HafenCity

Altbürgermeister Christoph Ahlhaus wollte Elbtower bauen

Foto: DIP AG/Snøhetta

Der einstige Spitzenpolitiker und Rechtsanwalt hatte sich mit der DIP AG an der Ausschreibung für das Hochhaus beteiligt.

Hamburg.  Der Elbtower soll das höchste und spektakulärste Gebäude der Stadt werden. Den Zuschlag im Rahmen einer internationalen Ausschreibung hatte, wie berichtet, die Signa-Gruppe des österreichischen Milliardärs und Karstadt-Eigners René Benko mit einem Entwurf aus dem Büro des Stararchitekten David Chipperfield erhalten. Bis 2025/2026 soll der 235 Meter hohe Wolkenkratzer an den Elbbrücken gebaut werden. An der Ausschreibung hatten sich jedoch noch zahlreiche weitere Bieter beteiligt – darunter Hamburgs ehemaliger Erster Bürgermeister Christoph Ahlhaus (CDU).

Der einstige Spitzenpolitiker und Rechtsanwalt ist seit einem Jahr Vorstand der Hamburger DIP AG (Deutsche Immobilien Projektentwicklung). „Wir wollten einen besonders lebendigen Elbtower schaffen, deshalb haben wir bei unserem Entwurf großen Wert auf ein offenes Haus gelegt. Unser Ansinnen war es, dass die Hamburger dieses Gebäude lieben und sich damit im hohen Maße identifizieren“, sagte Ahlhaus dem Abendblatt.

Architektonischer Dialog mit Elbphilharmonie

Neben der Signa-Gruppe aus Österreich und der Gerch Group aus Düsseldorf war die DIP AG laut dem Vorstandsvorsitzenden Thomas Schwinger-Caspari „das einzige Hamburger Unternehmen unter den drei Bestbietern, mit denen die HafenCity Hamburg GmbH schließlich den Vertrag verhandelte. Wir haben uns an der Ausschreibung beteiligt, weil wir die Chance wahrnehmen wollten, im architektonischen Dialog mit der Elbphilharmonie und dem Stadtbild ein weiteres Beispiel für herausragende Architektur zu schaffen, um so einmal mehr weltweite Aufmerksamkeit für Hamburg zu generieren.“ Namhafte Banken und starke Partner für die Finanzierung des Milliardenbauvorhabens seien mit im Boot gewesen, so Schwinger-Caspari. Allein der finanzielle Aufwand, sich an der Ausschreibung zu beteiligen, soll bei mehr als einer Million Euro gelegen haben.

Innenhof sollte öffentlich zugänglich sein

Der Entwurf, der wie die Entwürfe der weiteren Mitbewerber von Sonnabend an in einer Ausstellung zu sehen sein wird (siehe rechts), stammt von dem international renommierten Architekturbüro Snøhetta mit Sitz in Oslo und in New York. „Den Architekten ist ein ausgewogener skulpturaler Entwurf gelungen, der mit seiner spannungsreich organischen Figur alle Funktionen eines urbanen Raumes an einem herausfordernden Platz nachhaltig vereint und als Scharnier zwischen verschiedenen Stadträumen konzeptionell und architektonisch ins 21. Jahrhundert weist“, so Schwinger-Caspari.

Das Konzept besteht aus zwei Gebäudeteilen: zum einen aus den mehr als 200 Meter hohen Westturm mit einer öffentlichen Aussichtsplattform über zwei Etagen. Zum anderen einen rund 100 Meter hohen Oststurm mit einem für jedermann zugänglichen begrünten Dachgarten. Das Ensemble sollte mit einem eigenen Windkraftwerk und Solaranlagen ausgestattet und so den Anforderungen in Sachen Nachhaltigkeit gerecht werden. Da auch die öffentliche Nutzung ein wichtiger Ansatz im Entwurf der DIP AG war, sollte ein begrünter Innenhof mit rund 10.000 Quadratmetern Fläche zur Verfügung stehen.

Öffentlich zugänglicher Skywalk

„Wir wollten im Herzen des Gebäudes einen Ort der Kommunikation mit hoher Aufenthaltsqualität für alle Hamburger und Gäste aus aller Welt schaffen“, sagte Ahlhaus. In 20 Metern Höhe sollte durch den Innenhof auch ein öffentlich zugänglicher Skywalk führen, im Erd­geschoss außerdem Gastronomie und Einzelhandel angesiedelt werden. Zudem waren ein 5100 Quadratmeter großer, öffentlicher Schwimmbad- und Wellnessbereich, eine 3500 Quadratmeter große Jazzakademie mit Konzertsaal sowie ein Gesundheitszentrum geplant.

Die DIP AG hatte in ihrem Entwurf eine Nutzung unter anderem aus Büro (47.900 Quadratmeter) und Co-Working-Flächen (7000 Quadratmeter) sowie eine Hotelnutzung auf 35.000 Qua­dratmetern Bruttogeschossfläche vorgesehen. Auch Wohnraum auf 49.000 Quadratmetern Fläche gehörte zum Konzept – anders als beim Siegerentwurf. „Durch die Integration von Wohnungen, Aussichtsplattformen und umfassenden Freizeitangeboten sowie öffentlichen Wegen und Plätzen sollte jederzeit ein lebendiger Stadtraum für alle geschaffen werden“, sagte Ahlhaus. Durch eine Doppelfassade sollte der Lärm für die Bewohner minimiert werden, so Schwinger-Caspari.

Dass es am Ende nicht geklappt hat, nehmen Ahlhaus und Schwinger-Caspari sportlich: „Natürlich akzeptieren wir die Entscheidung der Stadt und wünschen den Investoren im Interesse unserer Stadt viel Erfolg.“ Die DIP AG werde sich auch künftig an Ausschreibungen für wegweisende Projektentwicklungen in europäischen Großstädten beteiligen, kündigte Schwinger-Caspari an.