Rotherbaum

Koloniales Erbe wird weiter erforscht

Behörde gibt eine Million Euro für Aufarbeitung. Hamburg hat Vorreiterrolle

Rotherbaum.  Als Handels- und Hafenstadt spielte Hamburg eine besondere Rolle im Kolonialismus. Um diese kritisch zu reflektieren, rief der Senat 2014 die Forschungsstelle „Hamburgs (post)koloniales Erbe“ ins Leben. Deren Arbeit war zunächst auf drei Jahre befristet, kann nun aber weitere fünf Jahre fortgesetzt werden: Die Wissenschaftsbehörde stellt dafür eine Million Euro zur Verfügung.

Hamburg solle weiterhin seine koloniale Vergangenheit systematisch wissenschaftlich aufarbeiten, sagte Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) am Donnerstag. Jürgen Zimmerer, Leiter der Forschungsstelle, habe in den vergangenen Jahren „exzellente Arbeit geleistet“ und sich „national wie international einen hervorragenden Ruf erarbeitet“. Als Beispiel für die Arbeit seiner Forschungsstelle wählte Zimmerer das Beispiel der Bronzestatuen aus Benin, die derzeit im Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) ausgestellt werden. Es sei bekannt, dass diese Raubkunst um 1900 durch den Ankauf des Museumsdirektors Justus Brinckmann in den Besitz des MKG gelangte. „Wie genau aber die Statuen aus dem geplünderten Königspalast nach Hamburg gelangten, müssen wir noch untersuchen“, so Zimmerer. Welche Auswirkungen der Raub des Kulturguts in Benin hatte, habe ein nigerianischer Mitarbeiter erforschen können. „Durch den Raub der Königinskulpturen hat das Frauenbild in der Region sehr gelitten.“

Die Forschungsstelle, die über 15 Mitarbeiter verfügt, ist auch beratend tätig – etwa wenn bei Straßennamen Unsicherheit besteht. Doch eigentlich geht es um viel mehr: „Die Erforschung des kolonialen Erbes ist Zukunftsforschung. Denn nur, wer die Geschichte der globalisierten Welt kennt, kann Entscheidungen treffen“, so Zimmerer.

Hamburg nehme bei dieser Aus­einandersetzung eine Vorreiterrolle ein, so Kultursenator Carsten Brosda (SPD). Das Thema sei sogar Bestandteil des neuen Koalitionsvertrages, er habe die entsprechende Arbeitsgruppe mitgeleitet. Für die Regierung sei es von Interesse, da es bei deren Beziehungen zu Afrika eine Rolle spiele. Neben der Einrichtung der Forschungsstelle wurden in Hamburg zahlreiche weitere Maßnahmen zur Aufarbeitung des kolonialen Erbes angeschoben: So setzen sich etwa die städtischen Museen verstärkt mit dem Thema auseinander.