch exaltierten Tanzbewegungen und Sprungeinlagen vollkommen eingegroovt und überträgt seine Energie auf die Fans. Corrie und Kapranos werfen sich die Gitarren über, während Bassist Robert Hardy gewohnt lässig zum Beat wippt und Paul Thomson am Schlagzeug ordentlich einheizt. Da stört es kaum, dass der Saal manchen Ton verschluckt. Selbst die eher tanzfaulen Konzertbesucher auf den luftig besetzten Stuhlreihen springen teilweise auf.

Die Kategorien „neu“ und „alt“ – ob sie Sound oder Bandbesetzung betreffen, lösen sich während des über 90-minütigen Auftritts langsam auf. Den Zugabe-Song des neuen Albums „Huck and Jim“ feiern die Fans genauso wie den alten Hit „This Fire“, der die Stimmung auf den Höhepunkt treibt. Die Party endet plötzlich. Doch am Ende sind sich alle Fans einig: Gut, dass Franz Ferdinand weiterrockt.